"Die Universität Bayreuth hat glockenklar und ohne Eifer Guttenberg als Täuscher enttarnt. Es war der prominenteste Fall von gelungener Selbstreinigung nach akademischem Betrug. Die Verästelungen der Affäre gehen bis in die Karrieren weiterer Politiker und Top-Führungskräfte. Die Fälle der Stoiber-Tochter Veronica und anderer, die um ihre Doktorgrade zittern, stehen für eine ungesunde Karrierehast. Jeder Schummel-Doktor untergräbt das Vertrauen in alle Fachleute mit Zertifikat." Hamburger Abendblatt
"Die Affäre Guttenberg hätte verhindert werden können - durch Ehrlichkeit des Doktoranden und durch Sorgfalt der Fakultät. An beidem hat es gefehlt. Wegen Guttenberg, also auch wegen der Uni Bayreuth, gibt es jetzt in Deutschland wieder einen Lebensbereich, in dem Vertrauen leider durch kalte Kontrolle ersetzt werden muss." Die Welt
-
ANZEIGE
"Zu einem Täuscher gehören auch immer solche, die sich täuschen lassen. Zum Beispiel jene Professoren, die sich bei der Bewertung der Doktorarbeit Guttenbergs, vielleicht auch Koch-Mehrins, nicht von wissenschaftlichen Kriterien leiten ließen, sondern von persönlichen. Vom Namen der Doktoranden, vom Charme des Freiherrn, von der Sympathie der jungen Kollegin. Nicht der Kopf urteilte, sondern der Bauch, das Herz. Das ist menschlich, macht aber eben auch anfällig für Fehler. Ein zweiter, kühler, anonymisierter Blick auf derartige Arbeiten würde dem Wissenschaftsbetrieb vermutlich gut tun." Berliner Morgenpost
"Das Ganze ist jammerschade. Schade um die glänzende aristokratische Figur, die “KT” im Einheitsbrei der deutschen Politiker gemacht hatte. Schade um die Hoffnungen, die sich viele Wähler auf eine “neue Generation” von Politikern gemacht haben. Und schade auch, dass wir wieder einer Illusion beraubt wurden: Adel verpflichtet eben doch nur begrenzt – wenn überhaupt." Neue Westfälische
"Die Glaubwürdigkeit der Universitäten insgesamt hat ganz eindeutig Schaden genommen. Wer beklagt, dass das nicht wissenschaftliche Volk kein Verständnis für den Wert geistigen Eigentums habe, muss diesen Wert auch selbst erkennen und verteidigen. Das ist in diesem Fall nicht passiert und auch nur deshalb an die Öffentlichkeit gelangt, weil der Doktorand ein Prominenter war. Die „Aufräumarbeiten“ an den Universitäten haben jedenfalls gerade erst begonnen, auch, weil bereits neue Plagiatsvorwürfe gegen weitere Doktortitel-Träger im Raum stehen." Rhein-Zeitung
"Karl-Theodor zu Guttenberg hat vorsätzlich getäuscht, sich den Doktortitel erschwindelt. So weit, so übel. Doch wie erklärt Ex-Doktor Karl-Theodor zu Guttenberg sein Verhalten? Der Selbstverteidigungsexperte greift zum altbekannten Muster: zu Guttenberg ist, wenn andere schuld sind." WAZ
-
16. Februar 2011 - Die «Süddeutsche Zeitung» veröffentlicht einen Bericht, in dem der Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano Stellen in Guttenbergs Doktorarbeit als «dreistes Plagiat» und «Täuschung» bezeichnet. Guttenberg schließt einzelne Fehler beim Zitieren nicht aus, erklärt aber: «Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus.» Die Universität Bayreuth will die Vorwürfe überprüfen.
-
17. Februar - Die Kritik wird immer massiver: Der Minister soll in seiner Doktorarbeit noch mehr Textstellen abgeschrieben haben als bislang bekannt - unter anderem von der Webseite der US-Botschaft und aus einem Aufsatz des ehemaligen Verteidigungsministers Rupert Scholz (CDU). Die Uni Bayreuth fordert Guttenberg auf, binnen zwei Wochen dazu Stellung zu nehmen. Am Abend trifft sich Guttenberg mit Merkel im Kanzleramt. Dabei bekundet die Kanzlerin "volles Vertrauen" in ihren Minister.
-
18. Februar - Guttenberg kündigt an, dass er bis zur Klärung der Vorwürfe durch die Uni vorübergehend auf seinen Doktortitel verzichtet. Er entschuldigt sich, räumt Fehler ein, versichert aber, die Dissertation sei kein Plagiat. Die ersten Strafanzeigen gegen Guttenberg werden gestellt - wegen möglicher Verstöße gegen das Urheberrecht und falscher eidesstattliche Versicherung.
-
19./20. Februar - Die Opposition verdächtigt den Minister, für seine Dissertation den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages missbraucht zu haben. Im Internet haben Hunderte von Plagiatsjägern nach eigenen Angaben auf mehr als 260 Seiten der Doktorarbeit abgeschriebene Textstellen gefunden.
