Sonntag, 21. Januar 2018

09. Juni 2011 00:09 Uhr

Wissenschaftspreis

Keine Bindestrich-Deutsche

Kien Nghi Ha und Darja Klingenberg für interkulturelle Studien ausgezeichnet Von Nina Schleifer

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Beide haben sie einen Migrationshintergrund und beide sind sie für ihre Forschungsarbeiten mit dem Augsburger Wissenschaftspreises für interkulturelle Studien ausgezeichnet worden. Dennoch wollen sich Kien Nghi Ha und Darja Klingenberg nicht in Migrations-Schubladen sehen. „Ich bin keine Bindestrich-Deutsche, ich will mich in kein Label zwängen“, sagte Klingenberg am Rande der Verleihung. Die 29-Jährige bekam den Förderpreis verliehen. Mit dem mit 5000 Euro dotierten Wissenschaftpreis wurde Kien Nghi Ha ausgezeichnet. Er befasst sich mit kultureller Hybridität – also der Vermischung der Kulturen. Auch der 39-Jährige steht einer kulturellen Kategorisierung nach Nationen kritisch gegenüber.

Der Augsburger Wissenschaftspreis wurde zum siebten Mal verliehen. Das Forum Interkulturelles Leben und Lernen (FILL) schreibt gemeinsam mit der Universität Augsburg und der Stadt Augsburg den Preis aus. Sowohl Has Doktorarbeit „In the Mix. Postkoloniale Streifzüge durch die Kulturgeschichte der Hybridität“ als auch Klingenbergs Magisterarbeit „Humor in der Migration. Phänomen der Grenzüberschreitung. Zur Funktion und Bedeutung humoristischer Narrative in Alltagskommunikation von Migrantinnen“ begeisterte die Jury aufgrund der vielschichtigen und durchaus kritischen Widerspiegelung des Themas.

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Seit drei Jahren werden auch Magister- und Diplomarbeiten für den Förderpreis berücksichtigt. Diese Veränderung habe zu einer weiteren Förderung interkultureller Studien geführt, betonte Eckhard Nagel, Vorsitzender der Jury.

Ob verschiedene Kulturen künftig nebeneinander leben oder ein Miteinander auf Augenhöhe gelingt, fragte Nagel in seiner Laudatio. Ha zeigte sich in seiner Dankesrede erfreut über die symbolische Offenheit und Bereitschaft der Jury, sich auch kritisch mit interkulturellen Aspekten auseinanderzusetzen.

Wegbewegen von der Vorstellung einer nationalen statischen Kultur

Auf dem Weg zu einer hybriden Gesellschaft wäre es laut Kien Nghi Ha nötig, den vorherrschenden Kulturbegriff zu dekonstruieren – und völlig neu aufzubauen. In der von Angela Bachmair, Kulturredakteurin der Augsburger Allgemeinen, moderierten Podiumsdiskussion betonte Ha: „Wir sollten uns wegbewegen von der Vorstellung einer nationalen, statischen Kultur und nicht nach Nationalität oder Migrationshintergrund fragen, sondern Menschen mit individuellem kulturellem Hintergrund wahrnehmen.“

So waren sich die Teilnehmer der Diskussion einig, dass nach wie vor eine starke Anti-Hybrid-Haltung herrsche. Die Vermischung von Kulturen oder Rassen sei eher negativ behaftet. Von negativen Erfahrungen diesbezüglich zeugt die ausgezeichnete Arbeit von Darja Klingenberg. Durch Alltagsbeobachtungen erkannte sie, dass Migrantinnen ihre schmerzlichen Erfahrungen gerne in witzige Anekdoten verwandeln: „Humor dient hier als Rahmen, um die eigene Situation zu analysieren.“ Klingenberg wurde selbst in der ehemaligen UdSSR geboren. Sie sieht es als großen Vorteil an, dass sie mehrere Sprachen perfekt spricht. „Wahrscheinlich habe ich dadurch ein besonderes Gefühl und ein anderes Interesse für solche Themen.“

Ha wünscht sich eine Weltoffenheit, ein „universales inklusives Modell von Zugehörigkeit“. Seine Familie lebt dieses Modell: Has Frau hat deutsche, niederländische und indonesische Wurzeln, er selbst einen chinesisch-vietnamesischen Hintergrund, Deutsch ist seine Muttersprache. Und die Kinder? „Die sind waschechte Berliner.“

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