Dienstag, 28. März 2017

26. März 2013 00:33 Uhr

Heimat

Stadt, Bach, Fluss

Was fließt wo? Eine neue Entdeckungstour zu Augsburgs Bächen und Kanälen. Landschaftspflege startet bundesweit prämiertes Projekt Von Eva Maria Knab

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Warum flossen manche Bäche früher bunt? Und weshalb gibt es im Siebentischwald einen „Galgenablass“? Diesen und vielen anderen Fragen kann man auf einer neuen Entdeckungstour durch Augsburg nachgehen. Sie führt entlang der Stadtbäche und Kanäle. Einen Tourenführer hat der Landschaftspflegeverband entwickelt. Er startet damit sein Projekt „Wasser leben, Natur in Augsburg“. Das Konzept wurde 2012 mit dem Deutschen Naturschutzpreis ausgezeichnet.

Zwar prägt Wasser seit Jahrhunderten das Augsburger Stadtbild. Angeblich gibt es hier mehr Brücken als in Venedig. „Unsere Erfahrung ist aber, dass man oft nicht weiß, über welchen Bach oder Kanal man gerade läuft“, sagt Nicolas Liebig, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes. Denn das Netz der kleinen Wasseradern ist lang und verzweigt. Es misst insgesamt 135 Kilometer.

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Bach ist auch nicht gleich Bach, sagt Liebig. „In Augsburg gibt es zwei komplett unterschiedliche Typen.“ Da sind zum einen die Bäche aus Menschenhand – die Lechkanäle. Sie werden mit dem Wasser gespeist, das heute an der Staustufe 22 und am Hochablass aus dem Fluss ausgeleitet wird. In früheren Jahrhunderten dienten Kanäle dazu, den Stadtgraben als Verteidigungsanlage mit Wasser zu versorgen. Später nutzte man sie, um Mühlen zu betreiben oder Waren zu transportieren. „Auch die Abfallentsorgung lief früher über die Lechkanäle.“

Abwasser färbte einst den Siebenbrunner Bach bunt

Ein Paradebeispiel ist für ihn der Siebenbrunner Bach, der durch den Siebentischwald fließt. Der Kanal lieferte einst Wasserkraft für eine Weberei, die im 19. Jahrhundert im damaligen Siebenbrunner „Unterdorf“ gebaut wurde. Damals wussten die Anwohner immer genau, wenn in der Weberei Stoffe gefärbt wurden, erzählt Liebig. Das Abwasser färbte den Bach bunt.

Nicht nur in Siebenbrunn lässt sich am Kanal entlang Geschichte nacherleben. Ein weiterer spannender Platz ist auch der sogenannte Galgenablass im Siebentischwald. „Viele Leute vermuten hinter dem Namen eine alte Richtstätte“, sagt Liebig. Der Hintergrund des Namens sei aber eher trivial. „Die Bachregulierung an dieser Stelle hing an einer galgenähnlichen Konstruktion.“ Lechwasser war früher schon zu schmutzig für Trinkwasser. Deshalb findet man in Augsburg einen zweiten Typus von Bach – die Quellbäche, im Volksmund „Gießer“. Das glasklare Quellwasser aus den Lechauen diente über Jahrhunderte hinweg der Trinkwasserversorgung. Der Verlauf dieser Quellbäche wurde oft künstlich geändert, um Verteilerpunkte zu bedienen. Ein Beispiel ist der Brunnenbach im Stadtwald. Wasserbauer leiteten ihn zu den Wassertürmen am Roten Tor. Von dort versorgte man die Augsburger Bevölkerung bis 1879 mit Trinkwasser. Auch die Prachtbrunnen im Zentrum wurden früher aus dem Brunnenbach gespeist. Ein Hinweis findet sich bis heute am Augustusbrunnen auf dem Rathausplatz. Dort steht neben den Wassergottheiten für die Flüsse Lech, Wertach und Singold auch eine Figur für den Brunnenbach.

Bis heute ist der Quellbach glasklar geblieben. Man findet dort noch selten gewordene Tier- und Pflanzenarten – beispielsweise die blau schillernde Prachtlibelle, deren Larven sauberes, sauerstoffreiches Wasser brauchen. Auch die Mühlkoppe, ein Fisch, der wie ein kleiner Drachen aussieht, fühlt sich dort wohl. Die Art ist inzwischen europaweit geschützt.

Natur, Geschichte und Kultur soll auch das Projekt des Landschaftspflegeverbandes zusammenbringen. Augsburg bewirbt sich derzeit mit dem Thema Wasser für das Unesco-Welterbe. „Wir unterstützen die Bewerbung und wollen zusätzlich Aspekte der biologischen Vielfalt in den Vordergrund rücken“, sagt Liebig. Für die Menschen soll „Wasser leben“ aber auch einen praktischen Nutzen haben. Eine Broschüre mit Informationen zu den heimischen Bächen und Kanälen ist gerade erschienen.

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