Mittwoch, 23. Juli 2014

28. April 2014 17:16 Uhr

Pollenflug

Langfristig gegen Heuschnupfen vorgehen

Nasensprays, Augentropfen und Tabletten - Medikamente helfen bei akutem Heuschnupfen. Wer langfristig vom Heuschnupfen befreit sein will, sollte sich hyposensibilisieren lassen.

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Heuschnupfen plagt immer mehr Menschen.
Foto: Archivfoto: Weizenegger

Über 150 Millionen Menschen leiden weltweit an Allergien der Atemwege wie Heuschnupfen oder Asthma. Doch nicht alles, was derzeit als gelber Staub in unsere Atemwege gelangt, verursacht auch Heuschnupfen, sagt Professor Johannes Weiss, Leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Ulm.

In Schwaben und Oberbayern seien es Birke und (noch relativ schwach) Gräser, die gerade blühen und eine hohe allergieauslösende Wirkung haben.

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Andere Arten wie Fichten- oder Rapspollen seien weniger problematisch, würden aber die betroffenen Organe zusätzlich reizen. „Die Blüte ist aufgrund des überdurchschnittlich warmen Wetters immens“, berichtet Weiss. Bis aus Osteuropa kämen die Pollen geflogen.

Doch der Facharzt betont auch, dass es mittlerweile Mittel und Wege gebe, die Auswirkungen der Allergien wirksam zu bekämpfen – Antihistaminika und Mastzellstabilisatoren. Letztere wirken, indem sie die Freisetzung von körpereigenen Substanzen hemmen, die Allergien auslösen. Auch Antihistaminika unterbrechen Weiss zufolge den Kreislauf der allergischen Reaktion.

Die Wirkstoffe verhindern einerseits die Ausschüttung von Histamin, einem Hormon der Immunabwehr, das als „Brennstoff“ der Allergie wirkt. Gleichzeitig schaffen es neuere Substanzen dieser Medikamentengruppe, an den Zellen die Andockstellen für Histamin zu besetzen. So kann der Entzündungsstoff nicht mehr angreifen. Auch in der Blütezeit könnten Betroffene auf diese Medikamente zurückgreifen.

Sie werden als Nasensprays, Augentropfen, Saft, Tropfen und Tabletten angeboten. Zudem gebe es kortisonhaltige Mittel, die auch bei schweren Fällen gut ansprächen, sagt der Experte. Allerdings ließen sich mit diesen Arzneien Beschwerden nur symptomatisch lindern.

„Wer seine Allergie an der Wurzel packen will, der muss einen anderen Weg gehen“, erklärt Weiss. Er rät allen Betroffenen, sich hyposensibilisieren zu lassen. Besonders bei Kindern sei dies sehr Erfolg versprechend. Dem Körper wird dabei ein Allergieauslöser so lange zugeführt, bis das Abwehrsystem ihn (weitgehend) toleriert. Dies sei jedoch nur im Herbst und Winter möglich, wenn Pollen das Immunsystem nicht belasten. Vier Möglichkeiten gibt es derzeit laut Weiss:

Subkutane Immuntherapie Die klassische Methode. Dabei wird vom Facharzt der Allergieauslöser in regelmäßigen Abständen unter die Haut gespritzt. Ihr Vorteil: Sie gilt als sehr wirksam. Der Nachteil: Sie dauert drei bis fünf Jahre.

Sublinguale Immuntherapie Dabei wird das Allergen in Tropfenform unter die Zunge gebracht. Für leichtere Formen und Kinder gedacht.

Allergie-Immun-Tabletten Sie gibt es bisher nur gegen Gräserallergien.

Kurzzeit-Immuntherapie Nur vier Spritzen. Ihr Vorteil: Sie ist nicht so zeitaufwendig. Nachteil: Sie ist noch nicht so gut untersucht.

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Augsburg | Osteuropa

Unsere Autoren von A bis Z
Josef Karg

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt


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