Montag, 22. Januar 2018

11. Mai 2014 13:30 Uhr

Kommentar

Warum Augsburg die Filmtage braucht

Am Sonntagabend gehen die Filmtage zu Ende. Das Festival tut Augsburg gut, schreibt Alois Knoller in seinem Kommentar 

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Erfolgsregisseur Marcus H. Rosenmüller, hier mit einer Besucherin des Festivals, kam zu den Augsburger Filmtagen und zeigte hier seinen neuen Film "Beste Chance". Foto: Annette Zoepf

Endlich wieder Filmtage! Wenn das Augsburger Kinofestival erst wieder da ist, weiß man, was man vermisst hat in den vergangenen zwei Jahren. So lebendig, so vielfältig, so nah erlebt man selten großes Kino, zumal das unabhängige Filmschaffen von Regisseuren, die wunderbare, manchmal sonderliche Geschichten erzählen oder auch einen anderen, gründlicheren Blick auf die Welt vermitteln. Ein Hauch von Premiere liegt während der Filmtage in der Luft. Die Zuschauer haben den Eindruck, exquisite Vorstellungen zu erleben, etwas zu sehen, was extra für sie nach Augsburg geholt wurde – mag auch der eine oder andere Titel eh gerade im Kino anlaufen. Für die beliebten Kurzfilmprogramme gilt auf jeden Fall, dass sie nur zu den Filmtagen ins Kino kommen.

Es macht einen Unterschied, ob man in eine normale Kinovorführung geht oder in eine, die von der Filmcrew begleitet wird. Das virtuelle Bild auf der Leinwand gewinnt dadurch mehr Echtheit, dass die Macher dabei sind und davon erzählen, was sie während der langen Entstehungszeit dieses Films bewegt hat. Und umgekehrt erfahren die Filmemacher im Festival ganz direkt, wie ihre Pointen, ihre Story, ihre Charaktere bei den Zuschauern ankommen. Gerade für Filme, die erst noch einen Verleih suchen, sind solche Reaktionstests ein unschätzbares Hilfsmittel.

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Filmtage in Augsburg haben ein unverwechselbares Profil, weil sie immer schon mit der Absicht gestaltet wurden, mit der cineastischen Kunst eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Eben nicht bloß die wenigen Auserwählten, die über den roten Teppich schreiten und sich im Glanz der Stars sonnen. Sondern dich und mich, damit wir gemeinsam von dem Medium bewegt werden, dass wir lachen und weinen, uns in andere Menschen einfühlen und hinter die Kulissen blicken. Auf den Filmtagen lassen sich Zuschauer auf Stoffe und Formate ein, an die sie sich sonst niemals heranwagen.

Der Macher der Filmtage, Franz Fischer, gilt als ein stacheliger Bursche, der sein Ding unbeirrt durchzieht und sich nicht überall Freunde macht. Trotzdem ist es ihm immer wieder gelungen, Stadträte und Ministerien davon zu überzeugen, dass Filmtage der Augsburger Stadtgesellschaft gut tun. Mehrmals war das Festival von der Streichung bedroht, zuletzt setzte ihm das Finanzamt zu. Wenige Aktive – darunter der Vorsitzende des Trägervereins, Harald Munding, Ellen Gratza für die Kinderfilme und Erwin Schletterer für die Kurzfilme – haben sich bis zur Erschöpfung für die Filmtage verausgabt. Immer wieder hat sich das Festival neu erfunden, hat mit Reihen über Nahost, über Afrika, über die Sowjetunion Gespür für kommende Themen gezeigt, hat jungen Regisseuren eine Plattform geboten, bevor sie bekannt wurden.

Das Flair der Augsburger Filmtage ist Legende geworden. Weil sie in der Welt des Films unmittelbare Begegnungen eröffneten. Ein Wir-Gefühl, das sich übers Jahr fortsetzt, wenn wieder einmal ein Regisseur wie Volker Schlöndorff zur Vorstellung kommt, wenn französische, italienische, spanische Filmreihen laufen, wenn Kino zum Unterrichtsmedium wird. Augsburg gewinnt spürbar an Lebensqualität durch seine lebendige Kinokultur.

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