Freitag, 24. März 2017

25. März 2012 11:36 Uhr

Figurentheater

Magische Momente mit einfachsten Mitteln

Jordi Bertran aus Barcelona bietet Freunden des Puppenspiels zum Jubiläum einen hinreißenden Abend

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Charlie Chaplin darf sich beim Puppenspieler Jordi Bertran mit Rollschuhen versuchen.
Foto: Michael Hochgemuth

Ragtime! Charlie Chaplin braucht Ragtime, wenn er schlaksig auf die Bühne schlendert. Bis er die Parkbank erklommen hat, gerät er einige Male aus dem Gleichgewicht und purzelt herunter. Doch was blüht dem melancholischen Komiker erst, wenn er Rollschuhe verpasst kriegt! Zum Glück hilft ihm Jordi Bertran immer wieder auf die Beine, bis er mit dem mobilen Untersatz zurechtkommt. Der legendäre Puppenspieler aus Barcelona und sein Assistent Carlos krönten die Feier zum 20-jährigen Bestehen der Freunde des Augsburger Puppenspiels am Samstagabend im Kulturhaus Abraxas mit einer hinreißenden Vorstellung.

Bei Jordi Bertran schmelzen Figur und Spieler zu einer Einheit, zu einem intimen Tête-à-Tête zusammen. Sie verständigen sich mit Gesten, suchen hilfeheischend Nähe, kriegen Schimpfe oder werden ermuntert. Immer hat die Figur einen eigenständigen Charakter, eine Seele, einen eigenen Willen. Frauen schmiegen sich ans Hosenbein, Chaplin nimmt auf dem Fußrücken Platz. Tänzerinnen in luftig wallenden Kleidern schweben schwerelos über die Bühne. Edith Piaf ringt ergriffen ihre Arme in die Höhe oder fasst sich ans Herz, während sie ihr „Non. Je ne regrette rien“ flötet. Der maskuline Mulatte kämpft mit seinem roten Stuhl, ehe Jordi ihm zur Befreiung verhilft und mit einem Buch beruhigt.

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Der Tod lässt den Sargdeckel wie Kastagnetten klappern

Der Katalane erschafft magische Momente mit einfachsten Mitteln. Zwei weiße Bällchen auf die Finger gesteckt, schon spielen Männchen eine Gitarre und entwickeln an den Saiten und auf dem Instrumentenkorpus ein Eigenleben, das brüllend komisch ist, rührend romantisch aussieht und voller Rivalität steckt. Am Ende lädt gar Gevatter Tod zum Tänzchen seiner fidelen Gebeine und lässt den Sargdeckel wie Kastagnetten klappern. Die Festgäste waren begeistert. Christoph Mayer, der Vorsitzende der Freunde des Puppenspiels, benötigte nach dieser Vorstellung keine weiteren Argumente, um die Bedeutung des Vereinszwecks dem Publikum nahezubringen. In Augsburg seien seit 1992 Puppenspiel und Figurentheater mehr denn je präsent, nicht zuletzt dank des jährlichen klapps-Festivals.

Als eine „epochale Entscheidung“ wertete Mayer die Eröffnung des Puppenkiste-Museums, wofür der Freundesverein die (ehrenamtliche) Trägerschaft übernahm. Mit jährlich 60000 Besuchern sei „Die Kiste“ ein Publikumsmagnet. Mit ihr ging ein Herzenswunsch von Hannelore Marschall-Oehmichen in Erfüllung, ihre über 6000 Marionetten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dank der treuen Sponsoren, vor allem Stadtsparkasse Augsburg, Stadtwerke, Lechwerke und Dorint-Hotel, entstand zum Jubiläum auch eine 110 Seiten starke Chronik der 20 Museumsjahre.

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Ein Artikel von
Alois Knoller

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