Samstag, 18. November 2017

13. Dezember 2015 10:54 Uhr

Naturschutz in Merching

Fischtreppe für den Mandichosee

Eine zwei Kilometer lange Umgehung macht die Merchinger Lechstaustufe für Wassertiere wieder passierbar. Dafür investiert Kraftwerksbetreiber E.on rund 2,3 Millionen Euro.  Von Maike Weber

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 Ein Jogger läuft am Ufer des Mandichosees entlang. Auf der großen Wasserfläche treiben Enten und Schwäne friedlich dahin. An der Lechstaustufe grenzt scheinbar unberührte Natur an die industrielle Stromgewinnung aus der Wasserkraft. Um beides besser zu vereinbaren, baut E.on nun eine aufwändige Fischtreppe.

Denn als das Kraftwerk vor mehr als 30 Jahren in Betrieb ging, wurde das nicht berücksichtigt: „Früher hat sich niemand über den Fischbestand Gedanken gemacht. Erst Mitte der 90er Jahre sind Richtlinien zum Naturschutz entstanden“, erzählt Theodoros Reumschüssel, Pressesprecher der E.on Kraftwerke GmbH. Damals erhielt E.on entsprechende Auflagen zur ökologischen Durchgängigkeit. Mit einer Investition von 2,3 Millionen Euro kommt der Energiekonzern diesen nun nach. Mittels einer so genannten Fischaufstiegsanlage können die im Lech lebenden Wassertiere das Stauwerk künftig gefahrlos umgehen.

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Als Leiterin des Projekts wird sich Uta Mentz bis zum Oktober nächsten Jahres mit den Baumaßnahmen beschäftigen. Der Startschuss hierfür ist Ende September gefallen. Die Rohdungsarbeiten sind bereits abgeschlossen – im nächsten Schritt werden Schalungen in Beton gegossen. Insgesamt soll eine Höhendifferenz von rund elf Metern überwunden werden: „Dafür schaffen wir neben der Passierbarkeit eine fischgerechte Umgehung von über zwei Kilometern. Wir beginnen mit dem Einstieg etwa 60 Meter unterhalb des Kraftwerks“, so die Diplom-Ingenieurin.

Anschließend findet eine Umleitung der Flusstiere durch eine Gewässerstrecke statt. Diese muss unterirdisch gebaut werden – eine Sperrung der Umgehungsstraße von Mering nach Königsbrunn wird dafür notwendig sein. „Im August 2016 werden hier sowieso Baumaßnahmen stattfinden. Um die Belastung der Autofahrer gering zu halten, schließen wir uns diesen an“, erzählt Reumschüssel.

Durch die so genannte Wasserrahmenrichtlinie ist E.on jedoch nicht nur zu einer Umgehung für die Wassertiere verpflichtet. Ein fischgerechter, ökologischer Bau muss ebenfalls gewährleistet werden. Kraftwerksgruppenleiter Dr. Johann Sachmann erklärt: „Bei abgesenktem Seestand fügen wir Totholzbündel ein, die als Lebensraum und Laichplatz dienen.“ Was für die Laie aussieht wie ein unnützer Schlammklumpen, bietet den Fische einen wichtigen Rückzugsraum. In den bereits vorhandenen Entwässerungsgraben sollen davon etwa 70 Stück eingesetzt werden. Dieser wird als längster Abschnitt der Fischtreppe naturgerecht aufgewertet. Der im Lech heimische Huchen dient dabei als Orientierung für die Planung.

Viele Einzelheiten müssen beachtet werden: „Damit die Wassertiere den Weg vom Lech über die Umgehung in den See finden, brauchen wir Lockströmungen. Da werden wir am Ende feinjustieren“, so Sachmann. Dafür setzen die Experten zum Abschluss des Projekts Steine in ganz bestimmte Positionen. Diese lenken dann die Fische in die gewünschte Richtung.

Auch die Angler profitieren durch die neue Fischtreppe: Aufgrund der entstehenden Wanderwege tauschen sich die Fischfamilien aus – ein gesunder Bestand ist die Folge. „Es ist uns ein Anliegen, Ökologie und Ökonomie bei der Nutzung der Wasserkraft in Einklang zu bringen“, so Uta Mentz.

Angst vor einem hochmodernen „Betonklotz“, der das Landschaftsbild zerstört, müsse man also nicht haben. Zwar seien die Wege aufgrund der Baumaßnahmen vorübergehend nur eingeschränkt nutzbar. Die Wanderpfade würden sich danach aber attraktiver zeigen – ein Gewinn für Mensch und Natur.

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