Dienstag, 16. Januar 2018

09. Januar 2018 10:14 Uhr

Test

Der Renault Koleos im Test: Premium will gelernt sein

Ein Hauch von Luxus, aber nur ein Hauch: Wie sich Renault mit dem Koleos an die Welt der gehobenen Mittelklasse-SUVs herantastet. Wir sind ihn gefahren.

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Für Luxus war Renault bislang nicht unbedingt bekannt, aber das lässt sich ja ändern. Mit dem neuen Koleos tritt der Hersteller erstmals im boomenden Segment der gehobenen Mittelklasse-SUVs an den Start. Auch die Franzosen wissen: Wenn du als Autobauer Geld verdienen willst, musst du da hin.

Und sie machen es nicht schlecht auf den ersten Eindruck. Der Wagen hat die Präsenz und die Ausstattung, die sich Käufer dieser Fahrzeugkategorie vorstellen. In der Top-Version „Initiale Paris“ sieht er dank 19-Zoll-Rädern, Kühlergrill mit Chromdekor und getönten Scheiben nicht nur gut aus.

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Sondern er bringt bringt die technischen Annehmlichkeiten mit, die in dieser Klasse längst zum Standard gehören, also etwa ein Surround-Soundsystem (hier von Bose), einen Berührbildschirm für Navi und Co., Ambientebeleuchtung und Tempomat. Letzterer hält zwar die Geschwindigkeit, aber leider nicht den Abstand zum Vordermann. Wenn der bremst, muss der Koleos-Pilot selbst verzögern.

44500 Euro ruft Renault für das Topmodell auf; das ist durchaus wettbewerbsfähig. Schließlich sind ein kräftiger Vierzylinder-Diesel mit 177 PS, ein Allradantrieb und eine Art Automatikgetriebe an Bord. Eine Art deshalb, weil es sich eigentlich um ein stufenloses CVT-Getriebe handelt, dass sich aber bei starkem Beschleunigen wie eine herkömmliche Automatik verhalten soll, sprich das Hochschalten von Gängen simuliert. Bei moderater Gangart hält die „X-tronic“ die Motordrehzahl bei rund 2000 Touren. In diesem Bereich läuft der Diesel am wirtschaftlichsten.

So weit, so gut, jedoch hat man beim Gasgeben immer noch das Gefühl, dass das Getriebe einen Gutteil der 380 Newtonmeter verschluckt. Erst kommt die Drehzahl (mit entsprechendem Aufheulen des Motors), dann kommt die Leistung. Sportlich bewegt sich der Wagen damit nicht gerade. Da ist der Handschalter eine interessante Option, zumal er das Preis/Leistungsverhältnis um rund 1900 Euro verbessert. Noch deutlich günstiger wird es, wenn man den kleineren Motor (130 PS) wählt und auf den Allradantrieb verzichtet. Dann beginnt der Koleos bereits bei 30900 Euro! Wer braucht den 4x4 schon wirklich? Zumal er nicht der intelligenteste seiner Art ist. Erst wenn die Traktion nachlässt, wird Drehmoment von der Vorder- an die Hinterachse umgeleitet.

Über jeden Zweifel erhaben sind die praktischen Qualitäten des Koleos. Die elektrische Heckklappe hebt sich mit einem unter der Stoßstange ausgeführten Fußkick. Es eröffnet sich ein Laderaum von bis zu 1706 Litern, wenn man die Rücksitze umklappt, was kinderleicht gelingt. Sogar beim Kofferraumboden haben sich die Konstrukteure etwas gedacht. Er lässt sich herausnehmen und in unterschiedlichen Höhen wieder montieren. So entsteht entweder maximales Volumen oder eine zusammen mit den Rücksitzlehnen brettebene Ladefläche.

Über mangelnden Platz können sich auch die Passagiere nicht beschweren. Sie sitzen in ihren Nappaleder-Sesseln hoch und luftig, wie man es von einem mittelgroßen SUV erwartet. Das für einen Diesel niedrige Geräuschniveau macht längere Fahrten zusätzlich angenehmer. Die im Test gezeigten Realverbräuche von rund 8,5 Liter ermöglichen passable Reichweiten.

Einen Benziner sucht man im Angebot vergebens; es gibt den schwächeren und den stärkeren Diesel und das war´s. Was die Motoren-„Auswahl“ betrifft kann Renault beim Koleos noch von der Premium-Konkurrenz lernen.

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Schlagworte

Augsburg | Renault | Paris

Ein Artikel von
Tobias Schaumann

Augsburger Allgemeine
Ressort: Digitale Produkte


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