Sonntag, 26. März 2017

16. Dezember 2013 13:58 Uhr

Der tragische Tod eines Radlers

 55-Jähriger wurde von rechts abbiegendem Laster überrollt. Das Gericht gibt dem Brummilenker die Schuld Von Klaus Utzni

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Immer wieder sind Radfahrer in Unfälle verwickelt. Vor einem Jahr wurde ein Radfahrer von einem Lkw in der Friedberger Straße überrollt und dabei getötet.
Foto: Symbolbild: Archiv

Jeder Radfahrer hat dieses Horror-Szenario wohl im Hinterkopf gespeichert: Er fährt bei Grünlicht auf dem separaten Radweg über eine Kreuzung. Dann übersieht ihn ein Lkw-Fahrer beim Abbiegen. Es kommt zum Zusammenstoß. So geschehen am 22. November 2012 in der Friedberger Straße. Ein Radler, 55, wird von einem 18-Tonnen-Lastwagen überrollt und getötet. In einem Prozess gegen den Brummilenker wurde das Unfallgeschehen bis ins kleinste Detail seziert. Die Kernfrage: Hätte der Lkw-Fahrer das tragische Unglück verhindern können?

Ein Gutachter rekonstruierte das Unglück

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Der Angeklagte, 60, (Verteidiger: Franz Paul) schwieg. Da eine einzige Zeugin lediglich den unmittelbaren Zusammenprall gesehen hatte, rekonstruierte der technische Gutachter Thomas Komm anhand von Spuren und einer Computersimulation das Unfallgeschehen in seiner wahrscheinlichsten Version mit den für den Lkw-Fahrer ungünstigsten Sichtverhältnissen.

Danach hatte der Öllaster in Höhe der Einmündung der Hochzoller Straße bei Ampelrot auf der Rechtsabbiegespur angehalten. Auch der Radler stoppte auf dem Radweg rechts neben dem Lastkraftwagen. Bei Grünlicht fuhren offenbar beide zur selben Zeit los, stets mit derselben Geschwindigkeit bis etwa 15 Stundenkilometern. Dies führte dazu, so der Gutachter, dass der Radfahrer sich parallel genau im Sichtschatten des Lkw bewegte und, wenn überhaupt, nur im Grenzbereich zu erkennen war. Nach einer Fahrtstrecke von neun Metern bog der Lkw-Fahrer in einem Zug ab, der Brummi erfasste den Radler, zog ihn unter das rechte Vorderrad und überrollte ihn. Das Opfer hatte keine Überlebenschance, da die Bauchschlagader gerissen war, sodass der Mann verblutete.

Die Ansicht der Verteidigung, dass der Unfall für den Angeklagten unvermeidbar war, teilte Amtsrichter Matthias Ernst nicht. Er verwies auf die obergerichtliche Rechtsprechung. Danach muss ein Lkw-Fahrer, wenn er vor einer Ampel steht und rechts abbiegen will, stets das Geschehen hinter seinem Fahrzeug im Rückspiegel im Blick haben. Oder er muss beim Abbiegen halten und sich überzeugen, dass die Straße frei ist.

Und eben dies hätte der Angeklagte tun müssen, hieß es am Ende vor Gericht. „Deshalb wäre der tragische Unfall vermeidbar gewesen“, sagte Richter Ernst und verurteilte den Lastwagenfahrer wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 4400 Euro (110 Tagessätze zu je 40 Euro).

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