Dienstag, 24. Oktober 2017

30. Mai 2016 00:31 Uhr

Alte Synagoge

Auf die Anstrengung folgt das Staunen

Mekomot ist ein ergreifendes Projekt, das jetzt die Hörer im früheren jüdischen Gotteshaus in Binswangen in Bann zog. Die Musiker lösen beim Publikum starke Gefühle aus Von Margot Sylvia Ruf

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Am Ende war bei den agierenden Musikern und Sängern von Mekomot in der Alten Synagoge in Binswangen gelöste Heiterkeit zu spüren. Das Konzert zog die Hörer im früheren jüdischen Gotteshaus in Bann.
Foto: Margot Sylvia Ruf

Die Alte Synagoge war für zwei Stunden lang ein geradezu magischer Ort, als ein interessantes und hoch spannendes Unterfangen in Binswangen eine Plattform geboten bekam. Der Titel „Orte - Mekomot“ war für übliche Konzertbesucher zunächst ohne wirkliche Aussagekraft. Wer dann trotzdem den Weg in das einstige jüdische Gotteshaus fand, der musste seine Entscheidung nicht bereuen, wenn er sich vorher ausreichend informiert hatte.

Jüdische Gegenwartsmusik erwartete an diesem Abend die Zuhörer genauso wie traditioneller jüdischer Gesang. Jüdisches Leben in Form von Klängen wurde bunt, spannend, aber auch ein wenig ironisch, gelegentlich lautstark und voller Gefühlstiefe greifbar. Möglicherweise war es das erste Mal, seit die Synagoge nach ihrer Sanierung als Kulturstätte fungiert, dass eine so große Nähe zum Judentum für die Besucher erfahrbar wurde. Aber, es war auch anstrengend für das Auditorium, heftig wechselnden Programmteilen und teils fremd wirkenden Lauten und Instrumenten Auge und Ohr zu widmen.

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Musik von heute in ehemalige jüdische Synagogen zu tragen, ist die Intention der Initiatoren einer Reihe von Veranstaltungen, die in ausgewählten deutschen und polnischen Einrichtungen zu erleben sind und den Titel „Orte - Mekomot“ tragen. Fünf junge in Deutschland lebende Komponisten präsentieren druckfrische Werke. Ihre innovative und eindringliche Musik für Gesang, Flöte, Oboe, Trompete/Schofar, Harfe, E-Gitarre und Schlagzeug wird von einem babylonischen Ensemble aufgeführt. Musikerinnen und Musiker aus Israel, Island, Serbien, den USA und auch aus Deutschland hauchen den Klängen Leben ein. Vielfach gefeierte und ausgezeichnete Meister ihres Fachs, die bereits auf großen Konzertbühnen in der Welt Gehör fanden, wurden in Binswangen ebenfalls mit euphorischem Beifall bedacht.

Aufhorchen lässt in der Synagoge der Berliner Kantor Assaf Levitin. Alte jüdische Gesänge präsentiert er mit tiefer sonorer Stimme und archaisch anmutender Ausdruckskraft. Sie lassen Gänsehautfeeling aufkommen und erinnern daran, dass sie so in Binswangen einst geklungen haben könnten, als Mitbürger ihr Judentum und ihren Glauben lebten. Levitin macht seinen Beitrag zum besonders bereichernden Erlebnis, das beim Publikum starke Gefühle auslöst. Doch da sind auch Kompositionen zu hören, die zunächst kakofonisch wirken und dann doch ein raffiniertes und punktgenaues Zusammenspiel der agierenden Musiker offenbaren. Der Percussionist wird dabei schweißtreibend gefordert. Weingläser, Blech- und Kunststoffteile sowie Miniatur-Kuhglocken werden zu ungewohnten Tonträgern. Gezupfte Gitarrensequenzen, eine wundersam klingende Harfe und ein Rascheln, Scharren, Säuseln und Pfeifen füllen den Synagogenraum bis in den letzten Winkel. Was ist das für ein Erlebnis für die Zuhörer, deren Disziplin bis zum Ende anhält und die sich ob der Ungewöhnlichkeit des Präsentierten da und dort erstaunt die Augen reiben.

Und es gibt auch noch kurz ein Aufblitzen von politischen Fragen und Problemstellungen im Hinblick auf die aktuelle Flüchtlingssituation. Auf den Schwingen eines Liedes transportiert Kantor Levitin zusammen mit anderen Sängern diese vielfältige Hilflosigkeit hinein in die Zuhörerreihen wohl in der Hoffnung, kleine Lichter angezündet zu haben. Wer könnte auch diese große Tragik besser verstehen als jüdische Menschen, die im Lauf der Geschichte selbst so viel unermessliches Leid erfahren haben.

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