Seitdem die Zusammenarbeit des FC Augsburg mit der Ticketbörse Viagogo bekannt wurde, macht die Initiative "fcafans-gegen-viagogo" mobil gegen diese Partnerschaft. Am gestrigen Donnerstag übergab Markus Kamenew, einer der Mit-Organisatoren der Initiative und Chef des FCA-Fan-Clubs Burning Nuts, auf der Geschäftsstelle des FC Augsburg eine Unterschriftenliste mit über 1000 Unterzeichnern. Somit sollten die zehn Prozent der stimmberechtigten Mitglieder erreicht worden sein, die notwenig sind, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen.
Einziger Tagesordnungspunkt soll dann eine Abstimmung über die weitere Partnerschaft des FCA mit Viagogo sein. Der FCA prüft nun die Unterschriften. Sollte sich herausstellen, dass noch nicht genügend Mitglieder unterzeichnet haben, wollen die FCA-Fans weiter sammeln.
Gab es einen Punkt, an dem sie gezweifelt haben, ob sie die nötigen Unterschriften zusammen bringen?
Kamenew: Nein, nach dem wirklich beeindruckenden Ergebnis der online Petition, waren wir uns sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir die benötigte Anzahl an Unterschriften erreichen. Es ging im Gegenteil deutlich schneller und stressfreier als wir gedacht hatten. Das Feedback war durchweg positiv. Es wäre problemlos möglich gewesen, noch mehr Unterschriften zusammenzutragen.
Die Argumente des FC Augsburg zählen für Sie nicht?
Was Kamenew dem FCA und Viagogo vorwirft
Nimmt bereits jetzt direkt und indirekt Einfluss auf den Verkaufspreis der Tickets.
Bietet Spekulationen mit Tickets und Dauerkarten eine Plattform. Die Preistreiberei ist dabei Bestandteil des Geschäftsmodells.
Nistet sich in integrale Schnittstellen der Organisationsstrukturen des FC Augsburg ein.
Strebt die möglichst umfassende Kontrolle über das Ticketing des FC Augsburg sowie möglichst vieler weiterer Bundesligisten an.
Verringert durch das exklusive und überteuert angebotene eigene Kartenkontingent die Menge an frei zu erwerbenden Tickets in prinzipiell ausgebuchten Kategorien (Stehblock, Gegengerade).
Fördert nicht nur den Schwarzmarkthandel, sondern durch Viagogo wird der Schwarzmarkthandel sogar vereinsseitig legalisiert.
Die vom FCA behaupteten „Vorteile für Mitglieder“ sind zu 95% Vorteile für Leute, die die Mitgliedschaft zum Zwecke der Ticketspekulation nutzen. Darunter leiden das Gros der Mitglieder und auch die übrigen Anhänger, die langfristig mit deutlich steigenden Preisen rechnen müssen.
Welchen Sinn haben offizielle eigene Verkaufspreise, wenn diese über eine zweite, vom FCA legalisierte, aber völlig intransparente Schiene ausgehebelt werden?
Der vom DFB geforderte Sicherheitsaspekt beim Verkauf von Stehplatzkarten (Trennung Fangruppen) wird über die beliebige bundesweite Streuung der Tickets ad absurdum geführt.
Viele Punkte finden sich auch in den FCA eigenen Ticket AGBs: „Zur Vermeidung von Gewalttätigkeiten und Straftaten im Zusammenhang mit dem Stadionbesuch, zur Durchsetzung von Stadionverboten, zur Trennung von Anhängern der aufeinander treffenden Mannschaften während eines Fußballspiels und zur Unterbindung des Weiterverkaufs von Tickets zu überhöhten Preisen, insbesondere zur Vermeidung von Ticketspekulationen und zur Aufrechterhaltung der vom Club auch unter Berücksichtigung von Fanbelangen und sozialen Aspekten entwickelten Preisstruktur, liegt es im Interesse des Clubs und der Sicherheit der Zuschauer, die Weitergabe von Tickets einzuschränken“
Kamenew: Nein, denn es werden für einen vergleichsweise geringen Profit im niedrigen sechsstelligen Bereich, der mit ein wenig cleverem Marketing auch anderweitig zu erzielen wäre, zentrale Vereinsleitsätze (Zusammenhalten ist unser Ziel; der Verein als soziales Bindeglied in der Region) preisgegeben. Darüber hinaus wird ein nicht zu beziffernder, bundesweiter Imageschaden der Marke FCA in Kauf genommen.
Haben Sie sich ernst genommen gefühlt von Seiten des FC Augsburg?
Kamenew: Wir hatten Kontakt, aber wir konnten keinen gemeinsamen Nenner finden.
Wollen Sie die außerordentliche Mitgliederversammlung auf jeden Fall, oder gibt es ein Szenario, bei dem sie sagen: Okay, das genügt uns und wir brauchen keine außerordentliche Mitgliederversammlung.
Kamenew: Ja, es gibt auch ein alternatives Szenario. Den Verantwortlichen des FCA sind unsere Ziele bekannt. Wenn der FCA uns schriftlich versichern würde, dass der FCA den Vertrag mit Viagogo fristgerecht kündigt und strikt – wie unter Andreas Rettig – gegen Schwarzmarkthändler vorgeht, benötigen wir auch keine außerordentliche Mitgliederversammlung.
Warum haben sie so viel Energie in ihrer Freizeit "geopfert", um diese Unterschriften zu sammeln?
Kamenew: Für uns ist der FCA, im Gegensatz zu den „sogenannten“ Rosinenpickern - die Begrifflichkeit stammt nicht von uns -, mehr als das „Event“ Fußball. Wir leben den FCA nicht nur am Spieltag sondern täglich und uns ist es eine Herzensangelegenheit, den FCA so zu behalten, wie wir ihn kennen und lieben gelernt haben und wie Walther Seinsch ihn seit über zehn Jahren in Augsburg propagiert. Plastikclubs á la Hoffenheim und RB Leipzig sprießen wie Pilze aus dem Boden. In deren Klasse, wo der FAN nichts mehr wert ist und nur noch der Kontostand zählt, wollen und werden wir uns nicht ansiedeln. Der FCA war immer ein sehr fannaher Verein bzw. die „große FCA Familie“. Das sollte auch so bleiben.
Wollen Sie dem FCA was Böses?
Kamenew: Nein, natürlich nicht. Wir sind Vollblut FCA Fans seit vielen Jahren und investieren, wie bereits gesagt, viel Zeit in unseren FCA. Deshalb haben wir dem FCA auch angeboten, ihn bei der Entwicklung einer alternativen Ticket-Tausch-Plattform mit Ideen und technischem Know-How zu unterstützen.
Das Interview führte Robert Götz