Mittwoch, 28. Juni 2017

21. März 2017 00:33 Uhr

Serie (6)

Luthers Anschlag am Dom

Was er nach seiner überstürzten nächtlichen Flucht dem Papst in Augsburg hinterließ

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Gegen „gewisse Mammonsverehrer“ richtete sich eine Urkunde, die Martin Luther am reich geschmückten Augsburger Domportal anbringen ließ, nachdem er aus der Stadt geflohen war.
Foto: Axel Schmidt

Als der Augustinermönch Martin Luther 1517 zu Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel publizierte, blieb sein Protest in der Kaufmannsstadt Augsburg nicht ohne Widerhall. Im Jahr 1518 hatte sich Luther dann auch hier auf dem Reichstag für seine Aufsässigkeit zu rechtfertigen. Unsere neue Serie, immer dienstags an dieser Stelle, verfolgt Luthers Spuren in Augsburg.

Seine letzte Reaktion auf das so heftig verlaufene Verhör durch Kardinal Cajetan hinterließ Martin Luther am Domportal: Am 22. Oktober 1518 schlugen dort sein Reisegefährte, der Magister Leonhard Bayer, und Prior Johannes Frosch von St. Anna dessen Appellation an den „besser zu unterrichtenden“ Papst Leo X. an. Der Reformator selbst hatte sich in der Nacht vom 20. auf 21. Oktober bereits heimlich „durch ein Pförtlein“ aus der Stadt fortgestohlen und war zu Pferd nach Coburg enteilt. Man hatte ihn aufgeweckt, weil für seine Sicherheit in Augsburg nicht mehr gebürgt werden könne. Wo sich dieses Pförtlein befand – heute wird der „Dahinab“ am Galluskirchlein bei St. Stephan genannt – lässt sich historisch nicht sichern.

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„Betrügerisch“ sei Luthers Entschluss zur Flucht gewesen, empörte sich Cajetan gegenüber Kurfürst Friedrich. Geheuchelte Verzeihung habe der widerspenstige Mönch begehrt, aber seine üblen Sätze und die Ärgernisse keineswegs widerrufen. Doch mehr als einen Brief zu Friedrich zu schicken, blieb dem päpstlichen Legaten nicht übrig. Der Kurfürst ließ ihn abblitzen, seine junge Universität Wittenberg mit attraktiven Professoren war ihm lieber als der Frieden mit dem Papst.

Luther hatte ihm nämlich schon am 14. Oktober über dessen Sekretär Georg Spalatin zu bedenken gegeben: „Wenn ich mit Gewalt unterdrückt werde, dann ist auch die Bahn frei zu einem Vorgehen gegen Dr. Andreas Karlstadt und alle anderen theologischen Professoren.“ Am selben Tag war Luther letztmals bei Cajetan in den Fuggerhäusern. Danach zitierte der Kardinal nurmehr den Augustinerprior Johann Staupitz zu sich, um „auf vielerlei Weise“ zu betreiben, Luther zum Widerruf zu bewegen.

Dieser dachte nicht daran, setzte vielmehr am Samstag, 16. Oktober 1518, im Karmeliterkloster St. Anna in Anwesenheit von Notar Gallus Kunigender und zwei Pfarrern der Diözese als Zeugen seine ausführliche Appellation auf. Darin legte er „feierliche Berufung von unserem schlecht informierten hochheiligen Herrn Papst“ an „unseren besser zu informierenden Herrn Leo X.“ ein. Belesen führte Luther Bestimmungen des Kirchenrechts an zum Beweis dafür, dass seine kritischen Thesen über den Ablass durchaus statthaft sind. Zumal apostolische Kommissare „unter dem Vorwand des Ablasses Unerhörtes an Habsucht und anstößige Ränke praktizierten – zur folgenschweren Verhöhnung und Verachtung der römischen Kirche“. Luther zürnte gegen „gewisse Mammonsverehrer und rastlose Profitleute“, die nun fürchten, dass ihre gewinnträchtigen und ganz vom Geiz bestimmten Anschläge durchschaut und ihr eigener Gewinn von Grund auf zunichtegemacht würde.

In Form einer notariellen Urkunde hing diese Berufung also an der Bischofskirche aus – die Augsburger Öffentlichkeit sollte sie zur Kenntnis nehmen. Den Papst würde schon Kardinal Cajetan genauesten unterrichten, dem die Urkunde zeitgleich am 22. Oktober im Fuggerhaus ausgehändigt worden sein dürfte. An ihn, den „ehrwürdigsten Vater in Christus“, hatte Luther noch zwei Briefe am 17. und 18. Oktober gerichtet, „aber er antwortete nichts“. Cajetan will die Briefe erst nach seiner Abreise erhalten haben.

Im ersten Brief bedauerte Luther, „dass ich sicher, wie man sagt, allzu respektlos, hitzig und unehrerbietig war gegen den Namen des Papstes – freilich auch sehr zu dieser Unehrerbietigkeit herausgefordert wurde“. Der Mönch bat den Kardinal um Verzeihung, er werde sich Mühe geben, „dass ich anders werde und anders rede“. In aller Demut richte er seinen Appell an Papst Leo X.

Dasselbe bekräftigte er am 18. Oktober, nun bereits mit deutlichen Hinweisen auf seinen bevorstehenden Aufbruch („denn mein Zehrgeld ist aufgebraucht und ich bin den hiesigen Karmeliterpatres genug zu Last gefallen“). In Augsburg konnte er nichts mehr bewirken – oder doch? Aber ganz anders.

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Ein Artikel von
Alois Knoller

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