Sonntag, 23. November 2014

22. September 2011 17:42 Uhr

Rosenheim

Mutter klagt an: Polizist soll ihren Sohn verprügelt haben

Ein Polizeichef soll einen 15-Jährigen auf dem Rosenheimer Volksfest verprügelt haben. Diesen schweren Vorwurf erhebt die Mutter des Jungen. Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall. Von Kathrin Kratzer

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Ein leitender Beamter soll einen 15-Jährigen auf dem Rosenheimer Herbstfest verprügelt haben.
Foto: dpa/Symbolbild

Schwere Vorwürfe gegen die Polizei: Der Leiter der Polizeiinspektion Rosenheim soll einen 15-Jährigen auf dem Rosenheimer Herbstfest verprügelt haben. Wie die Staatsanwaltschaft Traunstein bestätigte, habe die Mutter des Jungen Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. "Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst", sagte Helmut Vordermayer, Leitender Oberstaatsanwalt in Traunstein, gegenüber AZ-Online. Die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen aufgenommen, der betroffene Beamte sei beurlaubt, so Vordermayer.

Kopf gegen die Wand geschlagen

Der Polizeichef wird von der Mutter beschuldigt, den 15-Jährigen mit Knietritten und Schlägen verletzt zu haben. Die Tat habe sich demnach am 3. September gegen 22 Uhr auf der Wiesn-Wache des Rosenheimer Volksfests ereignet. Wie die Mutter des Jungen dem Oberbayerischen Volksblatt erklärte, sei ihr Sohn an jenem Tag ohne eigenes Dazutun in eine Keilerei geraten und von einem uniformierten Polizisten "überwältigt, auf den Boden gedrückt und mit Handschellen gefesselt worden".

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Sie selbst habe gesehen, wie ihr Sohn anschließend abgeführt und auf die Wiesn-Wache "mehr getreten als geführt worden" sei, so die Frau dem Bericht zufolge. Dort sollen dem 15-Jährigen, der zu diesem Zeitpunkt noch völlig unverletzt gewesen sei, die Verletzungen zugefügt worden sein. Gemeinsam mit weiteren Müttern habe sie mitansehen müssen, wie der Polizeibeamte den Kopf des gefesselten Jungen gleich mehrmals gegen die Wand schlug. Schwer verletzt sei der Junge dann weiter festgehalten worden, zuerst auf der Wiesn-Wache, dann im Polizeipräsidium. Der Vorwurf: Beamtenbeleidigung. Dies streitet die Mutter auch gar nicht ab. Ihr Sohn habe sich aber erst dann verbal gewehrt, als sein Kopf an die Wand geschlagen wurde.

Zwei Tage nach der Tat erstattete die Mutter Anzeige

Gegen Mitternacht hätten die Platzwunden an der Lippe des Jungen schließlich genäht werden können, sagte die Mutter der Zeitung. Zwei Tage später erstattete sie Anzeige. Den Schulstart eineinhalb Wochen nach dem Vorfall habe ihr Sohn zu Hause erlebt.

"Wir ermitteln mit Hochdruck", sagte Oberstaatsanwalt Vordermayer AZ-Online. Zur Aufklärung des Falles seien eigens Kripobeamte aus München angefordert worden, erläuterte er. Welche Brisanz die Angelegenheit für die Staatsanwaltschaft hat, belegt auch der Umstand, dass sich Behördenchef Vordermayer selbst in die Ermittlungen eingeschaltet hat. Von der Polizei gibt es mit Verweis auf das laufende Verfahren vorerst keine Stellungnahme. Solange die Vorwürfe gegen den Polizeichef jedoch nicht abschließend aufgeklärt seien, gelte die Unschuldsvermutung, betonte Vordermayer.

Derweil beschäftigt die Staatsanwaltschaft ein weiterer Fall von Polizeigewalt. Im November 2010 sollen Beamte aus derselben Inspektion drei Familienmitglieder eines Ex-Polizisten und den 66-Jährigen selbst niedergerungen und massiv verletzt haben. (mit dpa)

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