Mittwoch, 22. November 2017

29. November 2013 00:40 Uhr

Vortrag

Ein Wirtshaus mit Klang

Susanne Wosnitzka spricht über die legendäre „Goldene Traube“ und das Augsburger Musikleben zur Mozartzeit Von Manfred Engelhardt

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Hier zogen sie durch, Persönlichkeiten der europäischen Musik, hier wurden die neuesten „Trends“ gespielt: Im Gasthaus „Die Goldene Traube“ gab man sich die Klinke in die Hand. Die Musikwissenschaftlerin Susanne Wosnitzka präsentierte in der Staats- und Stadtbibliothek einen Überblick über ihre bald erscheinende Dissertation. Ihr Vortrag „Die Goldene Traube – Zentrum des bürgerlichen Musiklebens in Augsburg zwischen 1746 und 1806“ machte neugierig auf ein spannendes Stück Kulturgeschichte.

Zwischen Moritzkirche und Fuggerhäusern gelegen, am Weinmarkt, spielte sich ein lebhaftes Kommen und Gehen der Musikszene ab. Durch Recherchen in drei Zeitungen förderte Wosnitzka ihre Erkenntnisse über ein wichtiges halbes Jahrhundert des Augsburger Musiklebens zutage: Im „Augspurgischen Intelligenz-Zettel“, der „Augspurgischen Ordinari-Postzeitung“ und in der „Augspurgischen Ordinären Zeitung“.

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Wie ein „who is who“ der europäischen Musikszene mutet die Liste der Namen von Persönlichkeiten an, die es nach Augsburg zog. Und „Die Goldene Traube“ war neben dem „Drei Mohren“, wo die Vornehmsten abstiegen (Alexander von Humboldt), und dem „Weißen Lamm“, das mit Gästenamen wie Goethe, Tischbein, Mozart, Beethoven, Haydn aufwarten konnte, der wichtigste gastronomische Ort – vor allem deshalb, weil sie nicht nur großzügig gebaut war, sondern einen imposanten Konzertsaal hatte.

Von Aufenthalten und Gastspielen u.a. von C. P. E. Bach, Georg Benda, Carl Friedrich Abel, Carl Stamitz bis zur berühmten gesamten Mannheimer Hofkapelle ist die Rede. Dazu sind wunderbare Exotica vermeldet wie die – nicht erfolgreichen – Versuche von zwei tüchtigen Frauen, Eleonore Schikaneder und eine Madame Voltarini, „Open-air-Events“ am Hochablass durchzuführen. Oft im Mittelpunkt: Augsburgs Weltstar, der Klavierbauer Johann Andreas Stein.

Immer wieder umgebaut, wurde die alte „Traube“ 1910 abgerissen und durch einen jugendstilartigen Neubau ersetzt. Der überlebte die Bombennacht, wurde aber, wie könnte es anders ein, in den 50ern ebenfalls entfernt. Wenigstens kam der unvergessliche Filmpalast jahrzehntelang an seine Stelle. Der hat seinen Betrieb 2000 eingestellt. Jetzt gibt es dort wieder Gastronomie.

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