Samstag, 1. Oktober 2016

20. Februar 2016 11:54 Uhr

Integration in Kissing

Orientierung per Smartphone

Als erste Gemeinde im Kreis nehmen Kissinger Asylhelfer eine für Flüchtlinge entwickelte Integreat-App in Betrieb Von Heike John

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Gemeinsam realisierten sie die Handy-App für Kissinger Asylbewerber, von links Harald Schütz, Daniel Kehne, Omar Almasalmah, Yahya Swihne, Hamidou Amadou Diallo und Petra Hamberger.
Foto: Heike John

 In den nächsten Tagen erwartet der Kissinger Asylhelferkreis die Ankunft neuer Flüchtlinge. Sie werden nicht im Regen stehen. Zum einen, weil die Container in der Auenstraße bezugsfertig sind und bis zu 144 Asylsuchenden ein Dach über dem Kopf bieten können. „Doch auch die Orientierung der Neuankömmlinge vor Ort kann nun sehr schnell und einfach laufen“, freut sich Petra Hamberger, die Asyl- und Integrationsbeauftragte im Kissinger Mehrgenerationenhaus (MGH). Vor einigen Tagen nahm der Asylhelferkreis die Integreat-App, eine mit dem Handy nutzbare Anwendung, in Betrieb, die über alle notwendigen Adressen, Tipps und Hinweise in der neuen Umgebung verfügt und ab der Ankunft in Kissing ein nützlicher Alltagsbegleiter ist.

Über ihr Smartphone können sich die Flüchtlinge kostenlos informieren, wo der nächste Arzt ist, wer Deutschkurse anbietet oder wo welche Anträge abgegeben werden müssen. Kissing ist der erste Ort im Landkreis, der seinen Asylbewerbern diesen mobilen Alltagsguide bietet. Entwickelt wurde er von einer Forschungsgruppe des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität München mit Studenten sowie dem Augsburger Verein Tür an Tür.

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Über einen Artikel in unserer Zeitung erfuhren die Kissinger Asylhelfer von der Integreat-App. Sie nahmen Kontakt zu Projekt- koordinator Daniel Kehne auf, der die in seinem Team über Monate erarbeitete Grundstruktur zur Verfügung stellte. Die kommunalspezifischen Informationen wurden innerhalb des Asylhelferkreises vor allem von Petra Hamberger und Harald Schütz zusammengetragen – und dies in einer Rekordzeit von knapp vier Wochen. „So schnell wie der Kissinger Asylhelferkreis war bis jetzt keiner“, lobt Daniel Kehl. Der 25-jährige Student ist mittlerweile in vielen Kommunen unterwegs, um die kostenlose und technisch hochwertige Lösung für Flüchtlinge in der gesamten Bundesrepublik nutzbar zu machen.

In Augsburg ist sie bereits seit Ende letzten Jahres im Einsatz, und nun zeigen sich auch viele weitere Städte und Kommunen interessiert. Erst vor einer Woche war Daniel Kehl in Köln, wo er die äußerst positive Erfahrung mit der schnellen Umsetzung in Kissing weitergab. Natürlich ist eine Großstadt wie Köln nicht mit Kissing vergleichbar, doch auch vor Ort war ein enormes Engagement nötig, um alle wichtigen Informationen in Wort und Bild zusammenzutragen.

Neben der deutschen Sprache kann die App auch in Englisch, Französisch und Arabisch heruntergeladen werden. Für deren Richtigkeit sorgten unter anderem auch drei Asylbewerber, die bereits ein, zwei Jahre in Kissing leben. Hamidou Amadou Diallo aus dem Senegal machte sich an die französische Sprache, und die beiden Syrer Yahya Swihne und Omar Almasalmah korrigierten die arabische Fassung. Schmunzeln mussten die drei vor allem, weil die automatische Übersetzung aus dem Ortsnamen Kissing „Küssen“ gemacht hatte.

Besonders praktisch ist die App, weil sie, wenn sie einmal heruntergeladen ist, überall offline genutzt werden kann und somit kein Internetanschluss nötig ist. Dass hierzulande an Feiertagen die Geschäfte geschlossen sind, erfahren die Nutzer der App ebenso wie die ersten Schritte zur Eröffnung eines Bankkontos oder die Sprechstundenzeiten im Büro des Kissinger Asylhelferkreises. Dieser hat inzwischen 78 ehrenamtliche Helfer. „Das reicht längst nicht, wenn man bedenkt, dass wir bis Ende des Jahres voraussichtlich etwa 270 Flüchtlinge in Kissing betreuen werden“, erklärt Petra Hamberger. „Wir suchen dringend noch Ehrenamtliche, die sich auch tagsüber einbringen können, etwa bei der Hausaufgaben- oder Kinderbetreuung und beim Sprachunterricht sowie für Behördengänge oder Fahrdienste.“

Ehrenamt Wer mitmachen will, kann sich unter 01578/3262821 bei Petra Hamberger melden. Weitere Infos im Internet: www.integreat-app.de.

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