Sonntag, 17. Dezember 2017

16. Juli 2013 00:32 Uhr

Stifter-Siedlung

Dieser Stadtteil besitzt seine eigene Kultur

Im Norden Gersthofens wird seit Jahrzehnten die Gemeinsamkeit gepflegt Von Diana Deniz

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Gersthofen Schöner hätte es nicht sein können: Das ganze Wochenende Sonnenschein und eine voll besetzte Festwiese beim Gartenfest in der Adalbert-Stifter-Siedlung in Gersthofen. Dazu Musik mit dem Musikverein Batzenhofen, dem Jugendorchester Gersthofen und dem Schwaben-Express sowie jede Menge gute Laune.

Die Bewohner der Stifter-Siedlung hatten sich wieder mächtig ins Zeug gelegt, ihre Siedlung sowie den Festplatz auf Hochglanz poliert und mit Blumen geschmückt. In der Kaffeestube gab es leckere selbst gebackene Kuchen, den Festbieranstich übernahm Bürgermeister Jürgen Schantin und nach dem Gottesdienst mit Stadtpfarrer Ralf Gössl wurde ordentlich gefrühschoppt.

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All das lockte zahlreiche Gäste an. Die Kinder kamen nicht zu kurz und konnten sich am Spielplatz austoben. Der Hedwigskindergarten führte einen zauberhaften Sommertanz auf und der fünfjährige Jonas Altmann bekam von der Blasmusik überhaupt nicht genug und wich dem Musikverein Batzenhofen keine Sekunde von der Seite. Deshalb durfte er Andreas Meyers Dirigentenstab auch einmal selbst schwingen und hielt den Taktstock ganz vorbildlich. Ein stolzes Grinsen in die Kamera konnte er sich dabei nicht verkneifen. Nach seinem musikalischen Einsatz bekam der kesse Rotschopf eine Apfelschorle von Oma Ingeborg Knotter spendiert.

Jung und Alt gehören in der Siedlung zusammen und der Gemeinschaftssinn wird dort groß geschrieben. „Wir sind wie ein Dorf in der Stadt“, schwärmt Helmut Knotter, Ehemann von Ingeborg und stellvertretender Vorsitzender im Siedlerverein. „Ich bin ein Mensch, der noch nie umgezogen ist“, erzählt Knotter, der 1954 in der Siedlung geboren wurde. Seine Eltern kamen 1952 aus dem Egerland.

Seine Frau Ingeborg ist ebenfalls in der Stiftung geboren. Dort wuchsen beide auf und gingen in den Kindergarten. Sie haben später geheiratet, Kinder bekommen und sind bereits Großeltern. Kinder und Enkelkinder leben ein paar Häuser weiter. Das ist keine Seltenheit hier im Norden Gersthofens. Karl Zeisberger – Ingeborgs Cousin – kam 1954 erstmals aus dem Sudetenland zu Besuch. 1959 baute er im dritten Bauabschnitt, bei dem Tierhaltung Pflicht war, denn es sollte ursprünglich eine Nebenerwerbssiedlung werden. Vorsitzender Michael Köbler berichtet, dass es früher in der Siedlung alles gab, was man zum Leben benötigte. Eine Bankfiliale, einen Bäcker, einen Metzger, die Selbstversorger mit ihren Beeten, Schweinen, Hühnern, Obstbäumen und nicht zu vergessen den Kindergarten. Übrig geblieben sind der Bäcker und der Kindergarten. Man trifft sich zu den Festlichkeiten, ehrt beim Altmitgliedernachmittag die, die einst ihre Häuser übergeben haben und man ist stolz auf den Maibaum, der eine wahre Rarität ist. Denn die Wappen am Maibaum zeigen die Orte, aus denen die Heimatvertriebenen ursprünglich stammen.

Die rund 1000 Einwohner sind eine Gemeinschaft, wie man sie heute selten sieht und rund die Hälfte haben ihre Wurzeln im Sudetenland. Josef Ottopal, heutiger Ehrenvorsitzender und einst 20 Jahre Vorsitzender, sieht die Besonderheit darin begründet, dass 1952 alle zusammenhalfen. „Man baute gemeinsam die Häuser, ohne zu wissen, welches Haus einem mal zugeteilt wird, denn die Häuser des ersten und zweiten Bauabschnittes wurden verlost“, berichtet Ottopal. Nachbarschaftshilfe und Gemeinschaftssinn sind dort einfach eine Selbstverständlichkeit; man kennt sich und grüßt freundlich. Die öffentlichen Plätze sowie die Blumen werden ehrenamtlich gegen einen Obolus der Stadt Gersthofen gepflegt.

Ottopal hat, wie Knotter auch, seine Frau Eleonore in der Siedlung kennen gelernt. Der Sohn und die Enkelkinder wohnen mit in der Siedlung. „Die Jungen, die einst aufgrund der strengen Bauvorschriften wegzogen, kommen nun aufgrund der Änderung der Vorschriften alle wieder zurück“, freut sich Ottopal. So wird aus den Erzählungen der Anwohner schnell ersichtlich, dass die Entstehungsgeschichte der Stiftersiedlung, die im vergangenen Jahr ihr 60. Jubiläum feierte, in engem Zusammenhang mit dem Wohlfühlfaktor und der Einzigartigkeit der Gemeinschaft steht.

Eine Siedlung, die von Herzlichkeit, Freundlichkeit und Tradition geprägt ist, aber auch von Offenheit: Der aktuelle Vorsitzende Köbler ist kein Heimatvertriebener, sondern ein gebürtiger Schwabmünchener. So erinnert sich Köbler an seine ehemalige Nachbarin, die einst zu ihm sagte: „Auch wenn sie kein Heimatvertriebener sind, solange sie arbeiten, können sie gerne hier bleiben.“

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