Donnerstag, 22. Juni 2017

26. Februar 2015 00:32 Uhr

Verpackungen

Rot für die Gelbe Tonne

Umweltausschuss empfiehlt mit großer Mehrheit, das bestehende Bringsystem zu den Wertstoffhöfen bis Ende 2018 beizubehalten. Was gegen den Wechsel zum Holsystem spricht

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Die Blaue gibt’s, die Gelbe Tonne für Leichtverpackungen kommt nicht – vielleicht kommt ab 2019 aber eine andersfarbige Tonne für Wertstoffe.
Foto: Peter Endig, dpa

Restmülltonnen (schwarz) stehen seit Jahrzehnten im Landkreis – rund 40000. Papiertonnen (blau) holen private Entsorger seit 2007 im Wittelsbacher Land ab. Der Kreis hat vor einem Jahr mit einer eigenen nachgezogen – insgesamt sind es schon rund 25000 „Blaue“. Die Biotonne (braun) gibt’s seit den 90er-Jahren. Sie soll zur Jahresmitte nahezu flächendeckend im Landkreis verteilt werden. Und wann kommt die Tonne für die Leichtverpackungen (gelb)? Wenn nicht noch Außergewöhnliches passiert, dann die nächsten vier Jahre sicher nicht. Vermutlich taucht die „Gelbe“ auch nach 2019 nicht auf. Dann könnte aber eine Tonne mit einer anderen Farbe auf den Grundstücken stehen und nicht nur Verpackungen, sondern dazu weitere Wertstoffe schlucken.

Der Umweltausschuss hat dem Kreistag jedenfalls gestern mit einer Gegenstimme empfohlen, am bisherigen Bringsystem festzuhalten. Die Vereinbarung mit den Dualen Systemen (früher bekannt als DSD) endet 2015. Der neue dreijährige Vertrag läuft von Anfang 2016 bis Ende 2018. Das bedeutet: Die Bürger müssen ihre Leichtverpackungen weiterhin auf Wertstoffsammelstellen und zu Containern bringen. Dazu soll das Bifa Umweltinstitut mit einer Wertstoffanalyse des Restmülls beauftragt werden. Kosten: rund 26000 Euro. Das soll Erkenntnisse für die Umsetzung des künftigen Wertstoffgesetzes bringen.

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Für die großen Fans der Gelben Tonne, die es im traditionell müllbewegten Wittelsbacher Land in großer Zahl gibt, ist das alles andere als eine gute Nachricht. Die seit zwei Jahrzehnten praktizierte reine Trennlehre für Tetrapak und Co. sehen sie als Schikane, Zeitverschwendung und ein Konzept aus der Müll-Steinzeit. Bis gestern Nachmittag haben sich auf einer von Johannes Grabler (Affing-Aulzhausen) initiierten Onlinepetition für die Einführung der Gelben Tonne 2533 Unterstützer (2433 davon aus dem Kreis) eingetragen. Die Junge Union hat im Herbst ein Bürgerbegehren für die „Gelbe“ angekündigt und dann wieder abgeblasen. Kreisrat Martin Tübenbacher (CSU) machte sich in der Sitzung stark für die Einführung und sprach von verlorener Zeit: „Die Gelbe Tonne ist ökologischer und verbraucherfreundlicher.“ Das war gestern übrigens die einzige „müllideologische“ Wortmeldung. Die Gegenposition: Die gelben Gefäße sind eher Teufelszeug, ein Rückschritt nur für die Bequemlichkeit, und das Bringsystem des Kreises nach wie vor die ökonomisch und ökologisch beste Lösung. Landrat Klaus Metzger wollte sich gestern auf Grabenkämpfe überhaupt nicht einlassen. Er plädierte für eine sachorientierte Entscheidung, und da gibt es für ihn derzeit nichts anderes, als am Bringsystem (vorerst) festzuhalten.

Die Argumente fasste Sachgebietsleiter Michael Haas zusammen: Das Umweltministerium in Berlin arbeitet an einem neuen Wertstoffgesetz. Im September hat der Ausschuss eine Entscheidung über Hol- oder Bringsystem vertagt, weil er auf diese Leitplanken warten wollte. Doch wann das Gesetz verabschiedet wird, ist nicht abzusehen. Die Dualen Systemen wollen aber jetzt eine Auskunft über die Erfassung ab 2016. Was alles in eine künftige Wertsofftonne muss/kann/soll, ist ebenso offen. Eine jetzt eingeführte Gelbe Tonne könnte in wenigen Jahren nicht zum vorgeschriebenen System passen und dazu die falsche Farbe haben. Laut Haas haben sich die Dualen Systeme auch nicht auf den Kreisvorschlag für eine kürzere Vertragslaufzeit als drei Jahre eingelassen – das sei nicht wirtschaftlich. Wenn der Kreis eine Gelbe Tonne plus die Abgabe auf Sammelstellen möchte, bliebe er auf den zusätzlichen Kosten für den Abtransport der Container sitzen. Metzger erinnerte auch an das klare Ergebnis des Bürgerentscheids aus 2005 gegen den Gelben Sack. Das könne jetzt vom Kreistag nicht einfach gekippt werden. Wenn, dann müssten die Bürger neu abstimmen.

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Christian Lichtenstern

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