Samstag, 23. September 2017

18. August 2017 07:43 Uhr

Bayern

Nachwuchssorgen bei Vereinen: Keine Lust mehr auf Feuerwehr?

Viele Vereine versuchen, schon die Kleinsten zu begeistern. Doch das gelingt nicht immer. Wer besonders große Nachwuchssorgen in Bayern hat.

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Vielen Vereinen in Bayern geht der Nachwuchs aus. Ob freiwillige Feuerwehren, Blaskapellen oder Sportvereine – überall sinken die Mitgliederzahlen. „Derzeit haben wir 46170 musizierende Jugendliche unter 18 Jahren in unseren Blaskapellen. Vor zehn Jahren waren es aber schon einmal 51000“, sagt Andreas Horber, Geschäftsführer des Bayerischen Blasmusikerverbands. Und das, obwohl es vielen Eltern wichtig sei, „ihrem Kind eine musische Bildung in Form eines Instrumentenunterrichts zuteil werden zu lassen“.

Auch die Jugendfeuerwehren in Bayern leiden: Nach Angaben des Landesfeuerwehrverbands, kurz LFV, haben sie zwischen 2007 (gut 52200) und 2017 (knapp 49000) mehr als 3000 Mitglieder verloren. „Die freiwilligen Feuerwehren haben leider im ländlichen Bereich immer mehr Nachwuchssorgen“, sagt eine Sprecherin des LFV.

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Im Gegensatz zum bayernweiten Trend sieht die Situation in Schwaben noch anders aus. Michael Seger, Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbands Schwaben, erklärt: „Bei den aktiven Jugendlichen hatten wir in den vergangenen Jahren sogar einen Zugewinn.“ Während vor zehn Jahren in den Jugendfeuerwehren noch knapp 5200 Jugendliche aktiv waren, sind es inzwischen fast 6000. Dennoch sind Seger die Probleme nicht unbekannt. Noch könne der Verein zwar insgesamt von konstanten Mitgliederzahlen sprechen. „Dafür muss man der Jugend aber auch etwas bieten, auch im Freizeitbereich.“ Immer wieder finden daher auch Aktionswochen oder Werbekampagnen statt. „Da werden nicht nur Jugendliche angesprochen, bei der Feuerwehr mitzumachen, sondern die ganze Bevölkerung“, erklärt Seger.

Nachwuchssorgen bei Vereinen: Es gibt zu wenig Jugendliche im Freistaat

Während die Mitgliederzahlen bei den Jugendfeuerwehren in Schwaben gestiegen sind, klagen die Sportvereine über ein Minus: Im Jahr 2007 waren hier noch fast 207000 Kinder und Jugendliche Mitglied in einem Sportverein. Heute sind es nur noch knapp 197000. Das zeigen Statistiken des Bayerischen Landes-Sportverbands, kurz BLSV. Ein Minus also von 10000 Mitgliedern. Ein Grund für den Mitgliederschwund ist unter anderem die geringere Zahl an Jugendlichen im Freistaat. Während 2005 noch 1,11 Millionen junge Leute zwischen zehn und 17 in Bayern lebten, waren es 2015 nur noch rund 980000, wie die Daten des Landesamts für Statistik zeigen.

Der BLSV berichtet zudem von geänderten „Verbraucherwünschen“ bei den Jugendlichen: „Nicht mehr jeder möchte die traditionellen Angebote der Vereinsabteilungen nutzen, die an feste Übungsstunden gebunden sind“, teilt der Verband mit. „Viele wollen sich körperlich betätigen, wann immer sie dazu Zeit und Lust haben.“ Viele Vereine hätten bereits auf diesen Trend reagiert, um vor allem gegen die Konkurrenz der Fitnessstudios bestehen zu können.

Und noch eine andere Entwicklung ist seit einigen Jahren zu beobachten, mit der viele Vereine zu kämpfen haben: „Der große Konkurrent sind zudem die Schule und die langen Schulzeiten“, erläutert Eva Jelen, Landesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, kurz BDKJ. Wenn die Schule erst am Nachmittag ende und dann noch Zeit für Hausaufgaben oder Lernen aufgebracht werden müsse, bleibe nicht mehr viel Zeit für andere Aktivitäten.

Viele Vereine bemühen sich schon um die Kleinsten

Bei den Mitgliedsverbänden des BDKJ kommt hinzu, dass es bei den angebotenen Freizeitaktivitäten, wie zum Beispiel der Sternsingeraktion, in der Regel keinen Lernerfolg zu beobachten gibt. „Es ist Eltern oft schwer beizubringen, dass soziale Kompetenzen genauso wertvoll sind wie Sporttraining oder die Fähigkeit, ein Instrument zu spielen“, sagt Jelen. Beim BDKJ bleiben die Mitgliederzahlen derzeit dennoch stabil.

Darüber hinaus versuchen inzwischen viele Gruppierungen, schon kleine Kinder von ihren Aktivitäten zu überzeugen, um diese langfristig an sich zu binden. „Das beginnt damit, die Kinder bereits im Kindergarten mit musikalischer Frühförderung abzuholen und sie dann mit Blockflötengruppen und Bläserklassen bis zum Erlernen eines ,richtigen‘ Instruments zu halten“, berichtet Andreas Horber vom Bayerischen Blasmusikerverband.

Diesen Trend gibt es auch in Schwaben, wie Wilhelm Schmid, Referent des Allgäu-Schwäbischen Musikbunds, erklärt: „Wir sind in Kooperation mit Musikschulen verstärkt in Bläserklassen in Grundschulen eingestiegen“, sagt er. „Erfahrungsgemäß treten danach einige Kinder in den Verein ein.“ Dadurch blieben die Mitgliederzahlen einigermaßen konstant. Von rund 40000 Mitgliedern seien rund 40 Prozent unter 18 Jahre alt, also circa 16000. „Wir brauchen wohl vorerst keine Angst haben, zu ,verhungern‘. Aber natürlich muss man sich engagieren und die Jugendarbeit fördern“, sagt Schmid.

Kinderfeuerwehren: Gesetzesänderung bringt erfreulichen Trend

Der LFV hofft derweil auf eine Stärkung der Kinderfeuerwehren. Durch eine kürzlich in Kraft getretene Gesetzesänderung können Kinder nun schon in jungen Jahren in die Feuerwehr eintreten. Hier zeigt sich bereits jetzt ein erfreulicher Trend, denn die Mitgliederzahlen in den Kinderfeuerwehren haben sich seit 2012 verachtfacht. (mit dpa)

Lesen Sie auch: Mitgliederschwund bei den Feuerwehren: Lösungen werden gesucht

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