Donnerstag, 17. August 2017

13. Mai 2016 00:39 Uhr

Vortrag

Als Augsburg einen Mantel um das Gas legte

Er galt als technische Sensation: der 1915 eingeweihte Scheibengasbehälter in Augsburg. Zur Abdichtung diente ein besonderer Stoff Von Gregor Nagler

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Links der Scheibengasbehälter, rechts die Teleskopgasbehälter – beides zu ihrer Zeit Innovationen der Ingenieurskunst.
Foto: Anne Wall

Bisweilen schärft erst die Rückschau das Verständnis für die Gegenwart. Dies möchte das Stadtarchiv Augsburg mit seinen Themenabenden zeigen. Zuletzt war die Architektin Barbara Berger geladen. Sie stellte die Entwicklung der Gasbehälter vor, das Thema ihrer Doktorarbeit. Wer „sperrigen“ Stoff befürchtet hatte, wurde eines Besseren belehrt: Die Referentin führte die filigrane Schönheit der technischen Bauten vor Augen. Die wie in den Himmel gezeichnete Architektur der Gasbehälter – durch das Wirken der Fotografen Bernd und Hilla Becher geradezu ästhetisiert – war natürlich funktional bedingt.

Seit am 31. Dezember 1813 die Londoner Westminster-Brücke im Licht von Gaslaternen erstrahlte, war der Siegeszug der Gasbeleuchtung nicht mehr zu bremsen. Er erreichte 1848 das spöttisch in „deutsches Manchester“ umgetaufte Augsburg.

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Bautechnisch war die Frage entscheidend, wie die Gasspeicher konstruiert sein mussten. Berger zeichnete die Entwicklung von den ersten Nassgasbehältern in England bis zu den in Deutschland entwickelten Trockengasbehältern nach. Die Nassgasbehälter wiesen ein Wasserbassin auf. Darüber, vom Wasser luftdicht abgeschlossen, ragte ein glockenförmiges Depot für das Gas empor. Dieses Reservoir war an ein Führungsgerüst gehängt. Je nach Füllstand konnte es sich anheben oder senken. Weil man für die stark wachsenden Städte immer mehr Gas benötigte, konnten sich die Depots bald teleskopartig auffalten. 1910 und 1913 wurden Gasbehälter dieses Typs auch in Augsburg-Oberhausen errichtet. Neben ihnen wuchs ab 1913 ein brandneues Werk nach Plänen von H. Schilling, H. Allwang und des Baubüros Gebrüder Rank empor. Genau hierher blickte man staunend bei der Eröffnung am 31. Dezember 1915, exakt 102 Jahre, nachdem britische Ingenieure Gaslicht auf die Westminster-Brücke gezaubert hatten.

Denn das Augsburger Gaswerk konnte mit einer Sensation aufwarten, einem MAN-Scheibengasbehälter. Das Patent dazu hatte 1913 Konrad Jagschitz angemeldet. In einem mehreckigen Mantelbauwerk befand sich eine Scheibe, die von dem einströmenden Gas angehoben wurde. Flüssiger Teer diente dazu, den Spalt zwischen Platte und Mantel aus vernieteten Blechen luftdicht zu verschließen. Eine glänzend schwarze Schicht legte sich so über die Innenwände. Der erste, 1970 entfernte Scheibengasbehälter in Augsburg war mit einer noch erhaltenen Stahlbeton-Architektur von sakraler Wirkung umschlossen. Sein 1953/54 gebauter, 86 Meter hoher „Nachkomme“ trumpft bis heute mit sichtbarer Mantel-Konstruktion auf. Mit einem Fassungsvermögen von 100000 Kubikmeter war er nicht eben klein, gegen ein 1928 gebautes Pendant in Chicago jedoch ein Zwerg: Dort konnten 576000 Kubikmeter Gas gespeichert werden.

Barbara Berger zeigte in ihrem Vortrag auch Revitalisierungsmöglichkeiten für nicht mehr genutzte Gasbehälter auf, etwa in Venedig, Dublin oder London. Da werden die von Streben oder Blechwänden umfassten Räume von Museen, Wohnungen oder gar einem Park besetzt. Auch beim Thema Umnutzung war der Bogen nach Augsburg schnell gespannt, denn das seit 2001 stillgelegte Gaswerk harrt einer Revitalisierung. Es blieb wohl nur durch das zähe Engagement ehemaliger „Gaswerkler“ um Oliver Frühschütz so vollständig erhalten.

Kulturreferent Thomas Weitzel präsentierte im Anschluss an Barbara Bergers Vortrag die Pläne der Stadtwerke für das Areal. Nach Ideen Karl Gansers für eine kulturelle Nutzung im Zuge der Kulturhauptstadt-Bewerbung wurde 2013 eine Machbarkeitsstudie erstellt. Eine Bürgerwerkstatt steckte Möglichkeiten und Wünsche ab. Sie fanden Eingang in eine Planung des Architekturbüros Wunderle & Partner. Herzstück soll das Ofenhaus sein, in das zeitweilig Brechtbühne und Theaterwerkstätten gelegt werden. In Etappen soll die freie Kulturszene der denkmalgeschützten Architektur neues Leben einhauchen. Schon am diesjährigen 11. September bei der bundesweiten Eröffnung des Tags des offenen Denkmals in Augsburg wird das Gaswerk Rahmen eines Benefiz-Konzertes des Deutschlandfunks sein.

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