Angesichts der sich verschärfenden Eurokrise rechnet der Sachverständigenrat für 2012 nur noch mit minimalem Wachstum in Deutschland. Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro sagte der "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe), die deutsche Wirtschaft werde im nächsten Jahr "um rund 0,4 Prozent wachsen". Außerdem schloss die Wirtschaftsweise einen Zusammenbruch des Euro nicht aus.
di Mauro: Schrumpfen der Wirtschaft möglich
Voraussetzung sei, dass die Regierungschefs die aktuelle Krise schnell in den Griff bekommen. "Sollte die Krise aber zu Nullwachstum im Welthandel führen, ist auch ein Schrumpfen der Wirtschaft um 0,5 Prozent möglich", sagte Weder die Mauro. Dann wären auch Arbeitsplätze in Deutschland in Gefahr.
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Anfang November hatte der Sachverständigenrat in seiner Hauptprognose für 2012 noch ein Wirtschaftswachstum in Deutschland von 0,9 Prozent vorausgesagt. Weder di Mauro dämpfte zugleich die Sorgen vor einer anhaltenden Teuerungswelle. "Die allgemeine Konjunkturabkühlung sorgt kurzfristig eher für stabile Preise", sagte sie.
Wirtschaftsweise: Auseinanderbrechen der Währung nicht unmöglich
Weder die Mauro hält angesichts der immer größeren Spannungen im Euroraum ein Auseinanderbrechen der Währung im kommenden Jahr nicht mehr für unmöglich. In dem Interview mit der "Bild"erklärte Weder di Mauro auf die Frage, ob der Euro 2012 auseinanderbreche: "Das wäre für alle Beteiligten schlimm - aber nicht mehr ganz auszuschließen." Die Politik versuche seit fast zwei Jahren, die Krise einzudämmen und "Brandschutzmauern" zu ziehen. Allerdings reichten diese Mauern bisher nicht aus, sagte Weder di Mauro.
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Seit fast 13 Jahren gibt es den Euro, seit knapp 10 Jahren auch im Portemonnaie. In Deutschland hatte der Euro vom Start weg bei den Menschen einen schwierigen Stand, rasch machte das Wort «Teuro» die Runde. Die wichtigsten Etappen auf dem bisherigen Weg zum Euro als EU-Gemeinschaftswährung:
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1. Juli 1987: Das Ziel Währungsunion wird im EG-Vertrag verankert.
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7. Februar 1992: Unterzeichnung des EU-Vertrages von Maastricht, der die Währungsunion bis 1999 vorsieht und Beitrittskriterien festlegt.
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1. November 1993: Ratifizierung des Maastricht-Vertrages. Aus den Europäischen Gemeinschaften (EG) wird die Europäische Union (EU).
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Dezember 1995: Als Einheiten der neuen Währung werden Euro und Cent festgelegt.
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16./17. Juni 1997: Verabschiedung des Stabilitäts- und Wachstumspakts in Amsterdam. Einigung auf die «europäische Seite» für die Münzen.
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25. März 1998: Die EU-Kommission und das Europäische Währungsinstitut (EWI), Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB) empfehlen elf Länder für den Start der Währungsunion. Außen vor bleiben aus freien Stücken Großbritannien, Dänemark, Schweden sowie Griechenland, das die Kriterien noch nicht erfüllt.
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1. bis 3. Mai 1998: Ein Sondergipfel der EU-Gremien gibt in Brüssel grünes Licht für den Euro. Die Staats- und Regierungschefs bestimmen den 1. Januar 1999 als Start der Währungsunion.
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31. Dezember 1998: Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU legen den Umrechnungskurs des Euro zu den elf Teilnehmerwährungen endgültig fest. Danach ist ein Euro 1,95583 D-Mark wert.
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1. Januar 1999: Der Euro wird gemeinsame Währung der elf Länder. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte nationale Geld bleibt noch das allein gültige Zahlungsmittel.
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4. Januar 1999: Die Finanzmärkte nehmen den Handel mit Euro auf.
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Juli 1999: Die Herstellung des neuen Bargelds läuft an.
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1. Januar 2001: Griechenland wird nach Erfüllung der Beitrittskriterien zwölftes Euroland-Mitglied - allerdings mit frisierten Haushaltszahlen, wie sich später herausstellt.
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1. September 2001: Beginn der Ausgabe von Noten und Münzen an Banken und Handel.
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1. Januar 2002: Der Euro wird gesetzliches Zahlungsmittel.
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1. März 2002: Die D-Mark verliert ihre Gültigkeit, kann aber weiterhin gegen Euro eingetauscht werden.
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1. Mai 2004: Zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum werden neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen.
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1. Januar 2007: Als erster der neuen EU-Staaten wird Slowenien 13. Mitgliedsland der Euro-Zone. Ein Beitrittsgesuch Litauens wird hingegen von der EU-Kommission wegen überhöhter Inflation abgelehnt.
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1. Januar 2008: Malta und die Republik Zypern führen den Euro ein.
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1. Januar 2009: Die Slowakei führt den Euro ein.
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Frühjahr 2010: Griechenland kommt in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euroland Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, die sich trotz neuer Milliarden-Hilfspakete auch für Irland und Portugal bis Ende 2011 dramatisch verschärft.
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1. Januar 2011: Zum Auftakt des schlimmsten Krisenjahres führt Estland den Euro ein - als erste frühere Sowjetrepublik. Damit leben gut 330 Millionen Menschen im Euro-Raum mit 17 Mitgliedsländern.
Kosten sind unkalkulierbar
In einem solchen Fall seien die Kosten unkalkulierbar. Zur Rettung der Gemeinschaftswährung schlug die Wirtschaftsweise erneut einen Dreiklang vor. "Überschuldete Euro-Staaten müssen sich langfristig einer Insolvenzregel unterwerfen. Die anderen müssen sich verpflichten, die Schulden abzubauen und die Staatshaushalte zu sanieren", sagte sie. Zugleich müssten die Schuldenquoten "mit einem Schuldentilgungspakt in 20 Jahren überall unter 60 Prozent fallen". Außerdem müssten die Zinsen kurzfristig durch gegenseitige Garantien auf ein realistisches Niveau gedrückt werden. (dapd)
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