Mittwoch, 26. Juli 2017

22. April 2017 00:31 Uhr

Entdeckung

Wie kommt Ernst Jünger in Brechts Dramenentwurf?

Die Künstlerin Hella Buchner-Kopper arbeitet gerade an ihrer nächsten Ausstellung. In der Vorbereitung stieß sie auf eine rätselhafte literaturgeschichtliche Verbindung

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Die Künstlerin Hella Buchner- Kopper ist so an diese Sache herangegangen, wie sie immer an neue Projekte herangeht, sie hat sich mit dem Ort, mit den Gegebenheiten, mit dem Zusammenhang beschäftigt, in dem ihre Ausstellung stattfinden wird. Das ist nun im Mai das Brechthaus. Und da hat sich die Wahl-Augsburgerin auch genau angeschaut, welche Arbeiten die Stadt Augsburg jüngst aus dem Nachlass von Barbara Brecht-Schall erworben und ausgestellt hat. Darunter befinden sich auch Skizzen von Caspar Neher zu Brechts Dramenfragment „Der Wagen des Ares“ aus dem Jahr 1948. Und plötzlich wurde es kompliziert.

In dem Dramenfragment kehrt der Kriegsgott als Versehrter und mit leeren Händen heim. Auf einer Neher-Skizze entdeckte Buchner-Kopper eine rätselhafte Formulierung. Dort war von „Köppelsbleek“ die Rede. Und damit fing ihre Recherche an. Die Spur dieses Worts führte sie immer wieder zu Ernst Jüngers 1939 erschienenen Roman „Auf den Marmorklippen“. Dort ist Köppelsbleek ein gespenstischer Ort, eine Rodung im Wald, auf der Leichenteile liegen. Und dort in der Schinderhütte wird ein Mord- und Folterzentrum betrieben.

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Also las Buchner-Kopper sowohl Brechts Dramenfragment „Der Wagen des Ares“ als auch Jüngers „Auf den Marmorklippen“. Dort entdeckte die Künstlerin gegen Ende des Buchs noch eine weitere Parallele. In der Zeichnung ist auch von dem „Purpurmantel der Vernichtung“ die Rede, eine Formulierung, die Buchner-Kopper genauso in den Marmorklippen entdeckte. „Aber was hatten Bertolt Brecht, Caspar Neher und Ernst Jünger miteinander zu tun?“. „Im Dramenfragment von Brecht gibt es keine entsprechende Erwähnung“, sagt sie weiter.

Was hat es mit dieser Verbindung auf sich, wo sich Brecht und Jünger politisch, aber auch schriftstellerisch überhaupt nicht zusammenbringen lassen? Dem Augsburger Brechtforscher Jürgen Hillesheim ist nur eine Jünger-Erwähnung bekannt, datiert ebenfalls im Jahr 1948. Allerdings findet sich der Name in einer theoretischen Schrift, in der es auch darum geht, wie nun in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem umstrittenen Schriftsteller umgegangen werden soll. „Dort ist auch von den Marmorklippen die Rede“, sagt Hillesheim.

Auch Erdmut Wizisla, der Leiter des Berliner Brechtarchivs, bestätigt, dass Brecht die Werke Jüngers kannte. „Das ist keine Frage“, so Wizisla. Spuren gebe es aber wenige, in Brechts Nachlassbibliothek findet sich nur das Buch „Ein Inselfrühling“ von Ernst Jünger. Ob die Idee für das Jünger-Zitat auf der Skizze von Caspar Neher oder von Bertolt Brecht stammt, könne deshalb nicht eindeutig gesagt werden.

In der Ausstellung, die Buchner-Kopper für das Brechthaus gerade gestaltet, nimmt sie die Jünger Entdeckung in einer Collage auf, dort zeigt sie Brecht vor der Neher-Skizze mit Jüngers Buch in der Hand.

Unter dem Titel „Rückkehr“ zeigt Hella Buchner-Kopper vom 13. Mai bis zum 30. Juli Collagen, Masken und Figuren im Brechthaus

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Richard Mayr

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