Samstag, 23. September 2017

05. April 2017 17:01 Uhr

Duale Ausbildung

In Deutschland stehen die Chancen auf eine Lehrstelle gut

Deutschland exportiert sein Modell der dualen Ausbildung gern ins Ausland. Zuhause aber bleiben viele Firmen und Lehrstellenbewerber unversorgt. Oder sie finden nicht zueinander.

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In Gera wirbt ein Aufsteller für eine Ausbildung bei einem Textilverkäufer: Auf 100 Schulabgänger, die einen Ausbildungsplatz suchten, kamen im vergangenen Jahr statistisch gesehen 104,2 Angebote.
Foto: Marc Tirl/Illustration (dpa)

In Deutschland sind die Chancen auf eine Lehrstelle nach Regierungsangaben «so gut wie nie». Auf 100 Schulabgänger, die einen Ausbildungsplatz suchten, kamen im vergangenen Jahr statistisch gesehen 104,2 Angebote.

Dies geht aus dem Berufsbildungsbericht 2017 hervor, den das Kabinett in Berlin verabschiedete. Allerdings seien «Passungsprobleme weiterhin eine zentrale Herausforderung» - viele Ausbildungsbewerber genügen nicht den Ansprüchen der Betriebe, leben in einer Problemregion oder sind nicht mobil genug.

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Die Anzahl freier Lehrstellen stieg zum Stichtag 30. September 2016 um 4,5 Prozent auf rund 43 500. Für viele Betriebe sei es «viel schwieriger geworden, Ausbildungsplätze zu besetzen», sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Zugleich ging die Zahl unversorgter Bewerber um 1,1 Prozent zurück - aber es gab immer noch 20 600 Jugendliche, die leer ausgingen. Fast 300 000 junge Menschen begannen 2016 ein Programm im «Übergangsbereich» (plus 12,2 Prozent), um überhaupt erst einmal für eine Lehrstelle fit gemacht zu werden.

Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen blieb die Gesamtzahl mit 520 300 im Vergleich zu 2015 quasi konstant (minus 0,4 Prozent). Die Lage sei «regional sehr unterschiedlich», sagte Wanka.

Nach Daten von 2015 wurden 24,9 Prozent der Lehrverträge vorzeitig aufgelöst (2014: 24,6 Prozent) - jedoch gingen mehr als die Hälfte dieser Vertragslösungen mit einem Wechsel des Ausbildungsbetriebs oder -berufs einher. «Diese Auszubildenden verbleiben also weiter im Qualifizierungsprozess als berufliche Fachkräfte.»

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beklagte, dass gut 1,2 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 in Deutschland keine abgeschlossene Ausbildung hätten und auch nicht in Schule oder Studium seien - fast 13 Prozent der Altersgruppe. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil sprach von 1,9 Millionen Erwachsenen zwischen 20 und 34 Jahren ohne jeden Abschluss. «Gerade für Ausbildungssuchende mit Hauptschulabschluss wird es zunehmend schwerer, einen Platz zu ergattern.»

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Susanne Eisenmann, möchte der betrieblichen Lehre ein besseres Image verschaffen. «Der Wert unserer dualen Ausbildung, ihre Qualität, wird außerhalb unserer Grenzen wesentlich stärker wahrgenommen als in Deutschland selbst», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Die Tendenz zu Abitur und Studium habe in den vergangenen Jahren zugenommen. «Deshalb will ich wieder stärker für die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung werben.»

Das Schwerpunktthema ihrer KMK-Präsidentschaft orientiere sich auch an den Bedürfnissen der Wirtschaft. «Hier geht es um eine Grundsatzfrage für ganz Deutschland. Wichtig wäre, dass wir uns schon in der Schule darauf ausrichten, genug Auszubildende zu finden.» In den Bundesländern fehle es aber insgesamt an Begleitung der Jugendlichen von der Schule bis in den Beruf, räumte Eisenmann ein. «Es gibt einzelne Projekte, mit denen so etwas ausprobiert wird. Aber da sind wir in der Breite noch nicht optimal aufgestellt.»

Derweil gehen immer mehr Erwerbstätige in Deutschland mit einem akademischen Abschluss in den Beruf. So stieg der Anteil der Akademiker unter den Erwerbstätigen seit 1991 von 12 auf 21 Prozent, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mitteilte. Während bei allen Beschäftigten die Arbeitslosenquote 2015 bei 6,6 Prozent lag, betrug sie bei Akademikern nur 2,4 Prozent. Bei Ungelernten lag die Quote bei 20,3 Prozent. Zudem verdienen Akademiker der IAB-Studie zufolge deutlich besser. dpa

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