Montag, 11. Dezember 2017

24. Februar 2015 00:32 Uhr

Kulturelles Erbe

Vorbereitet auf die Katastrophe

Augsburgs Archive und historische Bibliotheken schließen sich zum bayernweit ersten Notfallverbund zusammen. Bei Bränden oder Unwetter bietet er Hilfe Von Eva Maria Knab

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Beim Einsturz des Historischen Archivs in Köln im Jahr 2009 wurden 90 Prozent des Archivguts verschüttet. In den folgenden Monaten konnte ein Großteil der Bestände geborgen werden. Nasses oder angeschimmeltes Archivgut wurde verpackt und in Kühlhäusern gefriergetrocknet, um weitere Feuchtigkeitsschäden zu verhindern. Das verpackte Archivgut war zeitweise auf bis zu 20 „Asylarchive“ in ganz Deutschland verteilt. Unser Bild zeigt ein Dokument bei der Säuberung.
Foto: Oliver Berg/ dpa

Es war eine Katastrophe, die damals über alle Nachrichtenkanäle lief: Am Abend des 2. September 2004 bricht in Weimar im Historischen Gebäude der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek ein verheerendes Feuer aus. Es entwickelt sich zum größten Bibliotheksbrand in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. In der Brandnacht und an den Folgetagen müssen mehr als neunhundert Helfer Zehntausende Bücher und Kunstwerke aus dem Gebäude evakuieren und aus dem Brandschutt bergen.

Kulturgüter von unschätzbarem Wert sind auch im vergleichsweise sicheren Deutschland immer wieder in Gefahr. „Es gab in den vergangenen Jahren mehrere aufsehenerregende Fälle“, erinnert Werner Lengger, Leiter des Augsburger Universitätsarchivs: Fälle von verheerenden Ausmaßen, die sich vorher niemand vorstellen konnte. Nach dem Brand in der Weimarer Bibliothek war der Einsturz des Stadtarchivs in Köln eine weitere Katastrophe. Am 3. März 2009 stürzte der Gebäudekomplex des Archivs samt zweier benachbarter Wohngebäude ein. Dabei wurden zwei Personen getötet und rund 90 Prozent des Archivguts verschüttet. Auch große Hochwasser richten immer wieder erhebliche Schäden in Museen und anderen Kultureinrichtungen an, etwa an der Elbe.

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„Sehr viele Institutionen sind inzwischen sensibilisiert für Gefährdungen“, sagt Lengger. In Deutschland seien über 20 Notfallverbünde gegründet worden, um für den Ernstfall besser gerüstet zu sein.

Der bayernweit erste Verbund dieser Art wird in Kürze in Augsburg starten. Teilnehmer werden insgesamt zehn Institutionen mit besonders wertvollen historischen Beständen sein, die im Fall eines Verlustes nicht mehr wiederbeschafft werden können. „Die Initiative ist von den Archiven ausgegangen“, sagt Lengger, Vorsitzender der Arbeitsgruppe des Notfallverbundes. Mit dabei sind aber nicht nur Stadtarchiv, Staatsarchiv, Bistumsarchiv und Universitätsarchiv. Auch andere Kultureinrichtungen wurden ins Boot geholt, darunter die Stadt- und Staatsbibliothek sowie die Universitätsbibliothek mit ihrem Teilbereich der besonders wertvollen historischen Sammlungen. Legger zufolge wurde im Vorfeld auch lange darum gerungen, dass sich die Städtischen Kunstsammlungen am Notfallverbund beteiligen. Vorerst wird aus diesem Bereich aber nur die Stadtarchäologie mitmachen.

Vorgesehen ist, dass sich die Mitglieder des Notfallverbundes im Ernstfall gegenseitig beistehen. In jedem der beteiligten Häuser gibt es eine eigene Notfallgruppe. Bei Bedarf können diese Helfer parallel zur Feuerwehr alarmiert werden. Die Fachleute beteiligen sich dann an der Bergung gefährdeter Kulturgüter. Und sie stellen Auslagerungsorte für solche Bestände zur Verfügung, soweit möglich. Das ist der Plan.

Ein ganz wichtiges Thema im Notfallverbund soll aber auch die Vorsorge sein. Bei gemeinsamen Begehungen in den Häusern will man vorab mögliche Schwachstellen ermitteln. Für jedes Gebäude wird eine Prioritätenliste erstellt, welche Bestände die Retter zuerst in Sicherheit bringen sollen. Gemeinsame Übungen mit der Feuerwehr sind geplant. „Augsburg hat eine fulminante historische Überlieferung“, sagt Reinhard Laube, Direktor der Staats- und Stadtbibliothek. Das bedeute, dass im Ernstfall sehr schnell gehandelt werden müsse. Um unwiederbringliches Kulturgut zu retten, seien neben den Einsatzkräften auch Fachkräfte und ein logistisches Konzept nötig.

Wie schnell der Notfall eintreten kann, hat sich auch in Augsburg schon gezeigt. Als im Juni 2013 ein schweres Unwetter über der Stadt niederging, lief im Universitätsarchiv der Keller voll. „Abends um 18 Uhr war ich der einsamste Mensch der Welt“, erinnert sich Lengger. Rund die Hälfte des Archivguts war von Feuchtigkeit bedroht, die Gefahr von Schimmel erheblich. Schnelle Hilfe bekam Lengger von Mitarbeitern des Stadtarchivs. Drei Tage lang mussten rund 700 Regalmeter Archivgut ausgeräumt werden. Danach musste das Material ein halbes Jahr in einem Ausweichquartier lagern. »Meinung

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