Freitag, 24. November 2017

07. Oktober 2014 06:32 Uhr

Hautscreening-Apps

Nicht gleich zum Hautarzt: App will erste Diagnose liefern

Die Hautscreening-App "Klara" will Arzt und Patient für Erstdiagnosen verbinden. Hautarzt Dr. Steffen Gass aus Günzburg nennt das "zukunftsträchtig", kennt aber auch die Probleme.

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Die App "Klara": Foto aufnehmen, übermitteln, Diagnose bekommen.
Foto: Daniel Naupold (dpa)

Foto machen, hochladen, Erstdiagnose bekommen - Die App "Klara" hat es sich zur Aufgabe gemacht, Patienten und Hautärzte via Smartphone zu verbinden. "Bis zu 90 Prozent aller Hautprobleme können durch medizinische Bildanalyse begutachtet werden." Mit diesem Satz wirbt die App für sich auf der eigenen Internetseite.

"Mobile Health": Die App "Klara" als erste Orientierung

Die Installation von "Klara" ist kostenlos. Wer eine Anfrage einreicht, muss jedoch eine Gebühr von 29 Euro bezahlen. Dafür bekommt er dann binnen 48 Stunden eine Antwort. In dieser Zeit begutachtet einer von mehreren Dermatologen, mit denen "Klara" zusammenarbeitet, das Foto.

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Die Firmengründer Simon Bolz und Simon Lorenz glauben fest an ihre Idee. Die Liste ihrer Argumente ist lang: keine lange Wartezeiten für einen Routine-Termin beim Hautarzt - und eine Art Filterfunktion. "Wer Fußpilz hat, muss nicht zum Hautarzt", sagt Bolz. Bei einer Gürtelrose aber sollte er dringend hingehen.

Die beiden Gründer betonen, dass ihr Service keine Behandlung sei und auch keinen Besuch beim Facharzt ersetze. Es sei ein Angebot für Ratsuchende, die erste Orientierung wollten - und bereit seien, dafür zu zahlen. Bolz und Lorenz sprechen von Handlungsempfehlungen.

Patienten zeigen täglich Fotos von ihren Erkrankungen

Dr. Steffen Gass, Hautarzt in Günzburg sowie Vizepräsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen, steht dieser Entwicklung, die in der Fachsprache "Mobile Health" oder "Telemedizin" heißt, offen gegenüber.

Er verweist gleichzeitig aber auch auf folgendes Problem: "Berufsrechtlich ist das in Deutschland nicht zulässig, weil es ein Fernbehandlungsverbot für Ärzte gibt." Grundsätzlich aber, glaubt Gass, lasse sich die Telemedizin nicht aufhalten. Er hält diese Form der Diagnose für "zukunftsträchtig" - auch mit Blick auf die immer weiter sinkende Zahl der Dermatologen, vor allem in ländlichen Gebieten. Gleichzeitig nehme die Zahl der Erkrankungen stetig zu. Hautkrebs und Allergien, sagt Gass, seien massiv auf dem Vormarsch.

Schon heute macht der Hautarzt, der seit sieben Jahren eine eigene Praxis in Günzburg hat, täglich Erfahrungen, die in Richtung Telemedizin gehen. "Ich habe bis zu drei Mal in der Woche Patienten, die es nicht früher zu mir geschafft haben und mir dann ein Foto zeigen. Das haben sie dann gemacht, als die Erkrankung noch akut war", erzählt Gass. Auch unter Kollegen tausche man - wenn die Patienten damit einverstanden sind - immer wieder Fotos via E-Mail aus, um ein Krankheitsbild zu besprechen.

Hautkrebs? Screening-Apps wie "Klara" als erster Schritt

Der Dermatologe betont aber auch, dass eine App wie "Klara" in den meisten Fällen nur ein erster Schritt sein kann. Um eine abschließende Diagnose stellen zu können, müsse ein Hautarzt nicht nur die betroffene Stelle sehen. Auch fühlen und riechen gehöre zu einer Behandlung dazu. "Sicher hat eine solche App auch Grenzen", sagt Gass.

Die Berliner Ärztekammer überzeugt die Idee von "Klara" nicht. Sprecher Sascha Rudat zweifelt an der Qualität der eingeschickten Fotos und an der Datensicherheit. Er fragt sich auch, ob es wirklich eine Hilfe für Patienten ist - oder mehr ein Geschäft. "Wenn der Rat lautet: Suchen Sie einen Hautarzt auf - was bringt das dann?", fragt er. mit dpa

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