Samstag, 24. Juni 2017

21. April 2017 16:04 Uhr

Verschenktes Geld

Wieso ein Unbekannter Geld hinter Scheibenwischer steckt

Die Polizei sucht weiter den Konstanzer, der an Ostern 20- und 50-Euro-Scheine hinter Scheibenwischer klemmte und in Briefkästen warf. Wieso Menschen Geld verschenken.

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Warum verschenken Menschen Geld? Ein Experte erklärt die Hintergründe. (Symbolbild)
Foto: Jens Kalaene (dpa)

Über die Osterfeiertage konnten sich in Konstanz einige Glückliche über einen 20- oder 50-Euro-Schein hinter ihrem Scheibenwischer oder im Briefkasten freuen. Bislang ist immer noch unklar, wer das Geld verteilt hat. Die Polizei kassierte die Scheine zunächst ein, um zu prüfen, ob sie aus einer Straftat stammen. Die Beschenkten werden das Geld nun vermutlich zurückerhalten, da es bislang keine Hinweise auf eine Straftat gebe, so ein Sprecher der Polizei.

Der Unbekannte hat insgesamt rund 400 Euro verteilt. Die Scheine seien zudem mit Hashtags beschriftet worden, wie sie auch bei Twitter oder Instagram verwendet werden. Im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern erwies sich kürzlich ein Mann ähnlich spendabel und verschenkte in der Innenstadt Geldscheine.

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Warum verschenken Menschen Geld an Unbekannte?

Politikwissenschaftler und Historiker Rupert Graf Strachwitz stellt fest: "Die Art und Weise in Konstanz ist natürlich kurios und skurril." Nach Meinung des Vorstandschefs der Maecenata Stiftung, die unter anderem zum Thema Zivilgesellschaft forscht, stecke der Impuls zum Schenken jedoch im Menschen. "Oft sagt man: Der Mensch geht nur seinen Interessen nach, das stimmt aber nicht - das wissen wir historisch, biologisch und kulturanthropologisch." Bei Tieren gebe es das Phänomen ebenfalls: "Es gibt sehr deutliche Beobachtungen, dass das auch bei den Primaten so ist, und manche Biologen behaupten, auch bei Vögeln könne man das sehen."

Das Motiv für das Schenken müsse nicht unbedingt Altruismus sein, sagt Strachwitz. "Da verbinden sich vielleicht auch Gedanken damit, dass man selbst mal was geschenkt bekommen möchte." Allerdings gebe es dafür - anders als etwa beim Tauschen oder Kaufen - keine Gewissheit. "Wenn ich was kaufe, habe ich Geld und der andere eine Banane, das tauschen wir aus", so Strachwitz. "Wenn ich dagegen etwas schenke, weiß ich nicht: Bekomme ich was zurück, was bekomme ich, von wem und wann? Schenken hat daher eine eigene Qualität."

Das Schenken-Wollen stecke ganz tief kulturell in uns drin, sagt Strachwitz. Das müsse auch nicht immer Geld oder eine Gabe sein, es gehe auch um bürgerschaftliches Engagement - man schenke der Gesellschaft seine Zeit oder guten Ideen. "Aber wenn man es mal insgesamt sieht, ist es nicht so sonderbar, dass jemand anonym dieser Veranlagung nachgeht."

Der Konstanzer Geld-Schenker ist nicht der erste Fall

Der Geld-Schenker in Konstanz ist auch nicht der Erste, der sich anonym großzügig zeigt: Einen ähnlichen Fall gab es kürzlich in Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz. Ein Mann verschenkte dort Mitte März in der Innenstadt Geldscheine, indem er Passanten 50 Euro gab oder das Geld in Hecken und Gebüschen versteckte. Auch im ostwestfälischen Bünde verteilte ein Unbekannter Anfang 2016 Geld: In einem Supermarkt fanden Kunden und Angestellte Umschläge, die eine Grußkarte mit einem Bibelvers und einen 50-Euro-Schein enthielten. Ein Gastronom, dem zuvor die Scheibe eingeschlagen worden war, fand gleich vier Umschläge mit jeweils 50 Euro und einer persönlichen Botschaft.

Bei einer solchen anonymen Gabe fielen Dank, Lob und Anerkennung für den Spender weg, sagt Strachwitz. "Wobei man sich nicht täuschen darf: Die Anerkennung spielt immer wieder eine Rolle, gerade wer sich über Jahrzehnte engagiert, hört schon gerne mal ein anerkennendes Wort. Aber so bestimmend, wie manchmal getan wird, ist das nicht." Es gebe zunehmend - gerade auch bei jüngeren Menschen - auch Motive von innen heraus. "Selbsterfüllung, ein vollständiges Leben, innere Freude", so Strachwitz. "Das spielt schon auch eine sehr große Rolle, da braucht von außen keiner mitwirken." dpa

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