Mittwoch, 22. Mai 2013

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Foto: oH

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Gemütlicher Walzer im Dreivierteltakt oder flotte Salsa in schnellem Tempo: Beim Tanzen findet jedes Paar genau die Belastung, die zu seiner Fitness passt.

Erst ein langsamer, dann zwei schnelle Schritte: Sachte schieben acht Paare ihre Füße zur Musik über das Parkett und wiegen leicht die Hüften. "Goldeneye, I found his weakness. Goldeneye, he'll do what I please", tönt die Stimme von Tina Turner im Rumba-Rhythmus aus den Boxen. Manche Tänzer plaudern gut gelaunt mit ihren Partnerinnen, andere wirken hochkonzentriert. Einen Foxtrott und eine Salsa später steht einigen Paaren bereits der Schweiß auf der Stirn. Tanzlehrerin Sabine Karkó lässt einen Tango erklingen, tippt einem Paar auf die Schulter und gibt ein paar Tipps.

Mit Freude bei der Sache

Allen ist an diesem Abend in der Tanzschule TanzZwiet in Berlin die Freude anzumerken, mit der sie bei der Sache sind. "Es macht ganz einfach Spaß", sagt Karin, eine Mittvierzigerin, die sich selbst eher als "Bartyp" beschreibt. Dennoch hat sie ihrem Mann Holger vor zwei Jahren einen Tanzkurs zum Geburtstag geschenkt - seitdem tanzen die beiden mit Begeisterung regelmäßig, "auch im Urlaub". Sie sehen die Bewegung als guten Ausgleich zum Büroalltag - und als gute Gelegenheit, um als Paar einer gemeinsamen Sportart nachzugehen.

"Tanzen ist Sport, die Paare kommen alle ins Schwitzen", bestätigt Sabine Karkó. Es sei das beste Ganzkörpertraining, das es gibt. "Wann im Alltag drehen wir uns denn mal um die eigene Achse oder machen einen Ausfallschritt nach hinten?", fragt sie. Beim Paartanz sind genau das integrale Bestandteile - sie halten den Körper in Schwung und können so zum Beispiel Bandscheibenvorfällen vorbeugen.

Saubere Schritte setzen

Tanzen trainiert außerdem die Kondition und das Koordinationsvermögen. "Als Tänzer lernen Sie, saubere Schritte zu setzen", erläutert Elfi Datzer vom Institut für Tanz und Bewegungskultur der Deutschen Sporthochschule Köln. "Dass jemand nachlässig tanzt, sieht man kaum - im Gegensatz zum Laufen." Tanzen schule darüber hinaus die Standfestigkeit und das Gleichgewicht, eine gute Abrolltechnik und die Körperspannung. Letztere ist nötig, um Knie- und Hüftgelenke kontrolliert bewegen zu können. Außerdem fördere Tanzen die Konzentration: "Sie müssen körperlich sensibel auf den Input Ihres Partners reagieren", sagt Datzer.

"Beim Tanzen muss man verschiedene Fähigkeiten zusammenbringen", fasst Heide Estler, Vizepräsidentin des Deutschen Tanzsportverbandes, die Herausforderung zusammen. "Man rennt nicht stur seine 100 Meter, man muss sich schon ein bisschen mehr anstrengen." Das helfe auch, im Kopf fit zu bleiben - die unterschiedlichen Ansprüche durch Bewegung und Rhythmus trainieren auch im fortgeschrittenen Alter noch das Gehirn. Auch die Psyche profitiert: "Man fühlt sich gut, wenn man sich bewegt", versichert Estler.

Das kann wirklich jeder

Tanzen lernen kann im Prinzip jeder, da sind sich die drei Expertinnen sicher. "Jeder Mensch ist ein Tänzer", sagt Elfi Datzer in Anlehnung an den Satz "Jeder Mensch ist ein Künstler" von Joseph Beuys. "Es gibt viele, die sagen, sie haben zwei linke Füße, aber das stimmt nicht", fügt Heidi Estler hinzu. Zwar werde nicht jeder ein Tanzweltmeister, aber wer einfach mal anfängt, die Hüften zur Musik zu bewegen, werde feststellen, dass das gar nicht so schwierig ist. Und auch die Aussage, "kein Rhythmusgefühl" zu haben, stimme selten, ergänzt Sabine Karkó: "Wir hören bei Musik nur meist nicht richtig hin."

Gerade für Menschen, die nicht sonderlich fit sind, ist Tanzen laut Datzer ein "supergutes Intervalltraining". Denn üblicherweise tanzt kaum jemand einen ganzen Abend lang am Stück, sondern macht immer mal wieder ein Päuschen. "Außerdem kann ich das Tanzen so ausführen, dass es wenig belastend ist." Während ein Paar also mit raumgreifenden Schritten in Kürze den Saal durchquert, tanzt ein anderes vielleicht überwiegend auf der Stelle: So spart es Kraft und bleibt trotzdem in Bewegung. (tmn)

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