Freitag, 19. Januar 2018

22. November 2017 11:00 Uhr

Neusäß/Nürnberg

Er will Krebskranken etwas von der Angst nehmen

Für sein Engagement erhält der Neusässer Arzt Günter Schlimok die Staatsmedaille. Was ihm wichtig ist.

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Prof. Dr. Günter Schlimok mit Staatsministerin Melanie Huml bei der Verleihung der Bayerischen Staatsmedaille für Verdienste um Gesundheit und Pflege in Nürnberg.
Foto: Bayerisches Staatsministerium

Er sucht immer wieder den direkten Kontakt mit seinen krebskranken Patienten, betreut sie weit über die rein medizinische Versorgung hinaus und setzt sich zudem für ein flächendeckendes Netz von Krebsberatungsstellen ein: Für sein langjähriges Engagement hat der Neusässer Arzt Prof. Dr. Günter Schlimok in Nürnberg die Bayerische Staatsmedaille erhalten.

Mensch an sich liegt ihm am Herzen

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Der 68-jährige Schlimok legt in seiner Arbeit als Hämatologe und Onkologe besonders auf eines viel Wert: die Nähe zu seinen Patienten. „Ich habe den Eindruck, dass das gemeinsame Gespräche mit den Betroffenen wirklich hilft“, erklärt er. Das sieht auch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege so. Ministerin Melanie Huml lobte bei der Verleihung: „Ihm liegt besonders der krebskranke Mensch an sich am Herzen.“

Schlimok habe erkannt, heißt es in der Laudatio, dass zwei Drittel der Betroffenen und ihre Angehörigen nach Abschluss der Primärtherapie weiterhin psychische Hilfe benötigen. Denn viele Patienten leiden anschließend an sozialer und wirtschaftlicher Not, Angstsymptomen und depressiven Episoden. „Nach der organisierten Therapie verlassen die Patienten immer früher das Krankenhaus. Sie stehen dann oft fassungslos und leer da, haben viele Fragen“, sagt Schlimok. Etwa: Wie geht es medizinisch weiter? Wie sieht es mit der Rente oder der Berufsunfähigkeit vor? Wie beantragt man eine Haushaltshilfe?

Wichtig: Gespräche auf Augenhöhe

Krebsberatungsstellen sollen den Patienten hierbei schnell und kostenfrei helfen. Obwohl Krebs bei den Todesursachen in Deutschland weit oben steht, haben sich die Heilungschancen bei den meisten Arten deutlich verbessert. Die Diagnose ist für die Patienten aber nach wie vor ein großer Schock: „Tumorpatienten haben oft viel mehr Angst als jemand mit Diabetes, obwohl die Sterblichkeit geringer ist.“ Die Psyche spiele für den Krankheitsverlauf eine wichtige Rolle. Anlaufstellen seien extrem wichtig, sagt Schlimok.

Ebenso wichtig sei es, auch in den persönlichen Gesprächen auf Augenhöhe mit den Betroffenen zu sein. Schlimok vertritt den Standpunkt, dass Fachsimpeln nicht hilfreich ist. „Verstehen die Patienten in der Sprechstunde oder bei Vorträgen nicht worum es geht, schafft das noch mehr Angst und Bedrohliches“, erklärt er. Am besten ist es seiner Meinung nach, den Betroffenen den großen Teil der unbegründeten Sorgen und Nöte zu nehmen.

Realistisch, authentisch, nah

Von dieser Vorgehensweise ist der Arzt in seiner langen beruflichen Laufbahn nicht abgewichen. 38 Jahre war er am Klinikum Augsburg beschäftigt, davon 18 Jahre als Chefarzt. Seit 2003 engagiert er sich ehrenamtlich für die Bayerische Krebsgesellschaft und ist seit sechs Jahren ihr amtierender Präsident. Aktuell arbeitet der Neusässer im Zentrum für Pneumologie, Onkologie und Schlafmedizin in Augsburg. Zu seinen medizinischen Schwerpunkten zählen die Behandlung von Tumoren, Leukämien und die Stammzelltransplantation. An der Universität München forschte Schlimok an der Entwicklung von Krebsmedikamenten.

Für diesen breit gefächerten Einsatz wurde er nun ausgezeichnet. Schlimok hat die Verleihung in der Kaiserburg in Nürnberg genossen: „Es war ein würdiger Rahmen und wirklich gut und schön gemacht.“ Staatsministerin Melanie Huml fasste bei der Veranstaltung zusammen: „Schlimok ist immer ein Realist geblieben, der mit den krebskranken Menschen auf Augenhöhe kommuniziert. Seine Ausstrahlungskraft macht ihn so authentisch, was von seinen Patienten immer wieder anerkannt wird.“

Die Staatsmedaille für Verdienste um Gesundheit und Pflege ist die höchste Auszeichnung des bayerischen Gesundheits- und Pflegeministeriums. Sie soll anderen Menschen Ansporn sein, sich einzusetzen und gelte „Vordenkern und Menschen der Tat.“

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Ein Artikel von
Sven Koukal

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