Lasse Samström, Nico Semmsrot und Clara Nielsen heißen die Protagonisten, die wie Popstars gefeiert werden. Gleich am ersten Abend ist das Haus voll. Was sie zu bieten haben, ist mehr als nur trickreiche Wort-Jonglage. Die Texte der jungen deutschen Literaten sind politisch-provokant, mal romantisch, mal voller Sarkasmus für Leistungs- und Konsumzwang. Sprache ist für sie eine Waffe, mit der sie in einen Wettstreit treten, wie es ihn schon vor 2500 Jahren im antiken Griechenland gegeben hat.
Nur fast so alt wie Dichterkämpfe sind Haikus, japanische Kurzgedichte, die aus 17 Silben bestehen. Der Wirtschaftsprofessor und freie Schriftsteller Oliver Bendel gilt in Europa als Pionier, was Handy-Haikus anbelangt.
Im Friedberger Schloss lässt er am dritten Veranstaltungsabend die Grenzen zwischen den Medien verschwimmen. Der gedruckte Band, aus dem Bendel liest, enthält die Haikus in herkömmlichen Schriftzeichen und als QR-Codes. Diese Codes sind Informations-Speicher, die mit einem Scanner ausgelesen werden können. Parallel zum Textvortrag sprüht der Grafiker Christoph Knobel einen QR-Code auf eine Leinwand. Wird das Bild mit einem Handy gescannt, erscheint ein Haiku auf dem Display. Nicht immer sind Bendels Texte futuristisch. Neben Handygirl und Pixelboy, zwei Maschinenwesen, geht es auch um Homer, den griechischen Dichter der Odyssee.
Literatur Update Noch zwei Veranstaltungen stehen am kommenden Wochenende in Friedberg an. Am Freitag kommt die Lesebühne aus dem Münchener Westend und am Samstag ist eine Konzertlesung mit Lydia Daher und Band geplant (Beginn jeweils 21 Uhr).