Sonntag, 20. August 2017

12. April 2017 20:22 Uhr

Greenpeace-Check

Kunststoff in Pflegeprodukten: Greenpeace fordert Verbot

Laut einer Studie von Greenpeace enthalten viele Kosmetika umweltschädliche Kunststoffe. Unter den zahlreichen Inhaltsstoffen von Pflegeprodukten sind diese meist schwer erkennbar.

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In vieles Duschgels und Cremes ist Mikroplastik enthalten. Verbraucher sollten auf die Inhaltsstoffe und deren Konzentration im Produkt achten.
Foto: Caroline Seidel (dpa)

Dass der Einsatz von Mikroplastik in der Herstellung von Pflegeprodukten der Umwelt schadet, ist längst kein Geheimnis mehr. Besonders Körperpeelings mit Mikrokügelchen sind bei der Mehrheit der Kunden in Verruf geraten, da sie durch den Abfluss ungefiltert in Flüsse und Meere gelangen können. Die Auswirkungen des zunehmenden Plastikanteils in den Weltmeeren sind bekannt, doch weitaus gefährlicher als das Makroplastik, an das man dabei unwillkürlich denkt, ist das Mikroplastik. Hierzu zählt Plastik mit einem Durchmesser oder einer Länge bis einschließlich fünf Millimeter. Krabben oder Fische nehmen das Plastik über den Mund bei der Nahrungsaufnahme auf und über den Verzehr der Meerestiere gelangt das Mikroplastik schließlich wieder zum Menschen. Was also tun, um die Aufnahme von Mikroplastik in die Nahrungskette zu verhindern?

Kunststoff in Pflegeprodukten

Der einfachste Weg zu verhindern, dass Mikroplastik in Flüsse und Meere und so über Umwege zurück zum Menschen gelangt, ist der Verzicht auf Pflegeprodukte mit Kunststoffanteil. Allerdings ist gar nicht so leicht zu erkennen, ob Kunststoff in Kosmetika enthalten ist. Die Umweltorganisation Greenpeace wirft in dem am 12. April veröffentlichten Herstellercheck mehreren Kosmetik-Herstellern vor, weiterhin möglicherweise umweltschädliche Kunststoffe in ihren Produkten zu verwenden. In der Studie schneiden ausschließlich zertifizierte Naturkosmetikhersteller gut ab. Zu den von Greenpeace getesteten Herstellern zählen unter anderem Weleda, Speick, Primavera und Lavera. Alle getesteten Produkte waren sowohl frei von festen Plastikpartikeln, als auch von flüssigen, gel - oder wachsartigen Kunststoffen.

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Besonders schlecht schnitten dagegen Drogeriemärkte, wie Rossmann oder dm, mit ihren Eigenmarken ab. Hier konnte lediglich ausgeschlossen werden, dass die getesteten Produkte keine festen Plastikpartikel enthielten - aber nur gemäß der herstellereigenen Mikroplastik-Definition.

"Deutsche Markenhersteller und Drogerien mit Eigenmarken nennen sich Mikroplastik-frei, verwenden aber diverse Kunststoffe in ihren Kosmetik- und Körperpflegeprodukten, ohne die Umweltfolgen vollständig zu kennen", erklärte Greenpeace.

Was ist Mikroplastik?

Der Begriff umfasst, dem Verständnis von Greenpeace zufolge, sämtliche Formen (fest, flüssig, suspendiert, gel- oder wachsartig) von giftigen und/oder bioakkumulierenden Kunststoffen. Bei der Bioakkumulation handelt es sich unter anderem um die Anreicherung von Plastik im Wasser. Dort wird es dann beispielsweise von Meeresorganismen, wie Fischen und Krabben, über die Nahrung aufgenommen. Die Löslichkeit und die Funktion im jeweiligen Produkt spielen dabei keine Rolle.

Zu den gängigen Kunststoffen in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten zählen beispielsweise Acrylate Copolymer (AC), Polyamide (PA, Nylon), Polyacrylate (PA) oder Siloxane. Laut Greenpeace sind bei Polyethylene glycol (PEG) biologisch schwer abbaubare Verbindungen an Werten über 50 erkennbar. Beispielsweise die Bezeichnung PEG-120 würde auf eine solche umweltschädliche Kunststoffkomponente hinweisen.

Greenpeace fordert ein Verbot

Greenpeace fordert, dass Mikroplastik bei Produkten die ins Abwasser gelangen, gesetzlich verboten wird. Dabei sieht die Umweltvereinigung besonders Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in der Pflicht, diesbezüglich eine gesetzliche Regelung in die Wege zu leiten.

Im Fokus stehen bei der Forderung nach einem Verbot in erster Linie Kosmetik- und Körperpflegeprodukte, aber auch Wasch- und Reinigungsmittel. "Der Einsatz von festen und flüssigen Kunststoffen ist überflüssig und muss per Gesetz verboten werden", forderte die Greenpeace-Meeresexpertin Sandra Schöttner. "Die zertifizierte Naturkosmetik zeigt, dass es auch ohne geht." ah/ Greenpeace/ AFP

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