Mobiles Theater spielt vor 100 Inhaftierten
Niederschönnenfeld Eine willkommene Abwechslung bot das Münchner Theater „Kultur auf Rädern“ etwa 100 Inhaftierten in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Niederschönenfeld: Die Schauspieler Stephan Lanius (Kontrabass) und Roland Biswurm (Percussion) inszenierten mit tollem Getöse, theatralischer Gestik und fantastischer Mimik sieben ausgewählte „Schlachten“ des Ritters von der traurigen Gestalt Don Quichotte, frei nach Miguel de Cervantes.
Gleich zu Beginn schlägt der Hauptdarsteller mit der Faust auf den Tisch, genauer: auf seinen Kontrabass, und ruft blitzendes Auges: „Ich bin ein Ritter! Ich habe Feinde! Und ich werde den Schwachen helfen!“ In dem ebenfalls verrückten Sancho Pansa findet Don Quichotte einen getreuen Diener, dem er schon mal eine Insel zur Belohnung für seine Dienste in Aussicht stellt. Da werden aber nicht nur Schlachten geschlagen, wie etwa gegen Windmühlen oder eine Herde Schafe, nein, da wird auch eine (unerreichbare) weibliche Schönheit angehimmelt, fast angebetet.
Die eigene Situation
Immer wieder entdecken Don Quichotte und sein Diener neue Feinde, die es zu besiegen gilt. Da bleibt kein Auge trocken: Man lacht über so viel Plumpheit „derer da vorne“, dass man die eigene Situation für eine Weile vergisst.
Das Abschalten tut gut, das empfanden auch die Gefangenen so. Sozialrat Werner Stapf, der das Gastspiel organisiert hatte, forderte die Zuschauer auf, das Leben im positiven Sinne „kämpfend zu bestehen“ und, wie Don Quichotte, niemals aufzugeben.
Interessant, dass das dargebotene Stück in der Jetztzeit spielt: Quichotte erlebt man im Motorraddress und mit Kontrabass, der auch Rosinante versinnbildlicht.
Sancho Pansa geistert mit diversen Schlag- und Geräuschinstrumenten auf der Bühne herum. Auch er kommt wegen seines enormen Körpereinsatzes – ihm ist ja eine Insel versprochen – ins Schwitzen. Alles in allem war die einstündige Performance „ein unerhörtes, nie gesehenes Abenteuer“, so der Titel einer Szene. (ma)
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