Montag, 29. Mai 2017

19. Mai 2017 09:08 Uhr

Sexsucht behandeln

Sexsucht: Wenn sich die Lust zur Krankheit entwickelt

Alles dreht sich nur um Sex, Sex und noch mal Sex. Jede Gelegenheit wird genutzt: ausschweifende sexuelle Fantasien, Telefonsex oder ständig wechselnde Sexualpartner.

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Sexsüchtige suchen immer wieder den ganz besonderen Kick, fühlen sich dabei aber leer - mit Nähe, Liebe und Zweisamkeit hat das nicht mehr viel zu tun.
Foto: zerocreatives/Westend61/dpa-tmn

Sexsucht ist kein harmloses Phänomen. Wenn das Verlangen nach Sex so überhand gewinnt, dass jede Möglichkeit zu jedem Preis ausgeschöpft wird - Ablenkung von der Arbeit durch ausschweifende Fantasien oder finanziell beeinträchtigend viel Telefonsex sind nur zwei Beispiele. Wer betroffen ist, sollte sich Hilfe holen und die Ursache für die Sexsucht ergründen.

Sexsucht ist keine offizielle Diagnose - aber auch nicht harmlos

Auf der Suche nach dem ganz besonderen Kick hilft nur noch Sex. Betroffene leiden, fühlen sich schlecht und leer. "Eine offizielle Diagnose Sexsucht gibt es bislang noch nicht, aber Kriterien für suchtartiges sexuelles Verhalten", sagt Christoph Joseph Ahlers. Er ist Klinischer Sexualpsychologe in Berlin und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft. Doch auch ohne eine offizielle Diagnose ist klar, dass Sexsucht keine harmlose Erkrankung ist.

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Wenn das eigene Verhalten zum Zwang werde und Leidensdruck auslöse, werde sexuelles Verlangen krankhaft. Das erklärt Psychologe Jannis Engel vom Arbeitsbereich für Klinische Psychologie und Sexualmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover. Der Leidensdruck bei Sexsucht kann sich neben innerer Leere auch in Scham und Selbstverachtung äußern. Wie auch bei anderen Abhängigkeiten verlieren Betroffene die Kontrolle über ihr Verhalten und können trotz negativer Konsequenzen nicht aufhören.

Sexsucht: Psychologe kann helfen

Ebenfalls ähnlich wie bei anderen Süchten ist die Vernachlässigung. Partnerschaft, Familie, Beruf und Freunde sind weniger wichtig als das Erfüllen des Verlangens. Wegen Sexsucht gehen Beziehungen in die Brüche, der Arbeitsplatz kann verloren werden. Laut Engel drohen Betroffenen "Vereinsamung und Verwahrlosung". Wer versucht, auf Sex zu verzichten, bei dem kommt es zu Entzugserscheinungen wie Aggressivität, Nervosität und Depressivität. Deshalb ist es auch bei Sexsucht wichtig, professionelle Hilfe zu suchen.

Wie viele Menschen in Deutschland unter Sexsucht leiden, ist nicht bekannt. Schätzungen gehen von Hunderttausenden aus. Vermutet wird, dass es eher Männer als Frauen trifft. Bei einer Therapie muss immer auf die besonderen Bedürfnisse des Einzelfalls eingegangen werden. Denn das konkrete Problem, das zugrunde liegt und durch extremes sexuelles Verhalten überlagert wird, muss behandelt werden. Ein Psychologe kann helfen, die Ursache der Sexsucht zu finden und Betroffenen aus der Sucht helfen. dpa/tmn/sh

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Berlin | Deutschland