Die Großbäckerei Müller-Brot aus Neufahrn bei München ist nach «Spiegel»-Informationen viel früher durch Verunreinigungen aufgefallen als bisher bekannt - und zwar um bis zu neun Jahre. So seien seitens der Behörden bereits in den Jahren 2000 bis 2009 sechs Bußgeldbescheide über insgesamt 12 750 Euro ergangen. Bislang war immer der 9. Juli 2009 als erstes Datum genannt worden, an dem eine Spezialeinheit des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) die Brotfabrik unter die Lupe nahm.
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9. Juli 2009: Eine Spezialeinheit des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nimmt die Brotfabrik erstmals unter die Lupe. Bis Ende 2011 folgen weitere sechs Überprüfungen der Task Force und etliche Kontrollen von Spezialisten des Landratsamtes Freising. Die Kontrolleure stellen gravierende Mängel fest, es wurden mehrfach Waren zurückgerufen und vernichtet sowie Bußgelder verhängt, darunter zweimal 25.000 Euro. Die Öffentlichkeit erfährt von den Hygienemängeln in der Backfabrik allerdings jahrelang nichts.
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10. Mai 2011: Wegen der anhaltenden Probleme schaltet das Landratsamt die Staatsanwaltschaft ein. Sie ermittelt wegen des Inverkehrbringens von Lebensmitteln, die für den Verzehr durch den Menschen ungeeignet sind. Die Verbraucher ahnen davon weiter nichts.
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30. Januar 2012: Das Landratsamt vereinbart mit Müller-Brot wegen «der mangelhaften Grundhygiene» einen Produktionsstopp. Die Bürger werden noch immer nicht über die Hygieneprobleme informiert.
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1. Februar: Als nach zwei Tagen erste Berichte über Lieferschwierigkeiten bei Müller-Brot die Runde machen, wird die Öffentlichkeit von der Geschäftsführung zunächst falsch informiert: Es wird behauptet, ein Feuer habe die Produktion lahmgelegt. Das Landratsamt gibt dann als Grund der vorübergehenden Stilllegung der Fabrik Hygienemängel an.
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2. Februar: Nach und nach wird die ganze Dimension des Skandals bekannt. Die Kreisbehörde spricht nun davon, dass bei der jüngsten Kontrolle «Schädlinge in erheblichem Umfang in den Betriebsräumen und starke Verschmutzungen bei den für die Lebensmittelherstellung eingesetzten Geräten» festgestellt worden seien.
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3. Februar: Es werden immer mehr unappetitliche Details bekannt: Bei den «Schädlingen» handelte es sich um Mäuse, deren Kot die Kontrolleure fanden. Auch Motten und Kakerlaken gab es dort.
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16. Februar: Müller-Brot ist pleite und meldet Insolvenz an. Rund 1250 Mitarbeiter und 250 Pächter von Filialen sind davon betroffen.
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17. Februar: Nach dreiwöchigen Reinigungsarbeiten in der Backfabrik kontrollieren 18 Spezialisten der Lebensmittelüberwachung die Produktionsanlagen. Sie stellen erneut Hygienemängel fest und lehnen eine Freigabe des Werks ab.
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19. März: Sämtliche Maschinen wurden zerlegt und gereinigt, Leitungen erneuert und Wände neu gefliest - Müller-Brot hat die Fabrik, so groß wie sieben Fußballfelder, umfassend erneuert. Wieder rücken die Prüfer der Lebensmittelüberwachung an, aber ihr Urteil ist vernichtend: Abermals seien «Mäusekot und tote Schaben» gefunden worden, die Fabrik bleibt geschlossen.
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20. März: Für Müller-Brot gibt es praktisch keine Hoffnung mehr: Insolvenzverwalter Hubert Ampferl kündigt an, dass er für eine Sanierung der Backfabrik kein Geld mehr habe. Ihm geht es nun primär darum, wenigstens die Filialen zu verkaufen.
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26. März: Ampferl gibt bekannt, dass zwei Investoren das Unternehmen kaufen wollen. Schon damals dürfte es sich bei ihnen um den bisherigen Eigentümer Klaus Ostendorf und den Münchner Bäcker Franz Höflinger zusammen mit der Tochter des Firmengründers, Eva Müller, gehandelt haben.
