Freitag, 20. Oktober 2017

21. April 2017 00:36 Uhr

Schultheater

Eine mühsame „Hexenjagd“

Die Theatergruppe des Maria-Ward-Gymnasiums interpretiert Arthur Millers bekanntes Skandalstück neu. Leider gab es einige Textunsicherheiten Von Alexander Rupflin

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Emotionen und ihre Gesichter: von links Betty Parris (Adelina Prezer), Abigail Williams (Carola Sieber) und Tituba (Julia Schweiger).
Foto: Annette Zoepf

Ein paar zitternde Mädchenhier, zwei, drei „Fake News“ dort, und schon kann ein regelrechtes Hexenfeuer aufflammen. Die Eigendynamik, die Emotionen wie Furcht und Hysterie entwickeln können, zeigt Arthur Miller in seinem Stück „Hexenjagd“ aus dem Jahre 1953, das die Schüler des Maria-Ward-Gymnasiums beschäftigt.

Zwölf Gymnasiasten nahmen das Stück zum Anlass, um eben diese Triebkraft verschiedenster Gefühle im aktuellen gesellschaftlichen Wandel zu untersuchen. Damit entsprachen sie dem Wunsch des Autors, darin einen Bezug zur Gegenwart herzustellen.

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Die Handlung beruht auf wahren Begebenheiten aus dem amerikanischen Städtchen Salem (Massachusetts). Im Jahr 1692 gerieten die Bewohner dort in einen regelrechten religiösen Wahn. Innerhalb kürzester Zeit verurteilte ein Gericht 300 Personen bei Hexenprozessen. Auslöser der Hysterie war die Lüge einiger Mädchen, die im Wald beim Feiern erwischt worden waren. Um der Strafe der puritanischen Gesellschaft zu entgehen, behaupteten sie schlicht, vom Teufel dazu getrieben worden zu sein. Wahllos nannten sie Namen einiger Gemeindemitglieder, die angeblich mit dem Satan im Bunde stünden. Am Ende wurden 30 Menschen hingerichtet.

Arthur Miller nutzte diesen Stoff, um den Antikommunismus der McCarthy-Ära zu kommentieren. Er wollte „ein aggressives Stück“ schreiben, um aufzuzeigen, dass „gesellschaftlicher Terror darin besteht, den Menschen seines Gewissens zu berauben“.

Diesem Credo folgend, scheuten die Schüler nicht davor zurück, zumindest stellenweise laut zu werden. Leider gelang es ihnen nicht, diese Spannung über die gesamte Länge des Stückes aufrecht zu erhalten.

Dass die Schüler ihr Spiel auch auf den Publikumsraum ausweiteten, war ein gelungener Kunstgriff: Gedankenfreie Ideologien gedeihen erst in den unsichtbaren Zwischenräumen der Masse, bevor sie sich epidemisch ausbreiten. Als Überträger fungiert das Wort.

Die Videoinstallation am Beginn des Stücks verlieh der Inszenierung eine weitere Ebene. Ruhig hätte dieses Mittel öfter zum Einsatz kommen können.

Dass die Theatergruppe unter der Leitung von Eva-Maria Noppen-Eckart auf ein umfangreiches Bühnenbild verzichtete, half, die Aufmerksamkeit auf die Darstellung der bürgerlichen Paranoia zu lenken. Die beinahe leere Bühne zu bespielen, bedeutete aber auch harte Arbeit für die jungen Schauspieler.

Minimalistisch waren auch die Kostüme. Die Schüler trugen schwarze T-Shirts mit dem Namen ihrer Rolle darauf. Bei 19 Personen, die in „Hexenjagd“ auftreten, eine gute Lösung.

So behielt der Zuschauer, trotz Doppelbesetzungen, den Überblick über die einzelnen Charaktere. Vor allem aber wird das Theaterspiel als „Fake“ erkennbar. Es stellt sich die Frage: Kann in einem theatralen Rahmen überhaupt Wahrheit vermittelt werden?

Mit ein wenig mehr Zeit zur Vorbereitung hätten die gedanklichen Ansätze zu tiefgründigem Theater geführt – wie man es sich selbst auf den großen Bühnen oft vergeblich wünscht. An diesem gut besuchten Abend aber kämpften sich die kreativen Neunt- bis Zwölftklässler durch ein Stück, das für ein Schultheater eine wahre Herausforderung bedeutet.

Die Zuschauer belohnten das Engagement des Ensembles dafür aber auch mit lang anhaltendem Applaus.

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