Donnerstag, 21. September 2017

13. September 2017 09:48 Uhr

Gesundheit

Kritische Keime im Geflügel aus dem Supermarkt

Kontrollen zeigen: Hühner- und Putenfleisch ist häufig mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Für Menschen können diese in manchen Fällen lebensbedrohlich werden.

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In Hähnchen- und Putenfleisch aus Supermärkten finden sich laut amtlichen Untersuchungen vielfach immer noch antibiotika-resistente Keime.
Foto: Felix Kästle, dpa (Symbolbild)

Im Supermarkt lauert eine versteckte Gefahr: Puten- und Hühnerfleisch ist Untersuchungen zufolge oftmals mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Diese Bakterien sind im Normalfall harmlos, haben allerdings eine gefährliche Eigenschaft: Sie sind immun gegen bestimmte Antibiotika und geben diese Eigenschaft an andere Bakterien weiter. Verbreiten sie sich, ist irgendwann eine Vielzahl von Erregern unempfindlich gegen hochwirksame Medikamente. Schon jetzt sterben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 15000 Menschen jährlich, weil bei ihnen kein Antibiotikum anschlägt.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurden im vergangenen Jahr bei Kontrollen in 208 von 418 Fällen sogenannte ESBL-Keime in Hühnchenfleisch nachgewiesen, bei Putenfleisch war nahezu jede dritte Probe belastet. Die ebenfalls antibiotikaresistenten MRSA-Keime wurden in einem Viertel aller Hähnchen-Proben gefunden, beim Putenfleisch sogar in jedem zweiten untersuchten Stück. Die Zahlen stammen aus der Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion an die Bundesregierung, die unserer Redaktion vorliegt.

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Alamierende Zahlen: Tiere bekommen immer häufiger "Reserve-Antibiotika"

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer ist angesichts der neuen Zahlen alarmiert. „Die Funde sind erschreckend hoch und es ist in den letzten Jahren zu keiner wesentlichen Besserung der Situation gekommen“, betont der Politiker. Er fordert, den Einsatz von Antibiotika in Ställen drastisch zu reduzieren. Mediziner kritisieren schon lange, dass in der Tierhaltung zu viele Medikamente zum Einsatz kommen.

Sorgen macht den Experten vor allem, dass eine steigende Zahl Fluorchinolone verabreicht wird. Denn während laut Bundesamt für Verbraucherschutz die Menge der herkömmlichen Medikamente in der Tierhaltung sinkt, bekommen Tiere immer häufiger diese sogenannten „Reserve-Antibiotika“ verordnet. Fluorchinolone spielen aber auch in der Humanmedizin eine enorm wichtige Rolle. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn kein anderes Antibiotikum mehr anschlägt.

Rat der Verbraucherschützerin Heidrun Schubert

Wer sein Fleisch richtig lagert und zubereitet, kann aber zumindest verhindern, dass die Bakterien in den Körper gelangen oder sich weiter vermehren. Verbraucherschützerin Heidrun Schubert rät deshalb, Fleisch und Salat immer getrennt aufzubewahren. Tiefgefrorenes Fleisch sollte darüber hinaus immer im Kühlschrank aufgetaut werden, erläutert die Expertin der Verbraucherzentrale Bayern. Wer rohes Geflügel zubereitet, sollte außerdem Schneidebrett und Wasser mit heißem Wasser und Spülmittel säubern, ehe dann auch die Hände gründlich gewaschen werden. Außerdem sollten die Speisen gut durchgebraten werden. Wer die Keimbelastung von Anfang an so niedrig wie möglich halten will, sollte ihrer Meinung nach zu Bio-Fleisch greifen. Zwar könne man nicht ganz ausschließen, dass es nicht auch antibiotikaresistente Keime enthalte, die Gefahr sei aber deutlich geringer.

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Ein Artikel von
Sarah Schierack

Augsburger Allgemeine
Ressort: Wirtschaft

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