Freitag, 24. November 2017

26. April 2017 00:03 Uhr

Fußball

Wenn Ultras die Spieler zum Rapport bestellen

Bei Rapid Wien regiert die Fan-Gruppierung im Verein mit. Ein deutscher Manager sieht sich als Opfer

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Am Mittwoch wird wieder Fußball gespielt. Endlich, werden viele Sympathisanten des österreichischen Traditionsklubs Rapid Wien sagen, nachdem seit Tagen eine Schlammschlacht rund um den Rekordmeister im Gang ist. Im Mittelpunkt steht dabei der scheinbar bedenkliche Einfluss der Fan-Gruppierung Ultras auf die Entscheidungen der Klub-Führung, die sogar zur Freistellung des Ex-Sportdirektors und langjährigen Schalkers Andreas Müller im November geführt haben soll. „Ich sage nur: Andreas Müller lügt“, sagte Präsident Michael Krammer nun der Zeitung Krone, nachdem Müller am Wochenende beim TV-Sender Sky Einblicke in seine fast dreijährige Amtszeit bei Rapid gegeben hatte.

Die Macht der Ultras sei „ein Wahnsinn“ gewesen, so Müller. „Ich kannte so was nicht, dass der Einfluss so groß sein kann. Ich hatte eine andere Meinung im Umgang mit den Ultras. Sie haben Rapid im Griff, das geht nicht. Aber Krammer und (Geschäftsführer Christoph) Peschek liegen mit ihnen im Bett.“ Trauriger Höhepunkt des Zusammenspiels zwischen Klub und Fans war ein Vorfall nach der Auswärtspleite beim SV Ried auf der Autobahn, als die Ultras die Mannschaft auf einer Raststätte zum Rapport bestellt hatten. „Wir haben uns für die unauffälligere Variante entschieden und den Bus auf dem Weg nach Wien von der Autobahn geholt, um der Mannschaft auf einem LKW-Rastplatz die Leviten zu lesen“, teilte die Gruppierung sogar auf ihrer Homepage mit. Der Klub spielte das Zusammentreffen indes als „eine ganz normale Aussprache“ herunter. Ein „No-Go“, wie Müller findet. Der langjährige Bundesliga-Profi glaubt, dass er einst „über die Fans gestolpert“ ist und führt die Causa Maximilian Entrup an. Der Youngster war nach seinem Wechsel zu Rapid von den eigenen Fans attackiert und sogar mit einem Knallkörper beworfen worden, weil er zuvor einem Fanklub des Stadtrivalen Austria angehört hatte. Müller hatte sich hinter Entrup gestellt, von der Klubführung sei er aber allein gelassen worden. Auch Vereinsidol Hans Krankl ist inzwischen auf Distanz zu Rapid gegangen. Die Vereinsspitze werde von „Ahnungslosen“ geführt, sagte er, und löste weitere verbale Duelle in der Öffentlichkeit aus. Zu allem Überfluss kommt die sportliche Krise bei den Wienern hinzu. Nach dem 0:2 im 321. Derby gegen die Austria beträgt der Rückstand auf Tabellenführer RB Salzburg bereits 24 Punkte, bis zum Abstiegsplatz sind es dagegen nur sieben Zähler.

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Inzwischen versucht sich in Goran Djuricin bereits der vierte Trainer in dieser Saison an Rapid, die Spielzeit hatte der Verein noch mit dem früheren Schalker Mike Büskens begonnen. Wenn heute auch das Cup-Halbfinale gegen den Linzer ASK verloren geht, wäre auch die letzte Chance auf eine Europacup-Teilnahme dahin. Weitere unruhige Zeiten rund um Rapid Wien wären garantiert. (dpa)

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