Dienstag, 24. Mai 2016

02. März 2012 21:18 Uhr

Großlabor in Augsburg

Betrugsverdacht gegen Mediziner - Schaden soll 78 Millionen betragen

Nach jahrelangen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft den Augsburger Mediziner Bernd Schottdorf angeklagt. Der Schaden soll bei 78 Millionen Euro liegen. Von Peter Richter

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Im Jahr 2008 gab es eine große Durchsuchung im Augsburger Großlabor Schottdorf. Nach jahrelangen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Bernd Schottdorf und seiner Frau eine Anklage zugestellt.
Foto: Kaya

Seit mehr als 20 Jahren ermitteln Staatsanwälte gegen den Augsburger Labormediziner Bernd Schottdorf. Bisher ließ sich der Verdacht des Abrechnungsbetrugs nie erhärten. Der 72-Jährige hat an seinem Firmensitz, einer früheren Schuhfabrik im Augsburger Stadtteil Oberhausen, im Laufe der Jahrzehnte die angeblich größte Laborgruppe Europas aufgebaut.

In dieser Woche hat die Augsburger Staatsanwaltschaft dem Unternehmer erneut eine Anklage zugestellt. Dies bestätigte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai unserer Zeitung. Die Geschäftsführer Bernd Schottdorf und seine Frau Gabriele, 58, werden des gewerbsmäßigen Betrugs beschuldigt. Die Staatsanwaltschaft gibt den Schaden mit 78 Millionen Euro an.

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Das Labor Schottdorf soll in den Jahren 2004 bis 2008 Aufträge an auswärtige Laborärzte vergeben haben, die zwar offiziell als selbstständige Labormediziner auftraten, aber in Wahrheit in einem abhängigen Arbeitsverhältnis gestanden haben sollen. Ihnen verschafften die Aufträge mehr Auslastung. Der Laborunternehmer soll profitiert haben, indem er laut Anklage auf diese Weise den gesetzlichen Honorarrahmen hat sprengen können.

Der jetzigen Anklage waren jahrelange Ermittlungen einer Sonderkommission „Labor“ des Landeskriminalamtes vorausgegangen. Zunächst ermittelten die Fahnder auch wegen des Verdachts auf Bestechung. Im September 2006 und noch einmal im November 2008 rückten die Ermittler bei Schottdorf an. Sie durchsuchten Geschäftsräume von Ärzten in acht Bundesländern und das Jagdschloss Duttenstein im Kreis Heidenheim. Der vielfache Millionär, der auch einen eigenen Hubschrauber nutzt, hat es vor Jahren der Familie Thurn und Taxis abgekauft.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dem Unternehmer-Ehepaar nachweisen zu können, in Bochum, Hamburg und anderen Städten zehn „Außen-Labore“ betrieben zu haben. Auch dortige Mediziner machten jährlich Millionen-Umsätze. Gegenüber den Krankenkassen rechneten sie, wie es das Sozialrecht vorschreibt, als selbstständige Ärzte ab. Was sie jedoch nach Überzeugung der Ermittler nicht waren. Aus beschlagnahmten Verträgen und Kontoauszügen geht demnach hervor, dass sie regelmäßig wie Angestellte von Bernd Schottdorf bezahlt wurden. Gegen zehn Laborärzte läuft ein eigenes Strafverfahren.

Zwölf Millionen Euro soll der Laborarzt gescheffelt haben

Schottdorf soll dank der Außen-Labore etliche Millionen gescheffelt haben. Konkret ist in der Anklage von zwölf Millionen Euro die Rede. Dazu muss man wissen, dass seit Juli 1999 eine neue Vergütungsordnung in Kraft ist. Sie sieht Punkteabzüge und damit Abzüge beim Honorar vor, sobald Ärzte Ausgabengrenzen überschreiten. Schottdorf hätte laut Anklage korrekterweise die Untersuchungen in Bayern bei der Kassenärztlichen Vereinigung abrechnen müssen. Statt 78 Millionen hätte er dann wegen der gesetzlichen Ausgabengrenze nur 66 Millionen Euro an Honorar erhalten.

Die Anklage gegen das Unternehmer-Ehepaar ist beim Augsburger Landgericht bei einer Wirtschaftsstrafkammer angeklagt. Zum Prozess hat die Staatsanwaltschaft 27 Zeugen und zwei Sachverständige benannt. Ob das Verfahren noch in diesem Jahr stattfinden kann, ist fraglich. Klaus Leipold, einer der Anwälte des Ehepaars Schottdorf, wollte sich auf Anfrage nicht konkret zu den Vorwürfen äußern. Er wies daraufhin, dass das Verfahren noch nicht eröffnet ist, weil das Gericht die Anklage noch prüft.

Der auch unter Kollegen umstrittene Mediziner fühlt sich, wie er schon mehrfach in Interviews betont hat, von der Justiz zu Unrecht verfolgt. „Es wimmelt von Leuten, die mich hassen.“ 1992 stand er schon einmal wegen Betrugsverdachts vor Gericht. Es ging um 100 Millionen Mark. Gegen ein Bußgeld von 60 000 Mark wurde das Verfahren eingestellt. Acht Jahre später stand der Laborarzt wieder vor dem Landgericht. Nach 32 Prozesstagen sprachen ihn die Richter frei. Der damalige Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Er habe andere Laborärzte nur zum Schein beschäftigt, um damit mehr Leistungen höher abrechnen zu können.

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