Montag, 26. Juni 2017

08. August 2014 00:31 Uhr

Flurneuordnung

Lebensräume verschwinden im Donauried

Bund Naturschutz kritisiert „Plünderung“ und Zerstörung der Landschaft

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Mit Bauschutt verfüllt – wertvolle Naturflächen im Donauried.
Foto: BUND

Überrascht hörten die Teilnehmer der letzten Vorstandssitzung der Ortsgruppe Buttenwiesen des Bund Naturschutz, wie viel Naturzerstörung das Mitglied der neu gegründeten Artenschutzgruppe, Josef Schrallhammer, im Donauried beobachtet hat. Sogar eine vom Amt für Ländliche Entwicklung als ökologisch wertvolle Fläche beurteilte Kiesgrube könnte, entgegen dem wasserrechtlichen Bescheid, mit Bauschutt verfüllt sein. Probeschürfungen erfolgten bereits. Sollte tatsächlich Bauschutt gefunden werden, müsse der Verursacher oder der Grundstückseigentümer ihn wieder entfernen.

„Rücksichtslos wurde die Natur im Donauried geplündert. Wiesen und feuchten Mulden fehlen, Auwälder schrumpfen und die Vogelschützer finden immer weniger brütende Wiesenbrüter“, sagte Gernot Hartwig, Vorsitzender der Ortsgruppe. Die Zerstörungen würden durch die Flurneuordnung nun sichtbar. Und durch die Flurneuordnung selbst leide die Natur nochmals: Felder mit Biotopen, Hecken und Waldrändern würden schlechter bewertet, als ohne solche Lebensräume, und die geplanten, großen, zusammenhängenden Felder würden die Artenvielfalt verringern. Allein in der Pfaffenhofener Flur sollen gut fünf Hektar Wiesenwege wegfallen. „Wo sollen da Hase und Rebhuhn noch Nahrung und Deckung finden?“, fragte Kassiererin Susanne Gilg.

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Dass es für klärschlammgedüngte Felder keine Abschläge gibt, obwohl im Schlamm giftige Schwermetalle, Hormone und Arzneimittelrückstände sind, deren Wirkungen sich erst in Jahren zeigen kann, veranlasste zweiten Vorsitzenden Wolfgang Klein zur Forderung, dass die Gemeinde Vorbild sein soll und entgegensteuern muss, zum Beispiel durch Ankauf von Gewässerrandstreifen, wie es der Gewässerentwicklungsplan vorschlägt.

Hartwig nahm die jetzigen Bauhofmitarbeiter in Schutz: „Da hat sich vieles gebessert! Die genannten Missstände sind ihnen nicht anzulasten. Auch bei den Grabenräumungen durch den ökonomischen Ausschuss sind wir auf einem guten Weg, und das Ausbringen von Klärschlamm auf den sogenannte „RWE-Flächen“ der Gemeinde haben wir den zuständigen Behörden gemeldet.“

Schrallhammer warnte: „Die Summe der Zerstörungen macht die Katastrophe aus. Durch das illegale Umackern von Wegen, Entfernen uferbegleitender Gehölze, Bauschuttverfüllungen Umleiten wasserführender Gräben, Wiesenumbruch und Spritzmitteleinsatz fehlen heute die Wiesenbrüter, Libellen oder Rebhühner. Die Tiere sind auf feuchte Tümpeln, Wiesen, Uferrandstreifen und Wegraine angewiesen! Doch auch wir Menschen benötigen intakte Natur. Je mehr solche Lebensräume verschwinden, desto mehr Hochwässer bekommen wir, weil die Wasserrückhaltung nicht mehr funktioniert. Je mehr Wiesen die Landwirte zu Maisäckern machen, desto problematischer wird es, unser Trinkwasser rein zu halten, und je mehr die natürliche Schädlingsbekämpfung versagt, desto mehr Spritzmittel brauchen wir.“

Die Versammlung dankte Schrallhammer für sein Engagement, und der Vorsitzende schloss die Sitzung mit den Worten: „Eigentlich verpflichtet die Bayerische Verfassung jeden Einzelnen, vor allem aber auch Staat und Gemeinden ausdrücklich zum Naturschutz. Aber damit lässt sich politisch halt wenig punkten. Vor allem, wenn man ihn ernst meint wie du, lieber Josef, und nicht nur in Sonntagsreden beschwört.“ (pm)

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