Samstag, 17. Februar 2018

09. Februar 2018 12:29 Uhr

Naturschutz

Das neue Wertach-Wasserwerk kommt ins Stocken

Weil sich zwei Grundstückseigentümer gegen einen Verkauf stemmen, müssen neue Alternativen gesucht werden. Wertachfreunde treffen sich mit Behördenvertretern

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Das Walterwehr an der Wertach südlich von Türkheim.
Foto: Zehender

Der geplante Bau des Wasserkraftwerks am Walterwehr ist ins Stocken geraten: Weil die Besitzer zweier angrenzender Grundstücke diese nicht an die Betreibergesellschaft verkaufen wollen, müssen jetzt Alternativen gesucht werden. Dazu soll schon in der kommenden Woche ein Gespräch stattfinden, an dem neben den zuständigen Behörden und den Betreibern auch die Wertachfreunde teilnehmen. Zustande kommt dieses Treffen auf Anregung von Bürgermeister Christian Kähler.

Wie berichtet, planen die Bayerischen Landeskraftwerke GmbH (LaKW) ein neues Wasserkraftwerk am Walterwehr südlich von Türkheim und wollen dafür rund fünf Millionen Euro investieren. Die Fallhöhe soll sieben Meter betragen und das Kraftwerk werde regenerativen Strom für rund 800 bis 1000 Privathaushalte produzieren, so die Betreiber zur Mindelheimer Zeitung. Das neue Wertach-Wasserkraftwerk soll zu einem ökologischen Vorzeigeprojekt werden, betonte Geschäftsführer Thomas Liepold von der LaKW.

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Kopfzerbrechen macht ihm derzeit jedoch weniger die technische Planung als die Grundstücksbeschaffung. Gemeinsames Ziel des Wasserwirtschaftsamts Kempten (WWA) und der Landeskraftwerke sei es, den Bau des Kraftwerks nicht nur mit einer Durchgängigkeit für Wasserlebewesen am Wehr in beide Richtungen sondern auch mit ökologischen Verbesserungen im Umfeld zu verbinden, so Liepold.

Dies sei auch mit den Wertachfreunden so abgestimmt worden. Zur Aufwertung des Auwaldes durch kleine Fließgewässer wollten das WWA und die LaKW jeweils ein Grundstück erwerben oder gegen andere Flächen eintauschen. Liepold: „Beides hat leider nicht geklappt“.

Er glaubt daher nicht mehr daran, dass es beim anvisierten Baubeginn noch in diesem Jahr klappen kann: „Realistisch gesehen wird das wohl nichts“, bedauert er. Hätte der optimistische Zeitplan funktioniert, so war eine Fertigstellung des Wasserwerks schon 2019 geplant.

Dennoch wird derzeit vor Ort gewerkelt: Das Ingenieurbüro RMD Consult führt aktuell eine Baugrunderkundung durch, um die Einzelheiten der technischen Lösung zu ermitteln. Dabei soll der Untergrund untersucht und festgestellt werden, ob es sich dabei um Kies, Fels oder Sand handelt. Auch geht es um die Standsicherheit und Wasserdurchlässig. Anschließend kann dann entschieden werden, wie die Gründung des Bauwerks festzulegen ist und welche Art der Baugrubensicherung – offene Baugrube, Spundwandumschließung oder Bohrpfahlwand – vorgenommen werden soll. Liepold: „Natürlich haben wir vorher Anwohner und Grundstückseigentümer über die Bohrungen informiert“.

Ziel der Kraftwerkplanung sei es, durch einen Feinrechen am Kraftwerkseinlauf Fische von der Turbine fernzuhalten und zu einem Weg unterhalb des Wehres zu leiten, so der LaKW-Geschäftsführer auf Anfrage unserer Zeitung. Durch eine speziell fischschonende Turbine sollen auch sehr kleine Fische eine gute Überlebenschance haben, die durch die eng stehenden Rechenstäbe hindurch kommen.

Für den Fischaufstieg direkt neben dem Kraftwerk ist in Abstimmung mit dem (WWA) eine technische Lösung, etwa in Form eines Fischlifts vorgesehen. Ein naturnahes offenes Fließgewässer als „Fisch-Umgehung“ um das Wehr ist auch Platzgründen und der Veränderung der Hochwasserverhältnisse nicht möglich, bedauert Liepold.

Für ihn sei es nach wie vor wichtig, dass auch die Belange des Umwelt- und Naturschutzes bei allen Planungen vordringlich behandelt werden. Er sucht daher den engen Kontakt mit den Wertachfreunden und einer breiten Öffentlichkeit. Liepold will möglichst „alle Interessen berücksichtigen und am Ende ein Kraftwerk am Walterwehr bauen, mit dem wirklich alle Beteiligten zufrieden sein können und das die ökologischen und ökonomischen Erwartungen erfüllt“.

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Ein Artikel von
Alf Geiger

Mindelheimer Zeitung
Ressort: Bad Wörishofen


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