Dienstag, 21. Februar 2017

20. August 2014 06:30 Uhr

Donau-Ries

Kinder der Zwölf Stämme kosten Landkreis eine halbe Million Euro

Wegen „Züchtigungen“ holte das Jugendamt Kinder der Glaubensgemeinschaft aus ihren Familien. Das ist für den Landkreis Donau-Ries teuer - auch im kommenden Jahr.

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Im September 2013 nahm das Jugendamt die Kinder der Glaubensgemeinschaft Zwölf Stämme in Obhut genommen. Die Eltern demonstrierten vor dem Landratsamt in Donauwörth.
Foto: Archivbild Wolfgang Widemann

Über 470 000 Euro an Jugendhilfekosten sind zwischen September 2013 und Juni 2014 angefallen. Man werde wohl wieder Mittel in den Kreishaushalt einbringen müssen für die Versorgung der Minderjährigen, erklärt Landrat Stefan Rößle auf Nachfrage unserer Zeitung.

Wohl der Kinder steht im Vordergrund, betont der Landrat

Es sei „davon auszugehen“, dass weiterhin Fremdunterbringungen vonnöten sein werden.

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Sicher ist das allerdings bis dato nicht, da im September einige wichtige Verfahren in Sachen Zwölf Stämme gerichtlich verhandelt werden. Der Landrat betont in diesem Zusammenhang jedoch, dass das Finanzielle in diesem Fall zweitrangig sei und „das Wohl der Kinder im Vordergrund“ stehe.

Vom Freistaat kommt bisher keine Unterstützung

Zugleich spricht Rößle von einem „enormen Kostenfaktor“ durch die Fremdunterbringungen der Kinder aus Klosterzimmern: „Es ist eine im Haushalt relevante Größe.“ Der Kreis sei als Träger der Jugendfürsorge indessen verpflichtet, die Versorgung von Kindern zu übernehmen, die in Obhut genommen werden.

Bitten nach Unterstützung durch den Freistaat liefen zuletzt ins Leere. Je nach Art der Unterbringung, nach Alter der Kinder und den Zusatzleistungen, etwa für therapeutische Maßnahmen, fallen laut Jugendamt für einen Heimplatz durchschnittlich 130 Euro pro Tag und für eine Pflegefamilie circa 1000 Euro pro Monat an.

Seit der Unterbringung der Kinder im September 2013 bis Juni 2014 sind insgesamt Kosten in Höhe von 473 798,91 Euro angefallen.

Für 22 Kinder der Zwölf Stämme ist das Landratsamt zuständig

Das Amt für Jugend und Familie des Landratsamtes Donau-Ries war zuletzt für insgesamt 22 Kinder und Jugendliche der Zwölf Stämme verantwortlich. Fünf schulpflichtige Kinder befinden sich zurzeit in einer Jugendhilfeeinrichtung; zehn Kinder, davon sechs schulpflichtige, sind bei Pflegefamilien untergebracht.

Fünf Jugendliche der Glaubensgemeinschaft wurden inzwischen mit einem oder beiden Elternteilen nach Österreich abgemeldet – bei zwei dieser Jugendlichen ist aufgrund der Entscheidung des Familiengerichts Nördlingen beziehungsweise des Oberlandesgerichtes (OLG) München der Ergänzungspfleger des Landratsamtes noch für den Bereich der schulischen Angelegenheiten zuständig.

Die Gerichte haben das Aufenthaltsbestimmungsrecht aber an die Eltern zurückgegeben. Für zwei weitere Jugendliche wurde der Sorgerechtsentzug aufgehoben. Den Eltern wurde gleichzeitig auferlegt, den Schulbesuch durch eine monatliche Bescheinigung der besuchten Schule dem zuständigen Jugendamt nachzuweisen. Bei einem 15-jährigen Jugendlichen wurde die gesamte elterliche Sorge ohne Auflagen an die Eltern rückübertragen.

Zwölf-Stämme-Anwalt erhebt Kritik

Unterdessen kritisiert der Rechtsanwalt der Glaubensgemeinschaft, Michael Langhans aus Donauwörth, den aus seiner Sicht unzureichenden Kontakt der nach den Misshandlungsvorwürfen in Obhut genommenen Kinder mit ihren Eltern: „Im Schnitt sind das alle zwei Wochen zwei Stunden unter strenger Aufsicht.“

Dies sei für Eltern und Kinder gleichermaßen belastend. Der Donauwörther Jurist meint zudem, dass die Maßnahmen des Jugendamtes zu restriktiv seien: „Es hätte von vornherein verhältnismäßigere Mittel gegeben als die Kinder aus den Familien herauszunehmen.“ Er nennt hierzu einen „intensiven Dialog mit den Eltern“ und „engmaschigere Überprüfungen“ vor Ort als Alternativen.

Gerichtsverhandlungen nächsten Monat

Die von diversen Mitgliedern der Zwölf Stämme zugegebenen „Züchtigungen“ hätten, so Langhans, im Sinne der Gesetzgebung „niemals“ den Automatismus einer Herausnahme aus der Familie zwangsläufig zufolge. Langhans hatte zuletzt auch den Gehalt der Fernsehbilder eines Privatsenders kritisiert, die wohl auch den Anlass zur Inobhutnahme gegeben hätten.

Auf dem Undercover-Video eines Journalisten seien acht Personen zu sehen – es gehe aber bei den Inobhutnahmen um eine größere Anzahl an Familien. Der Anwalt moniert weiterhin, dass er bislang „eine erschreckend geringe Menge an Akten“ von den Behörden zur Einsicht erhalten habe, wichtige Verhandlungen in der Causa Zwölf Stämme jedoch schon im nächsten Monat stattfinden werden.

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Ein Artikel von
Thomas Hilgendorf

Lokalredaktion Donauwörth
Ressort: Kreispolitik, Stadt Donauwörth



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