Samstag, 19. August 2017

21. April 2017 06:00 Uhr

Günzburg

Die Baustelle auf der Ichenhauser Straße löst Ärger aus

Vergangenen Herbst war die Straße bereits teilweise gesperrt. Seit März ist es wieder so. Vor allem Geschäftsleute haben ein großes Problem damit.

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Bich Loon Weiß sitzt im Asia-Laden und wartet auf Kundschaft. Es kommen weniger Menschen als sonst, sagt sie und zuckt mit ihren Achseln. Was kann sie tun? „Nur warten“, antwortet sie. Denn auf das, was draußen vor ihrer Tür vor sich geht, hat sie keinen Einfluss. Ebenso wenig wie Jürgen Käser von der Druckerei Gollmitzer. Beide, die vietnamesische Verkäuferin und den Druckereibesitzer, eint die Lage an der Ichenhauser Straße. Die ist noch bis Ende Oktober nicht wie gewohnt befahrbar.

In drei Abschnitten wird die Straße, die jahrzehntelang immer wieder geflickt worden war, von Grund auf saniert. 80 Zentimeter geht es in die Tiefe, um einen tragfähigen Untergrund und eine funktionierende Straßenentwässerung zu gewährleisten – und in Zukunft auch eine vernünftige Gehwegführung.

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Das alles aber wiegt für Käser den Ärger nicht auf, den er derzeit wegen der Baustelle vor der Haustür hat. Laufkundschaft bleibt aus. Lieferanten, die beispielsweise Papier vorbeibringen, meckerten wegen der Umwege, die sie in Kauf nehmen müssten und drohten damit, nicht mehr zu kommen. Auch Fahrten zu Kunden seien zeitlich wegen innerstädtischer Staus nicht mehr planbar. „Am besten wäre es, aufhören zu arbeiten oder sich einen neuen Standort zu suchen“, sagt Käser. Und das mit dem neuen Standort ist kein Scherz, den er da mal kurz einbaut. Käser meint es ernst. Er möchte dann nicht nur weg von der Ichenhauser Straße, sondern „eher Günzburg ganz den Rücken kehren“. Noch hat er sich nicht nach Alternativen umgesehen. Abschreckend wirkt der Umstand, dass die Maschinen abgebaut und andernorts wieder aufgebaut werden müssen, was einem Produktionsausfall „zwischen sechs und acht Wochen gleichkommt“. Wenn sich jedoch etwas ergeben würde – warum eigentlich nicht?

Dem Zeitplan ist man voraus

Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig kann nachvollziehen, dass Anlieger und Geschäftstreibende, die erreichbar sein müssen, über die Baumaßnahme nicht erfreut sind. „Aber die Straße war dringend sanierungsbedürftig.“ Der Stadt sei wichtig, möglichst schnell die Sanierung hinzubekommen. Daher würden die Bauarbeiten durch die beauftragte Ziemetshauser Firma bis auf zwei Wochen im August auch in den Ferien fortgeführt.

Den Marktplatz wollte der Stadtrat nicht für den Verkehr freigeben, um eine Entlastung zu schaffen. „Autos und Freiluftgastronomie passen allein schon unter Sicherheitsaspekten nicht zusammen“, begründet Günzburgs OB.

Die Baustelle ist dem Zeitplan derzeit um zwei Wochen voraus. Der erste Abschnitt vom Amtsgericht bis zum Scherisberg, der Verbindung in die Oberstadt etwa zum Landratsamt oder den Geschäftsstellen von AOK und Sparkasse, wird voraussichtlich bereits am 13. Mai für den Verkehr freigegeben. Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Asphalteinbau. Ursprünglich war Ende des kommenden Monats vorgesehen. Bis zu 2500 Fahrzeuge pro Tag nutzen diesen Weg.

Am Schluss kommt „der Bonus“

Danach geht es gleich mit den Baumaßnahmen im zweiten Abschnitt von der Agentur für Arbeit bis zum Hotel Zettler weiter. Dessen Seniorchef Meinrad Zettler gehört nach eigenen Worten „nicht zu den Jammerern. Aber ich habe Einbußen in dieser Größenordnung nicht kommen sehen“, sagt er und beziffert sie, wenn er den vergangenen Monat mit dem März des Vorjahres vergleicht, auf 25 Prozent. Stornierte Arrangements, weil die Zufahrt nicht einladend ist und Baulärm befürchtet wird, schmerzen den Hotelier. „Uns ging eine exklusive Tagung einer Aktiengesellschaft mit tausenden Beschäftigten verloren, die hier ihre Jahresplanung machen wollte.“

Dafür komme am Schluss dann „der Bonus“, spielt Zettler süffisant auf die Ausbaubeiträge an, die Stadt und Anlieger gemeinsam tragen. 1,5 Millionen Euro soll die gesamte Maßnahme kosten. Da es sich bei der Ichenhauser Straße um eine Hauptverkehrsstraße handelt, das ist die aus Anliegersicht günstigste Variante, müssen von privater Seite 30 Prozent der Straßensanierungskosten getragen werden. Für den Gehweg fallen 55 Prozent an.

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Ein Artikel von
Till Hofmann

Günzburger Zeitung
Ressort: Redaktionsleiter der Günzburger Zeitung


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