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29. März: Überraschend bekommt Ostendorf von den Gläubigern den Zuschlag für den Rückkauf seiner Brotfabrik - doch 700 Mitarbeiter sollen das Unternehmen verlassen. Zuvor waren 400 Beschäftigte in München für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Straße gegangen. Auf einem Transparent stand: «Ostendorf hat uns kaputt gemacht».
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3. April: Ostendorf verkündet das Scheitern des Rückkaufes und begründet die neuerliche Wende mit der Verhandlungsführung von Ampferl sowie mit öffentlichem Druck.
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5. April: Höflinger und Müller übernehmen das Filialnetz von Müller-Brot. Erst danach soll über den Kauf der Brotfabrik verhandelt werden. Voraussetzung dafür soll die Freigabe der Produktion durch die Behörden sein.
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6. April: Höflinger und Müller stellen ihre weiteren Pläne vor.
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Laut «Spiegel» räumte das zuständige Landratsamt Freising die früheren Vorfälle inzwischen ein. Unter anderem seien eingebackene Reste von Latexhandschuhen von Lebensmittelkontrolleuren gefunden worden, auch waren Maschinen verunreinigt oder es gab Schabenbefall.
Müller-Brot fiel viel früher negativ auf als bisher bekannt
Zwischen 2009 und Ende 2011 folgten weitere sechs Überprüfungen der Task Force und etliche Kontrollen von Spezialisten des Landratsamtes. Die Kontrolleure stellten gravierende Mängel fest, es wurden mehrfach Waren zurückgerufen und vernichtet sowie Bußgelder verhängt, darunter zweimal 25 000 Euro. Die Öffentlichkeit erfuhr allerdings von den Hygienemängeln in der Backfabrik jahrelang nichts.
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Die staatliche Lebensmittelüberwachung soll sicherstellen, dass Lebensmittelhersteller die Vorgaben auch einhalten und Verstöße unterbinden.
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In Bayern überwachen die Landratsämter und Städte laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelüberwachung rund 200.000 Betriebe.
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Betriebskontrollen würden grundsätzlich ohne Vorankündigung durchgeführt.
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Wie oft und wie genau die Kontrolleure prüfen, hängt vom Risiko ab: Wer leicht verderbliche oder Babynahrung anbietet oder schon negativ aufgefallen ist, wird häufiger unter die Lupe genommen.
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Dazu kommen Überwachungsprogramme der EU und des Bundes, saisonal wechselnde Schwerpunkte und Kontrollen nach Verbraucherbeschwerden.
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Die Kontrolleure besichtigen Betriebe, nehmen Proben und prüfen die Unterlagen.
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Bei fahrlässigen Verstößen gibt es eine Verwarnung oder Geldbußen, bei schweren Fällen drohen Geldstrafen, Haft und Betriebsschließung.
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Das Unternehmen kann auch zum Rückruf eines Produkts und zur öffentlichen Warnung in den Medien verpflichtet werden.
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Von den 64 054 Lebensmittelproben, die das Landesamt im Jahr 2010 untersuchte, waren 7085 oder 11 Prozent beanstandet worden - davon 309 wegen gesundheitlicher Risiken.
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Dabei ging es in 217 Fällen um Fleisch.
Derzeit liegt die Produktion auf Eis, nach dem Verkauf von 148 Müller-Brot-Filialen an Evi Müller und Franz Höflinger ist unklar, was aus der Brotfabrik selbst wird. Die neuen Filial-Besitzer wollen die weiter gesperrte Fabrik zwar kaufen, aber derzeit stocken die Verhandlungen. Zunächst einmal müssen Alteigentümer Klaus Ostendorf, die Commerzbank als Hauptgläubiger und Insolvenzverwalter Hubert Ampferl die Eigentumsrechte im Detail klären, hieß es nach Ostern. Mit Alteigentümer Ostendorf müsse über die zentrale Backstraße 25 und die EDV-Anlage gesprochen werden.
Hygiene-Skandal um Müller-Brot
Mit dem größten Teil des Filialnetzes hatten Müller und Höflinger 463 Mitarbeiter übernommen. Die restlichen 700 Beschäftigten sind seit dem Auslaufen des Insolvenzgeldes am 1. April freigestellt. Die nicht übernommenen rund 80 Filialen will der Insolvenzverwalter in den nächsten Wochen einzeln verkaufen. dpa
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