Sonntag, 21. Dezember 2014

08. Mai 2008 14:44 Uhr

Inzest-Drama von Amstetten

Sex mit der Tochter:"Es war wie eine Sucht"

Josef Fritzl bleibt in Untersuchungshaft. Indessen sickern immer neue Details über seine Verbrechen durch. In seiner schockierenden Lebensbeichte schildert er unter anderem, dass der Sex mit seiner Tochter "wie eine Sucht" gewesen sei.

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Josef Fritzl

Wien (AZ/dpa) - Es ist eine schockierende Lebensbeichte. Josef Fritzl hat sich bislang jedoch nicht selbst geäußert, sondern das Reden seinem Anwalt überlassen. Das österreichische Nachrichtenmagazin News veröffentlichte jetzt die perverse Lebensgeschichte des 73-Jährigen, die er im Gefägnis seinem Wiener Anwalt Rudolf Mayer diktiert hatte. Und die Aussagen lassen tief in die Psyche des Inzest-Täters blicken.

Als Einzelkind in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, habe er seinen Vater als "Hallodri" und "Taugenichts" erlebt, der "die Mama", ständig betrogen habe. Zu seiner Mutter hingegen habe er immer aufgeschaut. Nach der Trennung seiner Eltern sei sie "der Boss gewesen daheim" und er "der einzige Mann im Haus". Nach "kleinen Liebschaften" mit ein "paar Mädchen" habe er schon bald seine heutige Frau Rosemarie gefunden. "Seit ich zurückdenken kann, ist es mein innigster Wunsch gewesen, einmal viele Kinder zu haben", erzählt Fritzl.

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Der 73-Jährige räumt in seinem Geständnis ein, die Tat zwei, drei Jahre im Voraus geplant zu haben. Dann habe er damit begonnen, "einen Raum in meinem Keller als Zelle umzugestalten". Von den Umbauarbeiten habe niemand etwas bemerkt. Und wenn, wäre es egal gewesen. "Der Keller des Hauses war mein Reich". Niemand habe sich dorthin vorgewagt.

Dass er sich ausgerechnet Elisabeth als Opfer ausgewählt hat, erklärt der 73-Jährige mit der Pubertät seiner Tochter, die sich an überhaupt keine Regeln mehr gehalten habe. "Deshalb musste ich vorsorgen, einen Ort schaffen, an dem ich Elisabeth irgendwann möglicherweise zwangsweise von der Außenwelt fernhalten konnte."

Sein Trieb, mit Elisabeth Sex zu haben, sei immer stärker geworden. "Ich wusste, dass Elisabeth nicht wollte, was ich mit ihr anstellte. Ich wusste, dass ich ihr weh tat." Dennoch: "Der Drang, endlich das Verbotene zu tun können, ist einfach zu groß in mir gewesen. Es war wie eine Sucht."

Und er habe sich Kinder gewünscht mit ihr. "Ich wollte, dass Elisabeth schwanger wird." Nach der ersten Geburt sei er stolz darauf gewesen, nochmals Vater geworden zu sein. "Es war schön, auch im Keller eine Familie zu haben."

Und Fritzel hatte an alles gedacht. Für den Fall, dass ihm etwas zugestoßen wäre, hatte er eigenen Angaben zufolge vorgesorgt. "Jedes Mal, wenn ich den Bunker verließ, aktivierte ich ein Relais mit einer Zeitschaltuhr, wodurch garantiert war, dass sich die Türe zum Verlies nach Ablauf einer Frist von selbst geöffnet hätte. Wäre ich gestorben, wären Elisabeth und die Kleinen also befreit gewesen."

Fritzl habe immer versucht, für die Tochter und die Kinder im Keller zu sorgen. "Wenn ich in den Bunker ging, brachte ich meiner Tochter Blumen und den Kindern Bücher und Stofftiere mit, ich sah mir mit ihnen per Videorekorder Abenteuerfilme an, während Elisabeth unsere Lieblingsspeise kochte." Weihnachten und Geburtstage seien im Verlies gefeiert worden. Er habe heimlich "Christbäume, Torten und Geschenke in den Keller geschleppt".

Fluchtversuche der Tochter und der Inzest-Kinder seien einfach zu verhindern gewesen, sagt er. "Ich benötigte dazu keine körperliche Gewalt. Sie akzeptierten mich vollends als Familienoberhaupt. Sie hätten sich daher niemals getraut, mich zu attackieren. Und außerdem wussten sie, dass nur ich den Nummerncode für die Fernbedienung, mit der die Türe zum Verlies zu öffnen und zu schließen war, kannte."

Wie Josef Fritzl weiter ausführt, habe er bereits Pläne gehabt, seine Geiseln freizulassen. "Ich wollte Elisabeth, Kerstin, Stefan und Felix zu mir nach Hause bringen, demnächst bereits." Er selbst sei sich darüber klar gewesen, diesen Schritt gehen zu müssen. "Ich war doch mittlerweile älter geworden, ich wurde unbeweglicher, ich wusste einfach, dass ich es in naher Zukunft nicht mehr schaffen würde, meine Zweitfamilie im Bunker zu versorgen."

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