Wallerstein Er sieht aus wie eine Mischung aus Didi Hallervorden und Doc Brown aus "Zurück in die Zukunft" und bezeichnet sich selbst als "Lieder-Chaot". Atze Bauer, fränkischer Blödel-Barde aus Höchstadt, begeisterte bei seinem Auftritt im Wallersteiner "LebensArt" und brachte mit seiner abgefahrenen Ein-Mann-Show das voll besetzte Lokal zum Brodeln.
Nichts ist gewöhnlich an Atze Bauers Performance: Das Publikum wird mit "Hallo Europa!" begrüßt, der "Fetzer" zu Beginn erweist sich als (gewollter) Rohrkrepierer und als "Begleit-Band" wird der mp3-Player "Sony" vorgestellt. Auch die ersten Lieder prophezeien Abstruses: Da wird zu "massiven Binnenwirtschaftsexzessen" aufgerufen ("Ich mach jetzt auf Konsum"), der Klassiker "Hit the Road, Jack" als gute Laune fördernde Schnipp-Version präsentiert und Mike Krügers uraltes "Falten-Rock" zu neuem Leben erweckt. Daneben gibt's fränkische Versionen zu Hits von Lady Gaga und den Kaiser Chiefs sowie eine Vielzahl selbst getexteter Songs.
Der Running Gag
Als Running Gag des Abends muss Drafi Deutschers Gassenhauer "Marmor, Stein und Eisen bricht" herhalten, dessen Text zu allen passenden und vor allem unpassenden Melodien übergestülpt wird: "Rocking all over the World", "Sweet Home Alabama", "Paranoid", sogar eine Death-Metal-Version wird geboten. Hinter der oberflächlichen Gaudi-Fassade verbirgt sich mitunter auch subtile Ironie, wie am "Potpourri der schönsten La-la-Lieder" zu bemerken ist - mit dem Höhepunkt "Hey Jude", der "Mutter aller "Na-na-Lieder".
Gar nicht leicht einzuordnen in die Hierarchie der Kleinkünstler ist dieser Atze Bauer, der sich selbst scherzhaft in der Tradition von Degenhardt, Wader und Biermann sieht und "kurz vor der feindlichen Übernahme von Herbert Grönemeyer" steht. Kreuz und quer brettert er mit seinem Programm der Absurditäten durch die Musik-Szene, kreiert abgedrehte Versionen von "Highway to Hell" und "Always look on the bright side of life" oder interpretiert "Aber bitte mit Sahne" als Blues.
Ein Spaßvogel
Nur Augenblicke später inszeniert der Spaßvogel Bauer eine Backstreet-Boys-Choreografie, agiert im Dancefloor-Outfit und hat auch seine "Ex-Frisur" im Gepäck. Reanimiert und kultiviert wird zudem das vom Aussterben bedrohte politische Trinklied ("Ein Bier auf Hartz vier, ein Korn auf die Reform ..."). Zudem erweist sich die fränkische Stimmungskanone als Meister der Interaktion und Improvisation: Als eine Truppe junger Männer durchs Lokal zieht, wird kurzerhand ein "Junggesellen-Abschieds-Blues" ins Programm genommen.
Lachmuskeln attackiert
Mehr als drei Stunden lang attackiert Atze Bauer die Lachmuskeln der Gäste im "LebensArt", die - inzwischen weitgehend enthemmt - in Sprechchören abwechselnd den Kleinkünstler und dessen "Begleitband Sony" feiern. Auch wenn nicht jede Nummer ein Brüller war - am Ende hatten alle einen kurzweiligen Abend sowie jede Menge Spaß und Gaudi genossen mit diesem herrlichen fränkischen Blödel-Wahnsinn.
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