Samstag, 25. Oktober 2014

19. Februar 2013 07:34 Uhr

Augsburg

Erbschaftsstreit: Mann wirft Halbschwester Stasi-Arbeit vor

Ein 63-Jähriger bezichtigte bei einem Erbschaftsstreit seine Halbschwester, Auslandsagentin des DDR-Geheimdienstes gewesen zu sein. Von Klaus Utzni

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Fast ein viertel Jahrhundert nach der Wiedervereinigung gibt es immer noch offene Wunden im zwischenmenschlichen deutsch-deutschen Verhältnis.

Ein Erbschaftsstreit zwischen einem 63-Jährigen und seiner aus dem ehemaligen Ostberlin stammenden Halbschwester beschäftigte die Augsburger Justiz – mit einer Exkursion in die politische DDR-Vergangenheit.

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Stiefschwester forderte Auskunft über das Erbe

Die Frau, 73, hatte ihren Stiefbruder vor der 9. Zivilkammer des Landgerichts verklagt. Ihre Forderung: Er müsse Auskunft geben über das Erbe, das der im Jahre 2006 gestorbene gemeinsame Vater hinterlassen habe.

Sie, so behauptete die Frau, sei die Tochter des Erblassers aus erster Ehe und damit ebenfalls erbberechtigt. Dies bestritt der 63-Jährige jedoch mit großer Vehemenz. In einem von seinem Anwalt im Zivilprozess eingereichten Schriftsatz erhob er seinerseits heftige Vorwürfe: Die Klägerin sei in Wahrheit gar nicht seine Halbschwester. Sie sei zu DDR-Zeiten Auslandsagentin der Stasi gewesen, habe sich zu der damaligen Zeit eine falsche Identität zugelegt und wolle sich jetzt das Erbe erschleichen und damit bereichern.

Die 73-Jährige schoss zurück. Sie zeigte ihren Stiefbruder wegen übler Nachrede an. Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelte und startete eine Anfrage bei der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin, wo 111 laufende Kilometer Akten des ehemaligen DDR-Geheimdienstes archiviert sind. Die Recherche war erfolgreich.

Zu einer Geldstrafe verurteilt

Die Antwort war eindeutig: Über die 73-Jährige lägen keinerlei Erkenntnisse auf eine Stasi-Vergangenheit vor.

Damit war für die Staatsanwaltschaft klar: Die Vorwürfe des 63-Jährigen erfüllten den Tatbestand der üblen Nachrede. Im Prozess vor Amtsrichterin Elke Bethge lenkte der Angeklagte erst nach längerer Diskussion ein. Er wurde auf Antrag von Staatsanwältin Christina Dumler zu einer Geldstrafe von 750 Euro (30 Tagessätze zu je 25 Euro) verurteilt.

Geburtsurkunde als echt anerkannt

Auch am Ende des Erbschaftsprozesses stand er als Verlierer da. Die Zivilkammer urteilte, die Frau sei die Tochter des Erblassers aus erster Ehe.

Eine vorgelegte Geburtsurkunde sei echt, außerdem sei die Frau auf einem Foto zusammen mit ihrem Vater zu sehen. Um wie viel Geld es letztlich gehe, wurde nicht erwähnt. Wie hoch das gemeinsame Erbe ist, um das gestritten wird, ist der Justiz bislang nicht bekannt.

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