Sonntag, 20. August 2017

03. Juli 2017 14:39 Uhr

Augsburg

Lösung in Sicht? Das sind die neuen Ideen für den Fünffingerlesturm

Romantische Beleuchtung, spannende Ausstellungskonzepte: Die Altaugsburggesellschaft will das Baujuwel an der Jakobermauer in Szene setzen. Doch es gibt einen Haken. Von Eva Maria Knab

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Im Juni gab es einen Test: Der Fünffingerlesturm am Stadtgraben leuchtete in Blau und Rot – den Farben eines schönen Sommerabends in Augsburg. Mit der nächtlichen Beleuchtungsprobe wollte die Altaugsburggesellschaft herausfinden, wie das Umfeld an der Jakobermauer noch romantischer werden könnte. „Städte wie Rosenheim oder Brixen machen es vor, wie man die Altstadt stimmungsvoll beleuchten kann“, sagt Sebastian Berz vom Vereinsvorstand. Er hat viele Ideen, wie man den schönen, aber kaum beachteten Turm besser in Szene setzen und angemessen nutzen könnte – wäre nur erst einmal jahrelange Streit um die moderne Zugangstreppe beendet.

Der Fünfgratturm, oder Fünffingerlesturm, wie er im Volksmund heißt, sei nicht einfach irgendein Augsburger Baudenkmal,sagt Berz. Auch die Geschichte des Gebäudes birgt noch Geheimnisse, denen die Altaugsburggesellschaft nun zusammen mit Fachleuten nachspüren will. Beispielsweise will man herausfinden, ob der Wehrturm älter ist als bisher angenommen. „Die Bauzeit 1454 ist nicht eindeutig belegt“, sagt Berz mit Blick auf die Gassersche Stadtchronik. Rätselhaft sei auch, warum der einstige Wehrturm im Mittelalter so pittoresk und architektonisch aufwendig gestaltet wurde. Hatte er früher vielleicht noch andere Zwecke, als die Stadt zu schützen? Burgenforscher Joachim Zeune, der das Baudenkmal vor einigen Jahren schon einmal untersucht hat, soll seine Nachforschungen weiter vertiefen.

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Klar ist für den Burgenforscher bereits: Der Fünfgratturm war in der früheren Augsburger Stadtbefestigung ein bedeutendes Bauwerk. Er war früher mit einem wuchtigen Fallgitter versehen und wurde mit Schießscharten und Schießfenstern gebaut, um die Stadt vor Feinden zu verteidigen. Der Fünfgrattrum war früher auch einer von vielen Türmen, die an der Augsburger Stadtmauer standen. Viele wurden aber im Laufe der Zeit abgebrochen. Überhaupt ist von der einstigen Befestigungsanlage nicht mehr sehr viel zu sehen. Und dennoch spielen die Reste der historischen Wallanlagen bis heute eine ganz wichtige Rolle in Augsburg.

„Allein die Grünflächen der historischen Wallanlagen sind 21 Hektar groß und damit so groß wie der Wittelsbacher Park“, sagt Berz. Im Bereich der alten Grünanlagen gibt es viele verschiedenene moderne Nutzungen: Berz nennt beispielsweise das Eisstadion nahe der Stadtmauer oder die museale Nutzung der historischen Wassertürme am Roten Tor, aber auch das Freizeitangebot in der Kahnfahrt. Nach seiner Einschätzung könnte der Fünfgratturm ein weiterer Anziehungspunkt der historischen Stadtbefestigung werden, und zwar dann, wenn dort eine kleine Ausstellung Besucher ins mittelalterliche Augsburg zurückversetzt.

Infotafeln im Turm gibt es bereits. Dort könnte man auch den originalen Dachstuhl mit mächtigen Holzbalken oder eine historische Wandmalerei bewundern, die eine Basilika zeigt. Die Substanz des Freskos wurde von einem Restaurator 2011 aufgefrischt. Es sei eine Rettungsaktion in letzter Minute gewesen, heißt es bei der Altaugsburggesellschaft, auf deren Initiative die Malerei erhalten wurde. Berz ist darüber hinaus überzeugt, dass sich im Fünffingerlesturm mit dem Einsatz moderner Medien viele spannende Geschichten aus der Augsburger Geschichte und Gegenwart erzählen ließen.

Wie geht es mit dem Fünfgratturm weiter?

Mit einer speziellen Stimmungsbeleuchtung könnte man aus seiner Sicht auch das historische Stadtbild besser in Szene setzen. Für Fußgänger werde damit eine beleuchtete Verbindung zwischen der Innenstadt und den Stadtteilen geschaffen. Letztendlich könnte dieses Konzept auch ein Vorbild für andere Bereiche der Augsburger Wallanlagen sein, ist Berz überzeugt.

Das Problem ist nur: Bislang lassen sich alle diese Ideen nicht umsetzen. Erst einmal bräuchten Besucher einen neuen Zugang zum Fünfgratturm. Denn die Treppen im Inneren des alten Wehrturms beginnen ab dem zweiten Stock. Das hat einen historischen Hintergrund. Früher konnte man den Fünffingerlesturm über die Stadtmauer betreten. Die ist in an dieser Stelle aber längst verschwunden. Und wegen des ungelösten Streits um die neue Zugangstreppe ist die weitere Entwicklung des Baudenkmals blockiert.

Diesen jahrelangen Treppenstreit zwischen der Stadt und der Altaugsburggesellschaft will Berz nun endlich juristisch bereinigt sehen. Drei Varianten seien in der Diskussion: Entweder wird die neue Treppe nach der ursprünglichen Plänen fertiggebaut. Oder der neue Zugang wird in Richtung Stadtgraben verlegt. Die dritte Variante sei, den umstrittenen neuen Zugang nicht fertig zu bauen. Dann könne der Turm aber nicht zum Ausstellungsgebäude werden. Im Mai 2008 hatte es einen Baustopp der Treppe gegeben. Begründung: das Grundstück sei zu klein und die Treppe würde auf den Gehweg reichen. Im April 2014 schloss die neue Stadtregierung von CSU, SPD und GRÜNEN einen Umbau des Fünffingerlesturms im Sinne der Altaugsburggesellschaft in ihrem Koalitionsvertrag aus. Damit wurde einer Zugänglichkeit des Turms für die Öffentlichkeit eine Absage erteilt.

Berz spricht sich nun dafür aus, die laufende juristische Auseinandersetzung um den Fünffingerelsturm im Zuge des neuen Entwicklungskonzeptes für die Stadtmauer zu beenden. Er sagt: „Wir sind auf einem guten Weg zur Einigung.“

Lesen Sie dazu auch: Warum die Diskussion um den Augsburger Fünffingerlesturm nervt

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