Dienstag, 12. Dezember 2017

21. Juli 2017 20:55 Uhr

Energie

Der Stromzähler wird digital

In Haushalte und Firmen zieht eine neue Technik ein - digitale Stromzähler. Wann die Umstellung kommt, was sie bringt und was sie kostet.

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Bisher war es ein fester Termin im Kalender: Ein Mitarbeiter des Energieanbieters kam ins Haus, um den Stromzähler abzulesen. Das wird bald Geschichte sein. Denn die alten, schwarzen Zähler werden durch digitale ersetzt, die den Verbrauch direkt an den Anbieter melden. Wenn es soweit ist, werden Haushalte und Firmen in unserer Region Post bekommen. Wir erklären, wie der Tausch abläuft und was er kostet.

Warum werden die Stromzähler überhaupt ausgetauscht?

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Der Grund ist die Energiewende. Viel Strom wird aus Sonne und Wind erzeugt. Doch die Erzeugung schwankt. Jetzt sollen die Energienetze intelligenter werden, um Schwankungen ausgleichen zu können. "Die intelligenten Stromzähler sind ein wesentlicher Baustein der Energiewende", sagt Manfred Lux, Geschäftsführer des zu den Lechwerken gehörenden Unternehmens LEW Verteilnetz. Die Netzbetreiber können in Zukunft über die intelligenten Zähler Informationen erhalten, wie der Strom aktuell fließt. Vorangetrieben hat die Umstellung der Bund: Basis sei das im September 2016 in Kraft getretene Messstellenbetriebsgesetz, erklärt Oliver Schober von Erdgas Schwaben. Es sieht die Einführung der neuen Zähler ab diesem Jahr vor.

Wer tauscht die Zähler aus?

Zuständig sind die Betreiber der Zähler. In weiten Teilen unserer Region ist dies das Unternehmen LEW Verteilnetz. Daneben gibt es zum Beispiel auch das Allgäuer Überlandwerk, die Stadtwerke Augsburg oder die Vereinigten Wertach-Elektrizitätswerke. Die Betreiber der Messstellen sind für den Einbau, die Wartung und den Betrieb der Zähler zuständig. Andere Anbieter, die keine Netzbetreiber sind, bieten digitale Stromzähler ihren Kunden aber als Service an. Dazu gehört zum Beispiel Erdgas Schwaben.

Wer bekommt die neuen Zähler?

"Der Einbau der digitalen Stromzähler ist für jeden Stromkunden vorgesehen", erklärt LEW-Verteilnetz-Geschäftsführer Lux. Betroffen sind also alle Privatleute und Unternehmen.

Wie sehen die neuen Zähler aus und warum gibt es zwei Varianten?

Die neuen Zähler sind meist aus grauem Kunststoff und haben eine digitale Anzeige. Dabei gibt es zwei Varianten. Praktisch eine Basis-Version und ein leistungsfähigeres System. Wer welchen Zähler bekommt, hängt vom Stromverbrauch ab.

Wie sieht die Basis-Version aus und wer bekommt sie?

Ein einfacher digitaler Stromzähler misst wie bisher auch den Stromverbrauch. Der Verbrauch wird aber transparenter als bisher, sagt LEW-Fachmann Lux. Das auch als "moderne Messeinrichtung" bezeichnete Gerät zeigt den Stromverbrauch tages-, monats- und jahresweise an. Die Werte werden zudem 24 Monate gespeichert. Seit 2010 werden die Geräte bereits in ähnlicher Form in Neubauten eingesetzt, sagt Lux. Der einfache digitale Stromzähler ist für alle Kunden vorgesehen, deren Verbrauch unter 6000 Kilowattstunden im Jahr liegt oder die eine Einspeiseanlage – zum Beispiel Fotovoltaik – mit weniger als sieben Kilowatt Leistung betreiben. Das sind die meisten Privathaushalte in Ein- oder Mehrfamilienhäusern.

Wann kommen die neuen Zähler?

Die Einführung hat bereits begonnen, erfolgt schrittweise und wird sich über viele Jahre erstrecken. Im LEW-Gebiet gibt es rund 600000 Stromzähler. Dieses Jahr sollen die ersten 6000 Haushalte mit digitalen Zählern ausgestattet werden, erklärt Lux. Im nächsten Jahr ist die Umrüstung 30.000 weiterer Haushalte geplant. Wer neu baut oder wessen Stromzähler routinemäßig ausgetauscht werden muss, bekomme ein neues Gerät, erklärt Lux. Bis zum Jahr 2032 sollen dann alle Verbraucher mit weniger als 6000 Kilowattstunden Jahresverbrauch einen digitalen Stromzähler haben. Die alten, schwarzen Ferraris-Zähler wird es dann nicht mehr geben.

