Mittwoch, 22. November 2017

27. Oktober 2010 19:49 Uhr

Massentierhaltung

In Nördlingen soll ein Hähnchenmastbetrieb entstehen

Massentierhaltung erhitzt die Gemüter: Josef W. lässt seinen Hähnchenmast-Betrieb im Ostalbkreis nicht fotografieren - aus Angst vor Anschlägen. Nun soll in Nördlingen ein ähnlicher Betrieb entstehen.

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Massentierhaltung - ein Thema, das die Gemüter erhitzt.
Foto: sb/rf/kd

Die Gemeinde ist ein 1700-Seelen-Ort am Rande des Virngrundes und ein Teilort der Großen Kreisstadt Ellwangen - rund 35 Kilometer von Nördlingen entfernt. Auf den ersten Blick ein ganz normales Dorf auf dem flachen Land, das im großen Ostalbkreis nicht weiter auffällt. Eines ist jedoch durchaus auffällig: Die Kommune ist eine Hochburg für Hähnchenmast, weil ein Landwirt am Rande des Ortes eine große Mastfarm mit rund 70 000 Tieren betreibt.

Partner ist der Wiesenhof-Konzern, der die Hähnchen quasi frisch aus dem Ei geschlüpft in den Ostalbkreis transportiert, wo sie rund fünf Wochen gemästet werden, und sie dann wieder abholt und neue anliefert. Betreiber der Farm ist Josef W., nach eigenen Worten ein Experte in Sachen Hähnchenmast, weil er bereits seit 18 Jahren im Geschäft ist und dieses erfolgreich betreibt. Er berichtet von ähnlichen Erfahrungen, die jetzt Jörg Benninger in Schmähingen macht, der ebenfalls einen Mastbetrieb bauen will, über dessen Genehmigung der Bauausschuss des Nördlinger Stadtrates nun entscheiden muss.

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Der Ostälbler erinnert sich: "1992, als ich meinen Mastbetrieb gebaut habe, gab es im Dorf schon einen Aufstand." Viele Bewohner hätten Lärm und Gestank befürchtet. "Das war schon hart damals. Aber wir haben das durchgezogen." Heute, nach fast 20 Jahren, hört er angeblich von keinen Beschwerden wegen Geruchsbelästigungen mehr, wenngleich er durchaus einräumt, "dass es eben dort stinkt, wo Tiere sind". Er bemüht einen Vergleich mit Bullenmastbetrieben, die noch mehr Emissionen verursachten als Hähnchen. "Und da regt sich keiner groß auf".

Überhaupt nicht verstehen kann er "übertriebene Ansichten" von Tierschützern, die er ohnehin auf dem Kieker hat und sich regelrecht vor ihnen fürchtet, weil sie "Anschläge" auf seine Stallungen machen und seine "Existenz vernichten" könnten. Ist das wirklich der einzige Grund, warum er es strikt ablehnt, seinen Betrieb fotografieren zu lassen oder seine Adresse zu nennen? "Einem Berufskollegen in Norddeutschland haben militante Tierschützer die Bude abgefackelt und alles vernichtet. Diese Familie ist am Ende." Das will er auf alle Fälle verhindern, deshalb auch seine Zurückhaltung.

Und von wegen Massentierhaltung. "Wir haben viel kleinere Ställe als in anderen europäischen Ländern und halten dadurch viel weniger Tiere." Die Tierschutzauflagen würden zudem strikt beachtet, die Transportwege seien viel kürzer und die Fütterung sei ausgewogen. Man verhalte sich entsprechend den Vorschriften.

Geht man durch das Dorf, trifft man auf Bürger, die sich mit dem Hühnermastbetrieb inzwischen abgefunden haben. Ein junger Mann sagt, dass es schon hin und wieder stinke; "aber ob das von der Hühnerfarm oder aus anderen Ställen kommt, das weiß man nicht".

Ein Landwirt meint, dass ihm Gerüche nichts ausmachten. In Dörfern stinke es halt gelegentlich. "Das war noch nie anders." Andere Bürger äußern sich ähnlich. In Pfahlheim hat man sich mit der Hähnchenmast offensichtlich arrangiert. Doch einer, der in den Stall gesehen hat, als die Türen im Sonnenschein offen standen, sagt auch: "Wenn man diese Massenhaltung sieht, vergeht einem der Appetit auf Hähnchen."

In Nördlingen ist man gespannt, wie am Donnerstag der Bauausschuss über den Bauantrag von Jörg Benninger in Schmähingen entscheidet. Die Stadt muss als einer von mehreren "Trägern öffentlicher Belange" ihr Votum abgeben und dem Bauvorhaben das gemeindliche Einvernehmen erteilen oder nicht. "Die Prüfung läuft noch", so Pressesprecher Rudi Scherer gestern Nachmittag gegenüber den Rieser Nachrichten. Dem Vernehmen nach aber hat die Stadt keine juristische Handhabe gegen den Bau. Die endgültige Entscheidung über das Schmähinger Projekt trifft freilich das Landratsamt Donau-Ries. bs

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