Montag, 23. Oktober 2017

13. Oktober 2017 06:35 Uhr

Augsburg

Wird die Sanierung des Augsburger Theaters teurer?

Stadtrat Volker Schafitel macht eine Rechnung auf, nach der sich die aktuellen Kosten von 186 Millionen Euro verdoppeln könnten. Unabhängig davon gibt es wohl Probleme.

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Das Große Haus des Theaters (im Modell) muss saniert werden, zudem bekommt es Anbauten nach hinten und einen Orchesterprobensaal (links im Modell).
Foto: Silvio Wyszengrad

Die Stadt dürfte sich schwertun, den Kostenrahmen für die Theatersanierung von 186,3 Millionen Euro einzuhalten. Hintergrund sind die allgemein gestiegenen Baupreise. Die Planung geht – ausgehend von den Werten der vergangenen Jahre – von zwei Prozent Verteuerung jährlich aus. Angesichts des momentan brummenden Bausektors ist laut Statistischem Bundesamt aber in diesem Jahr ein Wert von 3,5 Prozent realistisch. Angesichts des auf zwei Millionen Euro zusammengeschmolzenen Kostenpuffers – das ist ein gutes Prozent des Gesamtinvests – ist absehbar, dass der Kostenrahmen nicht mehr einzuhalten ist.

Die Stadt bestätigt, dass die derzeitig höher als erwartete Baupreissteigerung fortgeschrieben werden müsse. Allerdings sei unklar, wie sich die Bau-Konjunktur in Zukunft entwickle. Das macht es in der Tat schwierig, Prognosen abzugeben. Im Gesamtprojekt, das bis Ende 2024 laufen wird, sind Steigerungen über das Jahr 2017 hinaus noch nicht einkalkuliert. Allerdings wird ein solches Großprojekt in einzelnen Schritten erledigt, die nacheinander abgerechnet werden. Die Baupreissteigerungen, die bis 2024 auflaufen (bei zwei Prozent jährlich wären das insgesamt 14 Prozent Verteuerung), fallen also nicht fürs ganze Projekt an. Die Arbeiten, die am Ende erledigt werden, sind wegen der Preissteigerungen im Verhältnis am teuersten, machen aber nicht mehr den Löwenanteil der Gesamtinvestition aus. Um möglichst günstig bauen zu können, will die Stadt ab 2018 möglichst frühzeitig möglichst viele Aufträge vergeben.

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Wie die Stadt im Falle eines Falles reagieren könnte

„Die Einhaltung des Kostenplans hat höchste Priorität und wird von der Verwaltung sehr ernsthaft und mit großer Gewissenhaftigkeit verfolgt“, betont Stadtsprecher Richard Goerlich auf Anfrage unserer Redaktion. Gleichwohl habe sich die Stadt Gedanken gemacht, wie man im Falle eines Falles reagieren würde. Während für die Sanierung des Großen Hauses die Weichen weitgehend gestellt sind, könnte es im zweiten Bauteil (Neubau für Werkstätten, Probenräume und Multifunktionssaal) noch zu Umplanungen kommen, sollten die Kosten davongaloppieren. „Plan B wäre nicht, etwaige Kostensteigerungen achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen und um Verständnis beim Bürger zu werben, sondern weitere Einsparpotenziale zu heben“, so Goerlich. Bauteil II müsste qualitativ anders gestaltet oder sogar verkleinert werden. Gleichwohl betont Goerlich, dass es sich bei Verteuerungsszenarien um „Spekulationen“ handle. Zu berücksichtigen ist, dass die Stadt etwaige Mehrkosten nicht alleine zu tragen hätte, sondern sich der Freistaat anteilig daran beteiligen würde; das Land übernimmt bislang mit 105 Millionen Euro mehr als die Hälfte der Kosten.

Unabhängig von allgemeinen Kostensteigerungen hält Stadtrat Volker Schafitel von den Freien Wählern den Kostenrahmen für nicht einhaltbar. Er verwies am Mittwoch in einer Pressekonferenz darauf, dass etliche andere deutsche Theater bei Sanierungen deutlich teurer abgeschnitten hätten als zunächst geplant. Ein Beispiel sei die Staatsoper „Unter den Linden“ in Berlin, wo statt 235  Millionen Euro am Ende 400 Millionen Euro gestanden hätten. In der Angelegenheit gab es dort sogar einen Untersuchungsausschuss. Aber auch bei anderen vergleichbaren Projekten wie in Köln seien die Kosten explodiert. „Der Kostenpuffer ist jetzt schon so gut wie weg. Dabei kommen die bösen Überraschungen doch erst, wenn man eine Decke öffnet“, so Schafitel. Die Stadt hält dem entgegen, das Große Haus so genau untersucht zu haben, dass kaum noch Risiken bestünden. Allerdings ist vom 22-Millionen-Kostenpuffer im Hinblick auf die gefundenen Erschwernisse kaum noch etwas übrig.

Vorwurf an die Stadt, die Kosten heruntergerechnet zu haben

Um Vergleiche zwischen anderen Städten und Augsburg zu ziehen, hat Architekt Schafitel ausgerechnet, was der Kubikmeter umbauter Raum am Augsburger Theater und in anderen Städten laut Planung kosten soll bzw. kosten sollte. Sein Ergebnis ist, dass die Augsburger Kosten im Vergleich auffallend niedrig seien. „Entweder waren alle anderen zu blöd, oder wir sind auf dem falschen Dampfer.“ Nach seiner Rechnung könnten sich die Kosten verdoppeln. Allerdings gesteht auch Schafitel zu, dass nicht jedes Theater vergleichbar ist und der Bauabschnitt II mit den Werkstätten nicht mit einem klassischen Theater vergleichbar ist. Dass die Kosten pro Quadratmeter im Bauteil II mit 2600 Euro aber mit denen von Wohnungsbau vergleichbar sind, mache ihn nachdenklich. „Ich glaube nicht, dass dieser Preis zu halten ist“, so Schafitel. Gleiches gelte fürs Große Haus, wo sich die Kosten für die Statik-Berechnung inzwischen auf 560.000 Euro verdoppelt haben. Dies lasse Rückschlüsse auf die Rohbaukosten zu.

Es sei dringend nötig, die Finanzierung zu überdenken. Indirekt warf Schafitel der Stadt vor, die Kosten heruntergerechnet zu haben. „Die wenigsten Projekte werden aus dem Stand heraus sauber kalkuliert, sondern es geht darum, an Zuschüsse zu kommen und Kostendeckel erst einmal einzuhalten.“

Die Theatersanierung war wegen der hohen Kosten und der Schuldenaufnahme (die Stadt zahlt bis ins Jahr 2037) umstritten. Ein Bürgerbegehren gegen die Neuverschuldung scheiterte. Nachträglich hat die Stadt einen externen Controller beauftragt, um die Kosten immer im Blick zu haben. Dies kostet 2,5 Millionen Euro. Eine Versicherung gegen eine Verteuerung hat die Stadt nicht abgeschlossen. Dafür müssen die Baupläne in ein digitales Modell umgerechnet werden. Aus der Kalkulation und der Zeitschiene wird das Risiko einer Verteuerung berechnet. Allerdings, so die Stadt, hätte dafür das Projekt mindestens um ein Jahr geschoben werden müssen. Zudem sei mit Mehrkosten zu rechnen gewesen.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Es gibt keine Reserven mehr.

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Stefan Krog

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