Montag, 18. Dezember 2017

24. Mai 2010 18:50 Uhr

Das Publikum ins Schauspiel mit eingebunden

Weißenhorn Shakespeare´s "Romeo und Julia" gab es am vergangenen Freitag zum Auftakt der "Kultur in der Schranne"-Reihe zu erleben. Freilich nicht in der ursprünglichen Version, wie Shakespeare sie geschrieben hat, sondern in einer ganz eigenen köstlichen Interpretation, wie nur Uli Boettcher sie zum Besten geben kann.

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"Geh auf, du holde Sonn'! Ertöte Lunen, die neidisch ist und schon vor Grame bleich, dass du viel schöner bist, obwohl ihr dienend ... - auch schön, aber alles Quatsch, bis der Satz zu Ende ist, hab ich den Anfang schon wieder vergessen." Uli Boettcher lässt kein Auge trocken und keinen Lachmuskel unbewegt. In seiner Ein-Mann-Show, der Künstler spielt alle Rollen selbst, gibt Boettcher das Drama der zwei jungen Liebenden in einer Weise wider, die ihresgleichen sucht.

Doch damit nicht genug, der Künstler kokettiert auch noch rotzfrech mit seinem Publikum. Ob die "erdnusskauende" Petra oder die französische Reihe mit dem jungen Pierre, dem er kurzerhand "Vielweiberei" unterstellt, so mancher in den ersten Reihen bekommt unentwegt sein "Fett" ab.

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Ohne Schnickschnack

Boettcher selbst beherrscht das Spiel mit den Rollen perfekt. Ob der weinerliche Romeo, die lispelnde kindliche Julia, Benvolio, Mercutio oder der missratene Neffen des alten Capulet, Tybald selbst, Boettcher geht in seinen Rollen förmlich auf. Ohne Requisiten, ohne Schnickschnack spielt der Künstler das Stück.

Im Sekundentakt schlüpft er von einer Rolle in die andere und schafft es meisterlich, das Publikum immer im Klaren zu lassen, wen er gerade spielt. Mit seiner Mimik, Gestik und seinem unglaublich kurzen Draht zum Publikum lieferte der Schauspieler eine wunderbare Performance ab.

Ganz nebenbei bringt er es tatsächlich fertig, natürlich wieder auf seine spezielle Art, dass die Besucher einen "Draht" zu Shakespeares Drama bekommen. Was Uli Boettcher auszeichnet, ist die blitzschnelle Reaktion und Schlagfertigkeit auf den Dialog und die Zwischenrufe, die er dem Publikum abfordert, er baut seine Gäste schlicht in das Stück mit ein.

"Alternative Endsequenz"

Boettcher lässt es mit dem tragischen Gifttod der zwei Protagonisten aber nicht einfach so zu Ende gehen, "ich habe schließlich auch eine pädagogische Verantwortung gegenüber den jungen Zuschauern", nein, er zaubert zuletzt eine "alternative Endsequenz" des Dahinscheidens der zwei Hauptdarsteller aus dem Ärmel: "Harakiri" war angesagt. Romeo, nun auf Japanisch, begeht mit seinem Schwert Selbstmord. Auch hierzu braucht der Schauspieler Hilfe aus dem Publikum, bei dem kein Auge trocken blieb.

Ein herrlicher Abend und ein fulminanter Auftakt für die Vertreter der Interessengruppe "Kultur in der Schranne". (reba)

Weitere Veranstaltungen im Rahmen der "Kultur in der Schranne"- Reihe: Samstag, 12. Juni, Walter Spira und Markus Munzer Dorn mit "Vorsicht, ich singe auf alles, was sich bewegt". Freitag, 18. Juni: Mistcapala, ein Herrenquartett - Musikkabarett. Freitag, 25. Juni, Walter Pfaus "Tödliche Machenschaften". Donnerstag, 1. Juli, Blues & More. Samstag, 14. August, Keep it Country.

Mehr unter www.kultur-in-der-schranne.de

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