-
21. Februar - Der Minister hält an seinem Amt fest. Er gehe im Sturm nicht von Deck, sagt Guttenberg auf einer CDU-Veranstaltung in Kelkheim bei Frankfurt/Main. Auf seinen Doktortitel will er aber dauerhaft verzichten und bittet die Uni, den Titel zurückzunehmen. In Berlin betont Kanzlerin Angela Merkel (CDU): «Ich habe keinen wissenschaftlichen Assistenten oder einen Promovierenden oder einen Inhaber einer Doktorarbeit berufen». Ihr gehe es um die Arbeit als Bundesverteidungsminister. «Die erfüllt er hervorragend, und das ist das, was für mich zählt.»
-
22. Februar - Merkel gibt dem Minister erneut Rückendeckung. Auch die Unionsfraktion stellt sich hinter Guttenberg.
-
23. Februar - Guttenberg räumt im Bundestag ein, er habe eine «offensichtlich sehr fehlerhafte Doktorarbeit geschrieben». Minister wolle er bleiben. Die Opposition wirft ihm vor, er habe «getäuscht, betrogen, gelogen» - und müsse gehen. Die Uni Bayreuth erkennt Guttenberg den Titel ab.
-
24. Februar - Der Deutsche Hochschulverband (DHV) kritisiert das Verhalten von Teilen der Politik in der Plagiats-Affäre als «empörend». DHV-Präsident Bernhard Kempen erklärt: «Es ist unerträglich, wie die Bedeutung der Wissenschaft und ihrer ehernen Gesetze politisch kleingeredet wird.»
-
26. Februar: Der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Jörg Hacker, wirft Guttenberg vor, ein schlechtes Vorbild zu sein: «Unredliches Vorgehen bei der Abfassung wissenschaftlicher Arbeiten stellt eine Handlung dar, die den Respekt vor der Wissenschaft und ihren elementaren Prinzipien vermissen lässt.» Mehrere Juristen gehen davon aus, dass Guttenberg mit Vorsatz fremde Texte verwendet hat.
-
28. Februar: 30 000 Bürger protestieren im Internet mit einem Brief an Merkel gegen den Umgang mit der «Causa Guttenberg». In Reihen des Koalitionspartners FDP wird sein Rückzug ins Spiel gebracht. Der FDP-Forschungspolitiker Martin Neumann gibt ihm noch «maximal zwei Wochen Zeit», die Vorwürfe auszuräumen: «Wenn er die Umstände seiner Promotion weiter so im Unklaren lässt, halte ich ihn als Minister und obersten Dienstherren von zwei Bundeswehruniversitäten nicht mehr für tragbar.» Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat großes Verständnis für Unmut in der Wissenschaft: «Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt. Und der Schutz des geistigen Eigentums ist ein hohes Gut.»
-
1. März: Guttenberg erklärt seinen Rücktritt: Er habe die Grenzen seiner Kräfte erreicht. Merkel nimmt den Rücktritt an, zeigt sich aber betrübt über die Entscheidung, die sie überrascht habe.
-
19. März: Nach seinem Ministeramt und seinem Bundestagsmandat hat Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg auch den Vorsitz des CSU-Bezirksverbands Oberfranken niedergelegt. Nachfolger wird Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich.
-
13. April: Der Präsident des Bundestags Norbert Lammert wird in der Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg keinen Strafantrag stellen.
-
15. April: Der Ex-Verteidigungsminister und CSU-Politiker legte sein Mandat im Kulmbacher Kreistag nieder. Guttenberg gehörte dem Kreistag seit 2002 an.
-
1. Mai: Zu Guttenberg hat eine schriftliche Stellungnahme zu den Plagiatsvorwürfen an die Uni Bayreuth gefaxt. Darin spricht er laut einem Medienbericht von einem "Missverständnis".
-
6. Mai: Karl-Theodor zu Guttenberg hat laut der Universität Bayreuth bei seiner Doktorarbeit vorsätzlich getäuscht. Damit setzt sich der Niedergang des einstigen Politstars fort.
"Karl-Theodor zu Guttenberg hat gebüßt für seine abgeschriebene Doktorarbeit. Nicht lange, aber heftig. Er hat am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn man von den höchsten Höhen medialer Gunst abstürzt ins mediale Höllenfeuer; er hat erlebt, wie schnell man ein Ministeramt loswerden kann, dessen er sich bis zuletzt zu sicher war; er hat kübelweise Hohn und Spott gerade von jenen ertragen müssen, die ihm, als alles noch gut war, offene Bewunderung zuteil werden ließen. Dass es so kam, hat aber einzig und allein Guttenberg selbst zu verantworten." Nürnberger Zeitung
"Peinlich, peinlicher, Guttenberg." Financial Times Deutschland
"Und wann kommt der oder die Nächste an die Reihe? Dass an einem Tag drei Prominente ihren Doktor-Titel verlieren, macht schon ein wenig fassungslos." NWZ
"In den deutschen Hochschulen denkt man zu Recht darüber nach, ob man die Regularien einer Promotion ändern muss. Der wichtigste Schritt wäre sicher, von der persönlichen Befangenheit in der Prüfung wegzukommen. (...) Zudem sollten Universitäten ernsthafter als bisher darauf achten, ob Doktoranden wirklich Interesse an Forschung haben – oder ob sie nur der Titel lockt, wie das offenbar unter Juristen, aber auch in anderen akademischen Fächern verbreitet ist." Badische Zeitung
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: