Mittwoch, 17. Januar 2018

20. Dezember 2017 00:34 Uhr

Geologie

Der Ries-See: Neue Forschungsergebnisse

Wissenschaftlicher Vortrag in einem voll besetzten Rieskratermuseum Von Friedrich Woerlen

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Der Rieskrater war schon seit dem frühen 19. Jahrhundert Gegenstand der Forschung. Dass hier früher ein See war, leiteten die „Geognostiker“ aus versteinerten Muscheln und Algen ab, ohne über Vermutungen und Denkmodelle hinauszukommen. Tiefbohrungen, die einen Einblick in die unter dem offen zutage liegenden „Seeboden“ liegenden Bodenschichten ermöglichten, gab es erst im späten 20. Jahrhundert. Moderne chemische und biochemische Verfahren bis hin zur Isotopenuntersuchung liefern inzwischen Daten über die Zusammensetzung des Rieser Untergrundes. Im Rieskratermuseum referierte nun Professor Gernot Arp, Geobiologe an der Fakultät für Geowissenschaften und Geografie der Georg-August-Universität Göttingen und Mitglied im Beirat des Freunde des Rieskrater-Museums Nördlingen, über das Thema: „Der Ries-See – neueste Forschungsergebnisse“.

Die eigentliche Sedimentforschung setzte ein, als in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts die Vorstellung vom Riesvulkan durch die Erkenntnis abgelöst wurde, dass der Rieskessel durch den Einschlag eines Meteoriten entstanden ist. Die Forschung will wesentliche Eigenschaften des Sees zeitlich geordnet feststellen und über mögliche Ursachen oder Folgen der ermittelten Fakten konsistente Erklärungen entwickeln. Diese können auch dazu dienen, Vorstellungen davon zu entwickeln, wie vergleichbare Erscheinungen und Ereignisse auf anderen Himmelskörpern (z. B. die Krater auf dem Mars) zu deuten sind, und auf welche Verhältnisse unbemannte oder eines Tages von Astronauten durchgeführte außerirdische Erkundungsexpeditionen treffen werden.

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Der Referent bezog sich bei seinem Vortrag im Rieskratermuseum vor allem auf die Forschungsbohrung Nördlingen, die 1973 bis auf rund 1200 Meter Tiefe vorgetrieben wurde, und unter anderem aber auch auf eine wichtige Bohrung bei Enkingen und auf Bohrkerne, die bei privaten Maßnahmen zur Erschließung von Erdwärme gewonnen wurden. Die Sedimente finden sich oberhalb der durch den Impakt zerstörten, aber am Ort verbliebenen (nicht ausgeworfenen) Grundgebirge und der mächtigen Schicht des berühmten „Suevit“, grob gesprochen, in den oberen 300 bis 400 Metern des jetzigen Kesselbodens.

Die verschiedenen Sedimentschichten zeigen, dass sich im Riessee jeweils Wasser mit unterschiedlichster Zusammensetzung sammelte, zeitweilig mit einem Salzgehalt, der nahe kommt an die heute bekannten Salzseen (wie den Großen Salzsee in Utah/USA), zeitweilig mit extrem hohen Ph-Werten („Soda-See“ – Neusiedler See in Österreich oder Van-See in der Ost-Anatolien). In dieser Wasserqualität bildeten sich die zahlreichen Riffe und „Kalkstotzen“, die heute noch von dem erheblichen Kalkgehalt zeugen. Die Qualität näherte sich immer mehr dem Süßwasser an.

Fossilienfunde, die als absolute Bezugspunkte für die zeitliche Einordnung der einzelnen Befunde dienen könnten, fehlen weitgehend, vor allem in den unteren Sedimentschichten. Wo sie anzutreffen sind, handelt es sich häufig um „Kotpillen“ (Stoffwechselendprodukte von Kleinlebewesen).

Insgesamt ist davon auszugehen, dass der Kraterboden für circa 300000 bis 2,5 Millionen Jahre vom Riessee bedeckt war. Der Leiter des Rieskratermuseums, Professor Stefan Hölzl, und der Vorsitzende des Vereins „Freunde des Rieskratermuseums Nördlingen“, Dr. Oliver Sachs, bedankten sich im Namen der Zuhörer für einen spannenden, anspruchsvollen Vortrag, der zahlreiche wissenschaftliche Fächer berührte und aufzeigte, dass noch viele Fragen offen sind.

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