Und wie sieht das leistungsfähigere System aus und wer bekommt es?

Hier kommt zum Stromzähler noch eine Kommunikationseinheit hinzu, ein "Gateway". Es überträgt die Zählerdaten automatisch und verschlüsselt an einen Administrator, der auf die Verwaltung der Daten spezialisiert ist. Dieses "intelligente Messsystem" bekommt, wer mehr als 6000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht oder eine Einspeiseanlage mit mehr als sieben Kilowatt installierter Leistung betreibt. Dies sind zum Beispiel landwirtschaftliche Betriebe oder Firmen, Privathaushalte hingegen erreichen diesen Jahresverbrauch in der Regel nicht.

Wie sieht die Einführung dieser leistungsfähigeren Zähler aus?

Frühestens Anfang 2018 wollen die Lechwerke beginnen, Verbraucher damit auszustatten, die einen Jahresverbrauch über 10.000 Kilowattstunden haben oder zum Beispiel eine Fotovoltaik-Anlage mit mehr als sieben Kilowatt Leistung betreiben. Ab 2020 folgen dann die Bürger und Betriebe, deren Jahresverbrauch zwischen 6000 und 10000 Kilowattstunden liegt, erklärt Lux.

Was kosten die digitalen Stromzähler den Verbraucher?

Der Einbau der Zähler kostet den Verbraucher nichts. Für den Betrieb der digitalen Zähler hat der Gesetzgeber Preisobergrenzen festgelegt, die wiederum vom Stromverbrauch abhängen. Wer nur den einfachen digitalen Stromzähler bekommt, zahle laut Preisobergrenze maximal 20 Euro im Jahr, erklärt Lux. Zum Vergleich: Ein Ferraris-Zähler schlägt im Netzgebiet der Lechwerke heute mit rund 13 Euro zu Buche. Für alle, die nicht nur den einfachen digitalen Stromzähler bekommen, sondern auch das Gateway, betragen die Preisobergrenzen zwischen 100 und 200 Euro im Jahr, abhängig von Stromverbrauch bzw. installierter Leistung der Einspeiseanlage. Wer sich als Privatkunde freiwillig für das leistungsfähigere System mit Gateway entscheidet, kommt auf 23 bis 60 Euro.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

"Alle Daten werden vertraulich, mit größter Sorgfalt und höchsten Sicherheitsstandards behandelt", sagt Lux. Die LEW hat mit anderen regionalen Partnern für die Verwaltung der Daten das Unternehmen "Metering Süd" gegründet. Es dürfen nur solche Daten zum Beispiel an die Stromanbieter weitergegeben werden, die diese für ihren Service brauchen, sagt Lux.

Es gab Berichte, dass digitale Stromzähler den Verbrauch nur ungenau messen – meist zu hoch. Was ist davon zu halten?

LEW-Fachmann Lux kann diese Erfahrungen nicht bestätigen. "Zähler, die wir bisher eingebaut haben, messen einwandfrei", sagt er. Die Geräte müssen zugelassen und zertifiziert werden.

Welche Vorteile hat ein digitaler Zähler für den Kunden?

Zum einen sieht der Kunde besser, wann er wie viel Strom verbraucht, erklärt Lux. "Ziel ist die Einsparung von Energie", sagt Oliver Schober von Erdgas Schwaben. Der Verbrauch wird dadurch leichter rückverfolgbar. Kommen Kunden zum Beispiel aus dem Urlaub zurück und sehen, dass in der Zwischenzeit ihr Stromverbrauch hoch war, können sie der Ursache auf dem Grund gehen. Zum anderen seien digitale Zähler die Basis, damit Stromanbieter Tarife anbieten können, die den Strom billiger machen, wenn er im Überfluss vorhanden ist. Dann rentiert es sich zum Beispiel, die Waschmaschine laufen zu lassen oder den Warmwasserspeicher aufzuheizen, wenn mittags viel Sonnenstrom produziert wird. Bei Erdgas Schwaben sieht man die digitalen Zähler auch als Chance, um neue "Mieterstrommodelle" umzusetzen. Dabei wird günstiger Strom aus einer Photovoltaikanlage, einer Brennstoffzelle oder einem Blockheizkraftwerk günstig an die Mieter abgegeben.

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Schlagworte

Stadtwerke Augsburg

Ein Artikel von
Michael Kerler

Augsburger Allgemeine
Ressort: Wirtschaft


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