Freitag, 22. September 2017

13. Dezember 2011 11:29 Uhr

Porträt

Der Filmfärber aus Hochzoll

Der 33-jährige Andreas Brückl ist einer von weltweit 100 Coloristen. Er wuchs in Augsburg auf und lebt heute in Istanbul Von Simon Karrer

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„Wenn ich auf Besuch bin, zieht es mich auch in die Maxstraße.“Andreas Brückl

Andreas Brückl freut sich auf das Schnitzel mit Pommes, das die Bedienung vor ihm abstellt. Denn in seinem neuen Wohnort Istanbul bekommt er nur selten deutsche Gerichte serviert. Der gebürtige Augsburger ist für seinen Beruf in die Türkei gezogen. Brückl ist Colorist. Er bearbeitet digital die Farben von Filmen und Werbespots. Brückl deutet auf den Schnitzelteller vor ihm, um seinen Beruf zu erklären: „In Hollywoodfilmen färbt man die Gesichter meist in Orangetönen und die Umgebung Cyanblau. Denn wenn man sich den Teller hier als Farbkreis vorstellt, wären diese Farben einander gegenüber. Das heißt, sie sind sogenannte Komplementärfarben und ergeben einen lebhaften Kontrast.“

Dieser Farbtrick in amerikanischen Filmen ist nur ein Beispiel für die Arbeit von Coloristen. Vor allem die Farben in Werbespots werden von ihnen am Computer nachbearbeitet. Von diesen oft freiberuflich arbeitenden Künstlern, gibt es ungefähr 100 Stück auf der Welt.

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„Es dauert eine Weile, bis man sich in der Branche einen Namen gemacht hat“, sagt Brückl. Er hat es geschafft. Auf die Frage nach dem Schlüssel zu seinem beruflichen Erfolg lächelt Brückl spitzbübisch. „Wenn man bereit ist, auch mal ein paar Nächte durchzuarbeiten, kann man alles lernen. Die meisten haben Angst, etwas nicht zu schaffen und versuchen es erst gar nicht.“ Er habe einfach immer weitergemacht und neue Dinge angepackt, statt darüber nachzudenken, ob er erfolgreich sein könnte.

Nach Schulbesuchen am Rudolf-Diesel-Gymnasium und der FOS absolvierte er ein technisches Volontariat bei rt.1 mobil media, danach war er fünf Jahre lang leitender Bild- und Sendetechniker bei einem Internetdienstleister. Parallel dazu belegte er einen Kurs in digitaler Filmbearbeitung. Anschließend arbeitete er zunächst als 3-D-Künstler und später als Colorist unter anderem für den Bayerischen Rundfunk.

Mit wachsender Erfahrung stieg die Zahl internationaler Arbeitsangebote, und in diesem Jahr zog Brückl nach Istanbul. Hauptsächlich bearbeitet er Werbespots. In der Türkei ist der Werbemarkt sehr viel größer als in Deutschland. „Der Colorist sorgt zum Beispiel dafür, dass der Mantel des Coca-Cola-Weihnachtsmanns immer im gleichen Rot leuchtet“, erklärt Brückl. Auch an einigen Fernseh- und Kinofilmen hat er bereits mitgearbeitet, etwa an Bully Herbigs „Lissi und der wilde Kaiser“, der bayerischen Seifenoper „Dahoam is da-hoam“ und dem „Bullen von Tölz“.

Doch um in seinem Beruf erfolgreich zu sein, reichen Disziplin und Ambitionen allein nicht aus. Wer als Colorist arbeiten will, braucht vor allem eines: einen sehr genauen Blick für Farben. Brückls Augen wandern kurz suchend über den Tisch, dann schiebt er den Salzstreuer in die Mitte und stellt eine der Kerzen daneben. „An einigen Stellen nimmt das Salz aufgrund des Kerzenlichts unterschiedliche gelbliche Färbung an“, sagt er und fährt mit dem Finger an den Schichten entlang, die sich nur nuancenartig voneinander abheben.

Solche Unterschiede müsse er erkennen können. Sein Arbeitsplatz ist dabei der Beleuchtung eines Kinosaals angepasst. Die Lichtverhältnisse orientieren sich an der sogenannten „Blauen Stunde“, die die Himmelsfärbung zwischen Dunkelheit und Sonnenauf- beziehungsweise Sonnenuntergang bezeichnet. In solch einer Atmosphäre könne sich die Farbwahrnehmung auf Dauer allerdings verfälschen. „Jede Stunde gehe ich deshalb für zehn Minuten ans Tageslicht, um meine Augen neu einzustellen“, verrät Brückl sein Gegenmittel. Neben der Tätigkeit als Colorist ist Brückl als Dozent tätig. Er unterrichtet unter anderem an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Außerdem hat er sich mit anderen Profis aus den Bereichen 3-D-Design und Colorierung zusammengeschlossen und eine Akademie gegründet, die Kurse anbietet.

Wenn er doziert, dann bleibt auch meist Zeit für einen Abstecher nach Augsburg: Etwa alle drei Monate besucht er seine Familie und Freunde. „Ich bin hier sehr verwurzelt. Mein Opa hatte einen Automatenhandel in Augsburg, meine Mutter betreibt seit 30 Jahren einen Lotto-Toto-Laden in der Zugspitzstraße“, sagt der ehemalige Hochzoller. Und auch Andreas Brückl ist kein Unbekannter. „Wenn ich auf Besuch bin, zieht es mich auch in die Maxstraße. Ich kenne dort sehr viele Türsteher und Barkeeper und bin bei jedem Besuch im Flair City.“ Und im Sommer sei ein Ausflug an den Kuhsee Pflicht. Die Zeit dafür ist allerdings knapp. Brückl hat viele Projekte und Ideen. Derzeit schreibt er gerade an einem Buch, in dem er aufzeigen will, wie in Filmen durch Licht, Kontraste und digitale Nachbearbeitung bestimmte Stimmungen erzeugt werden. Und was kommt dann? Zunächst wolle er noch ein paar Jahre in Istanbul bleiben. Brückl: „Früher oder später will ich aber nach Hollywood.“

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